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Humanoider Roboter Pepper : Eine Maschine kommt zu Hilfe

  • -Aktualisiert am

Der humanoide Roboter Pepper Bild: Getty

Der Roboter Pepper sieht freundlich aus und ist an vielen Orten hilfreich im Einsatz, zum Beispiel in Pflegeheimen. Er kann sogar Gefühle lesen.

          2 Min.

          Künstliche Intelligenz ruft bei vielen Faszination hervor – aber auch Furcht. Kein Wunder, entwickeln Roboter in Filmen wie Terminator, RoboCop oder Alien doch zum Leidwesen der Menschen ihren eigenen Willen. Ganz anders Pepper. Als die französische Firma Aldebaran Robotics, die 2016 von der japanischen Firma Softbank Robotics aufgekauft wurde, ihn zu entwickeln begann, wollte sie diese Ängste bewusst nicht schüren.

          „Er sollte nett aussehen“, sagt Vincent Samuel von der Firma Softbank Robotics in Paris, die von hier aus den europäischen Markt bedient. „Denn die Leute haben vor Robotern oft noch Angst.“ Pepper sollte dieses Gefühl nicht erzeugen. Die Firma wollte einen neuen humanoiden Roboter bauen, der Menschen bei alltäglichen Dingen helfen kann. Keineswegs habe man jedoch im Sinn gehabt, menschliche Arbeitskräfte durch ihn zu ersetzen. „Er wird nicht die Arbeit der Menschen übernehmen, sondern nur die sehr repetitiven Aufgaben“, sagt Samuel. Außerdem sei er der erste humanoide Roboter, der Emotionen lesen könne.

          2014 kam Pepper in Japan auf den Markt und wurde seither stetig weiterentwickelt. Pepper ist 1,20 Meter groß, hat runde schwarze Augen und ein Tablet auf der Brust. Durch Partnerfirmen verbreitet er sich in der Welt weiter, in Deutschland durch Entrance Robotics in Wuppertal. Auch hierzulande wird er in immer mehr Einrichtungen eingesetzt, darunter Krankenhäuser, Hotels, Baumärkte – und seit 2019 auch in Pflegeheimen.

          Eines von ihnen ist das DRK-Seniorenzentrum Bruder Konrad in Ebersburg-Weyhers bei Fulda in Hessen. Dort ist er seit Frühjahr im Einsatz. Markus Otto, beim Kreisverband Fulda des Deutschen Roten Kreuzes Leiter des Geschäftsbereichs Senioren, sagt, er sei durch Presseberichte auf ihn aufmerksam geworden. Seine Assistentin Laura Wahl hat am meisten mit Pepper zu tun. Sie ist fasziniert von dem humanoiden Roboter und seinen Fähigkeiten. Sein Repertoire ist freilich noch begrenzt. Er gibt nur das wieder, was ihm einprogrammiert wurde. Kenne er einen Satz nicht, so antworte er nichts, erzählt Wahl. Sie ist daher ständig damit beschäftigt, ihm nach Bedarf neue Sätze einzuprogrammieren. Im Frühling hat sie ihm zum Beispiel die Frage einprogrammiert, ob er Allergiker sei. Pepper antwortet dann: „Ja, ich leide an Heuschnupfen. Im Frühling machen mich die Pollen ganz verrückt.“

          Zum Einsatz komme Pepper in Seniorengruppen von acht bis zehn Teilnehmern. Er animiere die Teilnehmer zu verschiedenen Aktionen. „Das sind ganz tolle Erfahrungen, die sich daraus ergeben“, sagt Wahl. Er sorge für Beschäftigung und Unterhaltung. „Pepper schafft quasi einen Mehrwert für die Bewohner durch seine Präsenz.“ Neben Dialogen könne er über sein Tablet Liederrätsel oder andere Spiele anbieten. Gruppenindividuell könne er sich anpassen und auf Bedürfnisse reagieren. Durch die Aktivitäten fördere er das Gedächtnis der Gruppenteilnehmer. Aber auch körperliche Aktivitäten stünden auf dem Plan. So animiere Pepper zu sportlichen Aktivitäten. Wahl müsse sie dann umsetzen und sagen: „Aufstehen, wir machen alle mit.“ Auch bei Verwandten, die zu Besuch kämen, sorge der neue humanoide Gefährte für Interesse. So kämen manchmal Kinder und fragten dann, wo denn der Roboter sei, von dem ihr Vater erzählt habe.

          In der Altenpflege sieht Wahl für humanoide Roboter eine Zukunft. Befürchtungen, Roboter könnten hier die Aufgaben der Menschen übernehmen und ihnen dauerhaft die Arbeitsplätze streitig machen, sieht sie als unbegründet. Es entstehe ein Mehrwert durch humanoide Roboter wie Pepper. „Aber sie ersetzen keine Fachkraft und auch keinen Mitarbeiter in der Betreuung.“

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