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Thronrekord der Queen : Das Volk feiert, Elisabeth II. schaut

Erfüllt auch am Tag ihres Rekords ihre Pflicht: Die Queen eröffnet eine Bahnstrecke im Süden Schottlands. Bild: Reuters

Alle feiern Königin Elisabeth II. für ihren Rekord auf dem Thron. Und die Königin selbst? Eröffnet lieber eine Bahnstrecke.

          3 Min.

          Die Königin machte ihrem Ruf alle Ehre, an diesem historischen Mittwoch. Anstatt sich vor der pompösen Kulisse der Hauptstadt dafür feiern zu lassen, dass sie den Thronrekord von Königin Viktoria eingestellt hat und nunmehr die am längsten regierende Monarchin Britanniens ist, nahm sie an einem eher mediokren Ereignis in der Provinz teil. Sie eröffnete eine Bahnstrecke im Süden Schottlands. Sollen die anderen über Geschichte sprechen – die Königin tut ihre Pflicht.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Schottland ist nicht für seinen glühenden Royalismus bekannt, aber dort, genauer in Balmoral, liegt nun einmal der Sommersitz der Windsors. Und weil der Urlaub im (noch) kühleren Norden noch nicht zu Ende war, nahmen die Königin und ihr Ehemann, Prinz Philip, am Mittwoch einen ganz normalen Termin in der Umgebung wahr.

          Lange Regentschaft : 63 Jahre, sieben Monate und zwei Tage im Amt

          Um elf Uhr morgens erreichte ihre Wagenkolonne den Edinburgher Bahnhof Waverley. Es folgte das übliche Händeschütteln mit den Offiziellen, darunter auch Schottlands Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon, die im Gespräch mit der Königin wie ein kleines Mädchen wirkte. Dann verschwanden alle in einem antiken „Pullman“-Waggon, der bald darauf von einer aus der Ferne herbeigeschafften Dampflok der „Union of South Africa“ aus dem Bahnhof heraus in Richtung Grenzregion gezogen wurde. Elisabeth und Prinz Philip hatten den Fensterplatz im Speisewagen. Sie saßen sich gegenüber, zwischen ihnen ein festlich gedeckter Tisch, und winkten vergnügt heraus. Die schottische Ministerpräsidentin, der die Königliche Protokollabteilung den Gangplatz zugewiesen hatte, konnte man von außen nicht so gut sehen.

          Ehrung der Königin in absentia

          Während die Lokomotive vor sich hin schnaubte und langsam in die schottische Grenzregion vorstieß, ehrte die britische Politik-Elite im fünf Schnellzugstunden entfernten Westminster-Palast ihr Staatsoberhaupt in absentia. Auch wenn die Königin kein Aufhebens von diesem Tag machen wollte, sagte die Oppositionsführerin Harriett Hamann – „wir machen sehr wohl ein Aufhebens davon!“ Ein Abgeordneter nach dem anderen verlangte das Wort. Kirchenmänner würdigten Elisabeths Verdienst als „Verteidigerin des Glaubens“, Militärs ihre unablässige Unterstützung der Streitkräfte. Andere erinnerten daran, dass bei ihrem Amtsantritt noch Truman in Washington und Stalin in Moskau regierten. Die wärmsten Worte aber kamen von dem, der die Königin Woche für Woche sehen darf, sogar muss. Die regelmäßigen Unterredungen, zu denen ihn Elisabeth (wie auch die elf Regierungschefs vor ihm) im Buckingham-Palast empfängt, gehörten zu den „anregendsten und demütigsten Ehren, die dieses Amt bereithält“, versicherte Premierminister David Cameron.

          Die Königin und ihr Mann fuhren die Strecke in einem historischen Zug ab. Bilderstrecke
          Die Königin und ihr Mann fuhren die Strecke in einem historischen Zug ab. :

          Um die internationale Bedeutung Elisabeths herauszustellen, machte Cameron sogar kurz Station in Deutschland. Mit Rückgriff auf den Duden erklärte er, dass es im Sprachgebrauch der Nachbarn zwar „viele Königinnen, aber nur eine Queen“ gebe. „Kein Plural“, merke das deutsche Wörterbuch lakonisch an, sagte Cameron zur Freude des Hohen Hauses. Offenbar hatte in Downing Street 10 aber nur ein altes Exemplar auf dem Tisch gelegen. Im Online-Duden wird die Queen nämlich recht sauber durchdekliniert, auch wenn „die Queens“ wirklich sonderbar klingt. „Die Queen ist unsere Queen, und wir könnten nicht stolzer auf sie sein“, sagte Cameron und fuhr fort: „Sie hat diesem Land mit unfehlbarer Anmut, Würde und Anstand gedient – möge sie noch lange damit weitermachen!“

          Salutschüsse und Glockengeläut

          Durchhaltewünsche blinkten am Mittwoch auch unter dem Dach des Londoner Fernsehturms, des „BT-Towers“. Auf einer Banderole, die von überall in der Stadt zu sehen war, hieß es: „Lang möge sie regieren!“ Westminister Abbey, wo Elisabeth 1953 im Alter von 27 Jahren gekrönt worden war, ließ am Mittag eine Stunde lang die Glocken läuten. Und auf der Themse glitten schmucke alte Schiffe vorbei, darunter das ein bisschen galeerenartig aussehende „Königliche Ruderboot Gloriana“, das für das Historienspiel beim Diamantenen Kronjubiläum gebaut worden war. Als die kleine Flotte den Westminister-Palast passierte, feuerte das Kriegsschiff „HMS Belfast“ vier Salutschüsse ab, wie die traditionstreue Presse notierte.

          An ihrem Ziel, dem Bahnhof Tweedbank, trafen Elisabeth und Philip mit einiger Verspätung ein. Zuerst mussten sie eine kleine Bühne hochklettern und mit anhören, wie Nicola Sturgeon, die Schottland aus der britischen Krone lösen will, die Nationalhymne mitsang. Dann würdigte die Königin die Bedeutung der neuen Bahnstrecke, die mehr als 400 Millionen Euro verschlungen und dem Land 100 neue Brücken beschert hat, und kam danach kurz auf „ein anderes bedeutendes Ereignis dieses Tages“ zu sprechen. Sie habe diesen Regierungsrekord, auf den sie heute schon mehrmals angesprochen worden sei, „nicht angestrebt“, sagte Elisabeth. Gleichwohl wolle sie sich bedanken für die vielen Zuschriften aus aller Welt – und fügte dann den unvergleichlich englischen Satz hinzu: „Ein langes Leben ist zwangsläufig von ein paar Meilensteinen gesäumt, und meines ist da keine Ausnahme.“ Für den Abend war ein Dinner auf Balmoral im Familienkreis vorgesehen.

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