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Gewalt gegen Frauen : Wir müssen reden!

Demonstrantinnen protestieren in Mexiko-Stadt gegen Gewalt gegen Frauen. Im Durchschnitt werden jeden Tag 10 Frauen in Mexiko ermordet. Bild: dpa

Ihre Wut wächst: Anwältin Christina Clemm vertritt Frauen, die von ihren Männern geschlagen werden. Laut Statistik gibt es in jedem Freundeskreis Täter und Opfer. Aber niemand fragt nach.

          8 Min.

          Im Büro von Christina Clemm steht ein kleiner runder Holztisch mit vier weißen Stühlen. Lehrerinnen sitzen hier normalerweise, Erzieherinnen, Hausfrauen, Bankangestellte. Manche Frauen sind jung, fast noch Mädchen, andere um die siebzig. Viele kommen direkt aus dem Frauenhaus in die Kanzlei. Mandantinnen mit Einfamilienhaus in den bürgerlichen Bezirken Berlins haben sich in der Regel zu Freundinnen oder den Eltern geflüchtet. Hin und wieder sind Verletzungen sichtbar. Hier ein Arm im Gips. Dort eine Narbe. Anderen ist äußerlich wenig anzumerken. Dann aber schaffen sie es kaum, über ihre Lage zu sprechen, ohne dass ein Zusammenbruch droht.

          Julia Schaaf
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf dem kleinen runden Tisch stehen eine teichgrüne Kerze, eine Wasserkaraffe und eine Holzfigur: ein Handschmeichler von der Form einer zu klein geratenen Birne. Viele Frauen greifen danach, unbewusst, wie Christina Clemm erzählt, aus Nervosität. Erst wenn ihnen auffällt, dass sie das Holzstück schon seit geraumer Zeit hin- und herwenden, erkundigen sie sich, was es sei. „Ein Stehaufmännchen“, sagt die Anwältin dann, drückt den oberen Teil in Richtung Tischplatte und lässt los, woraufhin die Birne wieder nach oben schnellt und sich in der Senkrechten einpendelt. „So wie Sie“, fügt Clemm hinzu.

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