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Zirkus Krone in Not : Die Show muss weitergehen

  • -Aktualisiert am

Die Ränge bleiben vorerst leer: Martin Lacey jr. im Zirkus Krone Bild: Pahnke, Christina

Keine Großveranstaltungen bis Ende September: Der Zirkus Krone leidet unter den Corona-Maßnahmen. Aber die Not hat die Direktoren erfinderisch gemacht.

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          Löwen kann man nicht in Kurzarbeit schicken. Auch Pferde nicht oder Lamas. Das ist das Problem des Zirkus Krone in München. Als Deutschlands größtes Zirkusunternehmen an jenem rabenschwarzen Freitag, dem 13. März, wegen der Corona-Pandemie von einem Tag auf den anderen sein Programm im Krone-Bau in München und seine Tournee mit der Produktion „Mandana“ einstellen musste, beantragten Jana Mandana Lacey-Krone und ihr Mann Martin Lacey für viele Mitarbeiter Kurzarbeitergeld. So konnten sie das Überleben ihres Zirkus sichern. Doch für die Löwen, Tiger, Pferde, Zebras, Kamele und die anderen Tiere mussten sie weiterhin sorgen.

          Das Direktoren-Ehepaar hat sich geschworen, dass es den Tieren nicht schlechtgehen darf. Doch in Zeiten, da dem Unternehmen die Einnahmen fast vollständig weggebrochen sind, ist das eine Herkulesaufgabe. Allein die gut zwei Dutzend Löwen und einige Tiger, die Martin Lacey in seiner preisgekrönten Raubtiernummer präsentiert, fressen pro Monat Fleisch im Wert von 30.000 Euro. Der Kühlwagen in den Raubtierstallungen im Krone-Bau ist voll mit tiefgefrorenen Rinderhälften, Hähnchen und Innereien. Acht bis zehn Kilo Fleisch braucht ein Löwe am Tag. Dazu verfüttern der Direktor und seine Helfer die für die Gesundheit der Tiere lebensnotwendigen Vitamine und regelmäßig Fischöl. Aber Fressen ist nicht alles: „Die Tiere vermissen den Beifall“, erzählt Lacey.

          Raubtiertraining: Die Tiere vermissen den Beifall, glaubt Martin Lacey.
          Raubtiertraining: Die Tiere vermissen den Beifall, glaubt Martin Lacey. : Bild: Pahnke, Christina

          An diesem Tag im Sommer bekommen sie ihn. Im Krone-Bau haben sich Zuschauer zu einer kommentierten Löwenprobe eingefunden. Es sind nur etwa zwei Dutzend Männer, Frauen und Kinder. Doch immerhin klatschen sie, wenn Lacey seine Löwen von einem Podest aufs andere springen lässt oder wenn er mit Baluga schmust, dem weißen Löwenmann. „Irgendwann haben wir hier wieder 3000 Zuschauer, und du bekommst richtigen Applaus“, sagt er zu seinem Lieblingslöwen – und wahrscheinlich auch zu sich selbst.

          Die Hoffnung richtet sich auf Weihnachten

          Doch das kann dauern. Vorerst herrscht auf dem Krone-Areal mitten in München in der Nähe des Hauptbahnhofs gespenstische Ruhe. Die Werkstätten sind ausgestorben, die meisten Ställe leer, weil mit Ausnahme der Raubkatzen und einiger Pferde die Tiere aufs Gestüt Weßling gebracht wurden. Nur einige Stallhelfer und Tierpfleger harren am Krone-Stammsitz aus, wo das Direktoren-Ehepaar in der Villa wohnt, in der schon Zirkusgründer Carl Krone und seine Nachfolger residierten.

          Nach bisherigem Stand sollen Großveranstaltungen Ende September wieder erlaubt werden. Theoretisch könnte Krone dann seine Tournee in Hamburg fortsetzen. Doch Lacey glaubt nicht so richtig an einen Neustart im Herbst. Selbst wenn dann Vorstellungen wieder erlaubt wären, bliebe die Frage, ob es sich überhaupt rentiert, für den Rest der Tournee die Artisten zurückzuholen, von denen die meisten nach dem abrupten Aus im März nach Hause in ihre oft fernen Herkunftsländer geflogen sind.

          Es kommen auch wieder bessere Zeiten: Martin Lacey schmust mit einem seiner Löwen.
          Es kommen auch wieder bessere Zeiten: Martin Lacey schmust mit einem seiner Löwen. : Bild: Pahnke, Christina

          Die Hoffnung der Direktoren richtet sich deshalb auf Weihnachten. Genauer gesagt auf den 26. Dezember. An diesem Tag beginnen traditionell die Wintervorstellungen im Krone-Bau. Würden die Behörden 1000 Besucher in der 3000 Gäste fassenden Arena erlauben, könne man zumindest die fixen Kosten decken, rechnen Martin und Jana Lacey-Krone vor. Aber wird sich bis dahin das Publikum überhaupt wieder in eine Arena trauen? Bei Krone denkt man deshalb auch über andere Optionen nach. Zum Beispiel über verkürzte Vorstellungen mit weniger Zuschauern dreimal an den Wochenenden.

          Die Kurzarbeit hilft

          Vorerst müssen sie die bevorstehenden fünf Monate ohne reguläre Vorstellungen einigermaßen unbeschadet überstehen. Wie tödlich der Lockdown für die Zirkusbranche sein kann, zeigt das Schicksal des Cirque du Soleil, des größten Zirkusunternehmens der Welt mit einem halben Dutzend festen Casino-Shows in Las Vegas und mehreren Reise-Shows. Der in Montreal ansässige Konzern hat Konkurs angemeldet und 3500 Mitarbeiter entlassen. Ob ein Neustart unter dem einstigen Gründer Guy Laliberté gelingen wird, muss sich erst noch erweisen.

          Krone hingegen hat niemandem gekündigt. „Die Kurzarbeit hilft uns sehr“, sagt die Direktorin. Etwas mehr als die Hälfte der festangestellten Mitarbeiter bekomme ihr Geld vom Arbeitsamt. Knapp 100 arbeiteten regulär weiter, um die Tiere zu versorgen und den Betrieb aufrechtzuerhalten. In Krisen bewähre sich die fast familiäre Verbundenheit des Zirkus-Teams, sagt die Chefin, die sich nun an sieben Tagen in der Woche dauernd um Pferde, Organisation und Finanzen kümmert.

          Unter dem Druck des Vorstellungsstopps hat man bei Krone neue Ideen entwickelt. An den Wochenenden finden im Krone-Bau jeweils um 10 und 14 Uhr kommentierte Löwenproben von Martin Lacey statt und Führungen durch die „Krone-Farm“ in Weßling 20 Kilometer außerhalb von München. Der Zuspruch zum Löwen-Training, das Lacey zu einer anderthalbstündigen Lehrstunde über die Kunst der Raubtierzähmung macht, lässt noch zu wünschen übrig – die Führungen auf der Farm sind inzwischen immer ausgebucht.

          Irgendwann muss es weiter gehen

          Das zwölf Hektar große Gelände in Weßling hat Zirkusgründer Carl Krone 1937 gekauft. Dort fand der Zirkus während der Bombardierungen im Krieg Unterschlupf, denen nicht zuletzt der alte Krone-Bau zum Opfer fiel. In den vergangenen Jahrzehnten diente Weßling der 2017 verstorbenen Direktorin Christel Sembach-Krone als Rückzugsort und als Altersheim für Tiere. Nun hat Krone das „Gestüt“ zum ersten Mal für das Publikum geöffnet. Und das nimmt die Einladung auf die Krone-Farm gern an. 140 Besucher, von urlaubenden Familien bis zu passionierten Zirkusfans, lassen sich an diesem Samstagnachmittag von Krone-Sprecher Frank Keller die Tiere im Ruhestand zeigen und erklären, warum Raubtiere in der Wildnis nur zehn bis zwölf Jahre alt werden, Löwen und Tiger in menschlicher Obhut dagegen bis zu 20 Jahre.

          Erstmals für Besucher geöffnet: das Krone-“Gestüt“ in Weßling
          Erstmals für Besucher geöffnet: das Krone-“Gestüt“ in Weßling : Bild: Pahnke, Christina

          Auf der einen Seite hat es Krone wegen seiner Tiere in der Corona-Zwangspause schwerer als Zirkusse ohne Raubtiere und Pferde wie Flic Flac oder Roncalli. Auf der anderen Seite profitiert das Münchner Unternehmen jetzt von seinem Krone-Bau, dem einzigen festen Zirkusgebäude in Deutschland, und der Farm in Weßling. Zudem lebt Krone dank des Unternehmergeschicks des Gründers und seiner Nachfahren nicht wie manch anderes Zirkusunternehmen von der Hand in den Mund, sondern kann auf Reserven zurückgreifen. Neben dem Krone-Bau-Areal besitzt Krone weitere Immobilien, die regelmäßig Miete abwerfen. Insofern können Jana und Martin Lacey-Krone Durststrecken überstehen. Doch irgendwann muss der Vorstellungsbetrieb wieder anlaufen. Ansonsten könnte es Krone ergehen wie einst berühmten Zirkusunternehmen wie Althoff, Hagenbeck oder Renz – sie sind allesamt untergegangen.

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