https://www.faz.net/-gum-a1y03

Zirkus Krone in Not : Die Show muss weitergehen

  • -Aktualisiert am

Die Ränge bleiben vorerst leer: Martin Lacey jr. im Zirkus Krone Bild: Pahnke, Christina

Keine Großveranstaltungen bis Ende September: Der Zirkus Krone leidet unter den Corona-Maßnahmen. Aber die Not hat die Direktoren erfinderisch gemacht.

          4 Min.

          Löwen kann man nicht in Kurzarbeit schicken. Auch Pferde nicht oder Lamas. Das ist das Problem des Zirkus Krone in München. Als Deutschlands größtes Zirkusunternehmen an jenem rabenschwarzen Freitag, dem 13. März, wegen der Corona-Pandemie von einem Tag auf den anderen sein Programm im Krone-Bau in München und seine Tournee mit der Produktion „Mandana“ einstellen musste, beantragten Jana Mandana Lacey-Krone und ihr Mann Martin Lacey für viele Mitarbeiter Kurzarbeitergeld. So konnten sie das Überleben ihres Zirkus sichern. Doch für die Löwen, Tiger, Pferde, Zebras, Kamele und die anderen Tiere mussten sie weiterhin sorgen.

          Das Direktoren-Ehepaar hat sich geschworen, dass es den Tieren nicht schlechtgehen darf. Doch in Zeiten, da dem Unternehmen die Einnahmen fast vollständig weggebrochen sind, ist das eine Herkulesaufgabe. Allein die gut zwei Dutzend Löwen und einige Tiger, die Martin Lacey in seiner preisgekrönten Raubtiernummer präsentiert, fressen pro Monat Fleisch im Wert von 30.000 Euro. Der Kühlwagen in den Raubtierstallungen im Krone-Bau ist voll mit tiefgefrorenen Rinderhälften, Hähnchen und Innereien. Acht bis zehn Kilo Fleisch braucht ein Löwe am Tag. Dazu verfüttern der Direktor und seine Helfer die für die Gesundheit der Tiere lebensnotwendigen Vitamine und regelmäßig Fischöl. Aber Fressen ist nicht alles: „Die Tiere vermissen den Beifall“, erzählt Lacey.

          Raubtiertraining: Die Tiere vermissen den Beifall, glaubt Martin Lacey.
          Raubtiertraining: Die Tiere vermissen den Beifall, glaubt Martin Lacey. : Bild: Pahnke, Christina

          An diesem Tag im Sommer bekommen sie ihn. Im Krone-Bau haben sich Zuschauer zu einer kommentierten Löwenprobe eingefunden. Es sind nur etwa zwei Dutzend Männer, Frauen und Kinder. Doch immerhin klatschen sie, wenn Lacey seine Löwen von einem Podest aufs andere springen lässt oder wenn er mit Baluga schmust, dem weißen Löwenmann. „Irgendwann haben wir hier wieder 3000 Zuschauer, und du bekommst richtigen Applaus“, sagt er zu seinem Lieblingslöwen – und wahrscheinlich auch zu sich selbst.

          Die Hoffnung richtet sich auf Weihnachten

          Doch das kann dauern. Vorerst herrscht auf dem Krone-Areal mitten in München in der Nähe des Hauptbahnhofs gespenstische Ruhe. Die Werkstätten sind ausgestorben, die meisten Ställe leer, weil mit Ausnahme der Raubkatzen und einiger Pferde die Tiere aufs Gestüt Weßling gebracht wurden. Nur einige Stallhelfer und Tierpfleger harren am Krone-Stammsitz aus, wo das Direktoren-Ehepaar in der Villa wohnt, in der schon Zirkusgründer Carl Krone und seine Nachfolger residierten.

          Nach bisherigem Stand sollen Großveranstaltungen Ende September wieder erlaubt werden. Theoretisch könnte Krone dann seine Tournee in Hamburg fortsetzen. Doch Lacey glaubt nicht so richtig an einen Neustart im Herbst. Selbst wenn dann Vorstellungen wieder erlaubt wären, bliebe die Frage, ob es sich überhaupt rentiert, für den Rest der Tournee die Artisten zurückzuholen, von denen die meisten nach dem abrupten Aus im März nach Hause in ihre oft fernen Herkunftsländer geflogen sind.

          Es kommen auch wieder bessere Zeiten: Martin Lacey schmust mit einem seiner Löwen.
          Es kommen auch wieder bessere Zeiten: Martin Lacey schmust mit einem seiner Löwen. : Bild: Pahnke, Christina

          Die Hoffnung der Direktoren richtet sich deshalb auf Weihnachten. Genauer gesagt auf den 26. Dezember. An diesem Tag beginnen traditionell die Wintervorstellungen im Krone-Bau. Würden die Behörden 1000 Besucher in der 3000 Gäste fassenden Arena erlauben, könne man zumindest die fixen Kosten decken, rechnen Martin und Jana Lacey-Krone vor. Aber wird sich bis dahin das Publikum überhaupt wieder in eine Arena trauen? Bei Krone denkt man deshalb auch über andere Optionen nach. Zum Beispiel über verkürzte Vorstellungen mit weniger Zuschauern dreimal an den Wochenenden.

          Weitere Themen

          Escobar-Neffe findet fast 18 Millionen Dollar in Hauswand

          Geheim-Depot : Escobar-Neffe findet fast 18 Millionen Dollar in Hauswand

          Ein Neffe des kolumbianischen Drogenbarons Pablo Escobar hat fast 30 Jahre nach dessen Tod etwa 18 Millionen Dollar in einem Wandversteck gefunden – und er machte noch andere Entdeckungen. Er sagt, er sei einer „Eingebung“ gefolgt.

          Topmeldungen

          Paläoklimatologie : Die Kapriolen des Erdklimas

          Auf unserem Planeten herrschten einst immer wieder extreme warme und kalte Phasen. Die Analyse von Meeressedimenten liefern Forschern nun ein lückenloses Bild des Klimas der letzten 66 Millionen Jahre.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.