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Zirkus Krone in Not : Die Show muss weitergehen

  • -Aktualisiert am

Die Kurzarbeit hilft

Vorerst müssen sie die bevorstehenden fünf Monate ohne reguläre Vorstellungen einigermaßen unbeschadet überstehen. Wie tödlich der Lockdown für die Zirkusbranche sein kann, zeigt das Schicksal des Cirque du Soleil, des größten Zirkusunternehmens der Welt mit einem halben Dutzend festen Casino-Shows in Las Vegas und mehreren Reise-Shows. Der in Montreal ansässige Konzern hat Konkurs angemeldet und 3500 Mitarbeiter entlassen. Ob ein Neustart unter dem einstigen Gründer Guy Laliberté gelingen wird, muss sich erst noch erweisen.

Krone hingegen hat niemandem gekündigt. „Die Kurzarbeit hilft uns sehr“, sagt die Direktorin. Etwas mehr als die Hälfte der festangestellten Mitarbeiter bekomme ihr Geld vom Arbeitsamt. Knapp 100 arbeiteten regulär weiter, um die Tiere zu versorgen und den Betrieb aufrechtzuerhalten. In Krisen bewähre sich die fast familiäre Verbundenheit des Zirkus-Teams, sagt die Chefin, die sich nun an sieben Tagen in der Woche dauernd um Pferde, Organisation und Finanzen kümmert.

Unter dem Druck des Vorstellungsstopps hat man bei Krone neue Ideen entwickelt. An den Wochenenden finden im Krone-Bau jeweils um 10 und 14 Uhr kommentierte Löwenproben von Martin Lacey statt und Führungen durch die „Krone-Farm“ in Weßling 20 Kilometer außerhalb von München. Der Zuspruch zum Löwen-Training, das Lacey zu einer anderthalbstündigen Lehrstunde über die Kunst der Raubtierzähmung macht, lässt noch zu wünschen übrig – die Führungen auf der Farm sind inzwischen immer ausgebucht.

Irgendwann muss es weiter gehen

Das zwölf Hektar große Gelände in Weßling hat Zirkusgründer Carl Krone 1937 gekauft. Dort fand der Zirkus während der Bombardierungen im Krieg Unterschlupf, denen nicht zuletzt der alte Krone-Bau zum Opfer fiel. In den vergangenen Jahrzehnten diente Weßling der 2017 verstorbenen Direktorin Christel Sembach-Krone als Rückzugsort und als Altersheim für Tiere. Nun hat Krone das „Gestüt“ zum ersten Mal für das Publikum geöffnet. Und das nimmt die Einladung auf die Krone-Farm gern an. 140 Besucher, von urlaubenden Familien bis zu passionierten Zirkusfans, lassen sich an diesem Samstagnachmittag von Krone-Sprecher Frank Keller die Tiere im Ruhestand zeigen und erklären, warum Raubtiere in der Wildnis nur zehn bis zwölf Jahre alt werden, Löwen und Tiger in menschlicher Obhut dagegen bis zu 20 Jahre.

Erstmals für Besucher geöffnet: das Krone-“Gestüt“ in Weßling
Erstmals für Besucher geöffnet: das Krone-“Gestüt“ in Weßling : Bild: Pahnke, Christina

Auf der einen Seite hat es Krone wegen seiner Tiere in der Corona-Zwangspause schwerer als Zirkusse ohne Raubtiere und Pferde wie Flic Flac oder Roncalli. Auf der anderen Seite profitiert das Münchner Unternehmen jetzt von seinem Krone-Bau, dem einzigen festen Zirkusgebäude in Deutschland, und der Farm in Weßling. Zudem lebt Krone dank des Unternehmergeschicks des Gründers und seiner Nachfahren nicht wie manch anderes Zirkusunternehmen von der Hand in den Mund, sondern kann auf Reserven zurückgreifen. Neben dem Krone-Bau-Areal besitzt Krone weitere Immobilien, die regelmäßig Miete abwerfen. Insofern können Jana und Martin Lacey-Krone Durststrecken überstehen. Doch irgendwann muss der Vorstellungsbetrieb wieder anlaufen. Ansonsten könnte es Krone ergehen wie einst berühmten Zirkusunternehmen wie Althoff, Hagenbeck oder Renz – sie sind allesamt untergegangen.

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