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Andrew Ridgeley im Porträt : Der Andere von Wham!

Andrew Ridgeley (l.) und George Michael waren Anfang der Achziger Wham! Bild: ROPI

Dass Andrew Ridgeley nie so berühmt wurde wie sein Bandkollege George Michael, hat ihn nie gestört. Jetzt hat er ein Buch über die gemeinsame Zeit geschrieben. Ein Treffen in Hamburg.

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          Wenn Andrew Ridgeley heute Musik hört, dann interessiert ihn zeitgenössischer Pop nicht. Er hört nur Klassik und Jazz. Und natürlich die alten Platten. Weil ihm aber seine Plattensammlung in den Neunzigern gestohlen wurde („ein traumatisches Erlebnis“), er außerdem meist Musik hört, wenn er Auto fährt, er aber wiederum nur noch nachts Auto fährt, „weil London unmöglich ist“, ist es eben Radio, und dann landet er immer wieder bei der Klassik. Er kann mit der heutigen Popmusik, die ihm weniger unsterblich erscheint als die der Achtziger – da ist er schließlich Experte –, nicht viel anfangen. Und ob sie doch unsterblich ist oder zeitlos, sieht er ja sowieso frühestens in zehn Jahren.

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Der Mann, der früher als einer der beiden Sänger und Gitarrist von Wham! mal als „Animal Andy“ bekannt war, wirkt heute wie ein stylischer Herr im fortgeschrittenen Alter. Immer noch sehr gutaussehend, doch mit spärlich gewordenem grauem Haar, in gut sitzendem Anzug und mit jener ausgesuchten britischen Höflichkeit, die vergessen macht, dass Ridgeley früher angeblich jede Nacht mit einem anderen Fan ins Bett ging. Eines der beiden Bandmitglieder musste vielleicht der Draufgänger sein, der Frauenheld, und da George Michael schon der Kreative war, das musikalische Genie und außerdem schwul, war Andrew Ridgeley, der Schönling, ein gefundenes Fressen für die britische Klatschpresse.

          Nun sitzt Andrew elegant, mit überschlagenem Bein und stets leicht in die Höhe gezogenen Augenbrauen, im Hotel Atlantic in Hamburg und erzählt fröhlich von der Zeit mit Wham!, von den Eskapaden, die gar nicht so wild waren, aber wenigstens lustig. Wie sie beim Videodreh zu „Last Christmas“ sternhagelvoll durch den Schnee stapften, er über einen Zaun fiel und am Ende des Drehtags so sehr lachen musste, dass sein Gesicht angeschwollen und seine Augen so rot waren, dass der Regisseur („Er glaubte, er wäre Fellini!“) kurzerhand beschloss, Ridgeley in der Schlussszene einfach nicht mehr zu zeigen.

          Es waren schwierige Zeiten, als Wham! Anfang der achtziger Jahre durchstarteten und ihren ersten Nummer-eins-Hit („Wake me up before you go-go“) landeten. Die Arbeitslosigkeit in Großbritannien war unter der Regierung von Margaret Thatcher im europäischen Vergleich hoch, vor allem junge Leute fanden kaum einen Ausbildungsplatz. Andrew und sein Freund aus der Schule, George, fuhren mit selbst aufgenommenen Kassetten nach London und zogen von Label zu Label, kassierten Absage um Absage. Dabei hatten die beiden jungen Männer, das erzählt Ridgeley in seinem jüngst veröffentlichten Buch „Wham! George & Ich“, eigentlich null Plan von der Musikbranche, von der Klatschpresse, von den Regeln des Business, für das man tough sein musste, und für das der sensible George eigentlich nicht geschaffen war.

          George Michael kam als Georgios Panayiotou an die Highschool, und Andrew Ridgeley wusste sofort: Dieser Neue würde es nicht leicht haben. Ein unaussprechlicher Name war etwas, das einem in den Siebzigern in Bushey, Hertfordshire, leicht die Schullaufbahn verhageln konnte. Darüber hinaus war dieser Georgios, „Yog“, wie Ridgeley ihn später nannte, pummelig, trug eine Brille mit dicken Gläsern und hatte Haare, die nicht zu bändigen waren. Trotzdem meldete sich Ridgeley am ersten Tag, um sich um ihn zu kümmern. Vielleicht weil auch er ein Kind mit Migrationsgeschichte war, auch wenn man es seinem Namen nicht anhörte. Andrews Vater war aus Ägypten emigriert, Georgios aus Zypern. Beide waren vor politischen Unruhen geflohen. Ridgeley glaubt, er nahm sich Yogs, den er später auch mal „Yoghurt“ nannte, lediglich an, weil er eigentlich immer Zerstreuung suchte. Obwohl er recht bald ein schlechter Schüler wurde, langweilte er sich in der Schule beständig.

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