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WHO-Bericht : Mehr als 800.000 Suizide pro Jahr

  • Aktualisiert am

Etwa 800.000 Menschen weltweit nahmen sich im Jahr 2012 das Leben. Bild: dpa

Alle 40 Sekunden nimmt sich irgendjemand auf der Welt das Leben, mehrere Millionen Menschen begehen zudem einen Selbstmordversuch. Die Weltgesundheitsorganisation warnt: Besonders junge Menschen sind betroffen.

          Mehr als 800.000 Menschen nehmen sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit jedes Jahr das Leben, im  Schnitt bedeutet das alle 40 Sekunden einen Suizid. Zudem verüben mehrere Millionen Menschen pro Jahr einen Selbstmordversuch. Das geht aus dem am Donnerstag in Genf veröffentlichten ersten „Welt-Suizid-Report“ hervor.

          Zu lange sei der Suizid ein Tabu gewesen, erklärte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan und rief die Staaten dazu auf, mehr Geld in die Vorbeugung von Suiziden zu investieren. „Jeder Suizid ist eine Tragödie, die Familien, Gemeinden und ganze Länder betrifft.“, sagte Chan. Die Zurückgebliebenen hätten sehr oft mit Traumata und psychischen Problemen zu kämpfen. Die WHO-Mitgliedsländer hatten 2008 beschlossen, eine Verringerung der Suizidraten um zehn Prozentpunkte bis 2020 anzustreben. Doch bislang gibt es nur in 28 Ländern entsprechende Programme, darunter Deutschland. Auch deswegen werde am 10. September der Welttag zur Suizidprävention begangen.

          Weltweit 11,4 Suizide auf 100.000 Einwohner

          In Deutschland nehmen sich nach Angaben der WHO und der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) jedes Jahr fast 10.000 Menschen das Leben. Darüber hinaus würden etwa weitere 100.000 einen Suizidversuch unternehmen. Die Selbsttötung sei allerdings ein globales Phänomen, sagte Chan. Etwa drei von vier Fällen ereigneten sich in ärmeren Staaten. So lag die Suizidrate dem Bericht zufolge 2012 in Guyana bei 44,2 Fällen pro 100.000 Einwohner, Nordkorea bei 38,5 und in Südkorea bei 28,9. Auch Burundi, Kasachstan, Litauen, Mosambik, Nepal, Sri Lanka, Surinam und Tansania wiesen Quoten von über 20 Fällen pro 100.000 Einwohner auf. Weltweit lag die Rate bei 11,4 Fällen.

          Nach WHO-Angaben ist der Suizid bei Männern in 50 Prozent aller gewaltsamen Todesfälle die Ursache, bei den Frauen seien es sogar 71 Prozent. Darüber hinaus ist Selbstmord die zweithäufigste Todesursache in der Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen. Und auch Frauen und Männer über 70 Jahren schieden überdurchschnittlich häufig freiwillig aus dem aus dem Leben.

          Laut der Studie ist ein gescheiterter Suizidversuch die größte Risikoquelle für einen weiteren Versuch. Auch aufgrund der Stigmatisierung nach einem gescheiterten Versuch würden die Menschen weitere Anläufe unternehmen. Andere Ursachen seien schwere mentale Probleme wie Depressionen, häufig verursacht durch übermäßigen Alkoholkonsum. Den Angaben zufolge spielt in 25 Prozent bis 50 Prozent aller Suizide Alkoholismus oder Drogenmissbrauch eine Rolle.

          Weitere individuelle Risikofaktoren sind zudem finanzielle und berufliche Probleme, das allgemeine Gefühl der Hoffnungslosigkeit, chronische Schmerzen und Krankheiten, ein vorangegangener Suizid im engsten Familienkreis sowie genetische und biologische Faktoren. Weitere Risikofaktoren, die auf die Umwelt zurückzuführen sind, seien laut der Weltgesundheitsorganisation Naturkatastrophen, Kriege und Konflikte sowie Missbrauch.

          Bessere Betreuung erforderlich

          Die WHO stellte darüber hinaus ein Bündel von Präventionsmaßnahmen vor: So müsse der Zugang zu Waffen, Giften und gefährlichen Medikamenten eingeschränkt werden. Weiter sollten die Medien in einer „verantwortlichen“ Weise berichten, um Nachahmung zu vermeiden und der Alkoholmissbrauch müsse eingedämmt werden. Außerdem müssten Menschen mit mentalen Problemen, chronischen Schmerzen und in akuten emotionalen Stresslagen eine bessere Betreuung erfahren.

          Außerdem forderte die DGS den Ausbau der Möglichkeiten zur palliativmedizinischen, leidensmindernden Sterbegleitung in Deutschland. Die Legalisierung einer „gewerbsmäßig ausgeübten Suizidbeihilfe“, wie sie derzeit in Deutschland debattiert werde, dürfe es hingegen nicht geben, erklärte Professor Armin Schmidtke, der Vorsitzende des deutschen Nationalen Suizidpräventionsprogramms.

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