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Elternzeit : Und, was sagt der Chef?

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Als ich meinen Chefs nach der Geburt meiner ersten Tochter angekündigt habe, dass ich in Elternzeit gehen will, waren sie nicht gerade begeistert. Sie haben mir aber auch keine Steine in den Weg gelegt. Als meine Frau zum zweiten Mal schwanger wurde, sagte der stellvertretende Chef: „Oh, dann verlassen Sie uns ja bald wieder“. Das war seine einzige Reaktion. Einen Glückwunsch oder nette Worte gab es nicht. Mich hat beide Male ein Springer vertreten, der dafür aber an anderer Stelle fehlte.

„Dank der Elternzeit bin ich genauso selbständig und souverän im Umgang mit den Kindern wie meine Frau“, sagt Klaus Simon (Symbolbild).
„Dank der Elternzeit bin ich genauso selbständig und souverän im Umgang mit den Kindern wie meine Frau“, sagt Klaus Simon (Symbolbild). : Bild: dpa

Die beiden Male Elternzeit, 2013 und 2015, haben wir uns geteilt. Meine Frau hatte keinerlei berufliche Nachteile dadurch. Nur einmal, als sie noch einen zusätzlichen Monat freigenommen hatte, damit wir gemeinsam verreisen konnten, hat ihre Chefin ihr deshalb ein interessantes Projekt weggenommen. Sonst lief alles gut. Sie hat zwar einmal intern die Stelle gewechselt, aber das geschah auf eigenen Wunsch.

Meine Frau und ich arbeiten inzwischen wieder beide Vollzeit. Ich fange morgens um sechs Uhr an und hole die Kinder nachmittags um halb vier von der Kita. Da ich pünktlich gehen muss, kann ich keine Überstunden machen. Wir überlegen deshalb gerade, ob wir die Kita-Zeiten noch etwas ausweiten. Meine große Tochter würde ohnehin gerne länger bleiben und spielen.

Obwohl meine Chefs nicht begeistert waren, bereue ich es nicht, dass ich so lange Elternzeit genommen habe. Ich würde jederzeit wieder so entscheiden. Ich hätte mich sogar noch länger ausschließlich um die Kinder gekümmert, aber meine Frau sollte auch etwas von dieser intensiven Zeit mit ihnen haben. Wenn meine Frau jetzt mal für zwei, drei Tage auf Dienstreise fährt, ist das für mich kein Problem. Sie muss mir keine Zettel schreiben, woran ich denken muss, oder die Kleidung für die Kinder rauslegen, wie das in manchen Familien der Fall ist. Für mich ist das alles Routine, und ich bin genauso selbständig und souverän im Umgang mit den Kindern wie sie.

Natürlich habe ich der Firma gegenüber ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht arbeiten kann, weil eines der Kinder krank ist. Ich mache meine Arbeit gewissenhaft und anständig. Aber wenn ein Kind krank ist, ist eben ein Kind krank. Um guten Willen zu zeigen, arbeite ich aber auch manchmal samstags.

Elternzeit : Kind als Karrierekiller - auch für Väter?

Christian Hofer, 39, Wirtschaftsjournalist. Zweimal Elternzeit: 6 Monate und 9 Monate (in Teilzeit weiter gearbeitet)

Für meine Freundin und mich war von Anfang an klar, dass wir beide Elternzeit nehmen. Schließlich haben wir beide Job und Karriere. Warum soll alles an ihr hängenbleiben? Für uns war das eine Frage der Gerechtigkeit – auch, wenn ich mehr verdiene und wir durch meine Familienpause insgesamt weniger Einkommen hatten. Ich habe zweimal Elternzeit genommen, einmal war ich sechs Monate zuhause und einmal habe ich in Teilzeit weitergearbeitet (50 Prozent des bisherigen Jobs).

Die Erfahrungen waren sehr unterschiedlich. Beim ersten Job, vor sechs Jahren, dachte ich, es wird hart. Das wurde es dann gar nicht, im Gegenteil. Ich habe damals für eine Nachrichtenagentur gearbeitet. Mein Chef hat meine Ankündigung, Elternzeit zu nehmen, schmerzfrei geschluckt. Als ich nach einem halben Jahr zurückgekehrt bin, wurde gerade eine Stelle frei, die einen Aufstieg für mich bedeutete – und ich habe sie ohne weiteres bekommen. Von einem Nachteil durch die Elternzeit keine Spur.

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