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19. September 1951: Bundespräsident Heuss ehrt Franz Brandl mit dem Bundesverdienstkreuz. Bild: dpa

70 Jahre Bundesverdienstkreuz : Wenn der Staat Danke sagt

Am 19. September 1951 überreichte Bundespräsident Theodor Heuss das erste Bundesverdienstkreuz – an den Bergmann Franz Brandl. Der wurde danach zu einer Berühmtheit im Land.

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          Völlig ahnungslos soll er gewesen sein, der Bergmann Franz Brandl aus Nentershausen, als er über die Türschwelle der Villa Hammerschmidt trat. Nur so viel wusste der Heimatvertriebene aus dem Sudetenland, wenn man den Berichten glauben darf: Er sollte dem Bundes­präsidenten vorgestellt werden, Theodor Heuss. Eingefädelt hatte das sein Bundestagsabgeordneter, der SPD-Politiker Adolf Arndt, in dessen Wahlkreis Hersfeld Brandl wohnte. Im Amtssitz des Staatsoberhaupts kam es dann zum präsidialen Coup: Heuss überraschte Brandl mit dem Bundesverdienstkreuz.

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Es war das erste Mal, dass ein Bürger mit dem neuen Verdienstorden der Bundesrepublik ausgezeichnet wurde. Und vermutlich das letzte Mal, dass jemand zum Bundespräsidenten kam, ohne ­vorher davon zu wissen. Man schrieb den 19. September 1951. Die junge deutsche Demokratie beging ihren zweiten Geburtstag.

          Das erste der rot emaillierten Blechkreuze ging an einen Lebensretter: Am 25. November 1950 hatte Brandl in einem Schacht des Kupfererzbergwerks in Sontra sein eigenes Leben riskiert, um zwei Kumpel in 300 Metern Tiefe vor einbrechenden Wassermassen in Sicherheit zu bringen. Dabei hatte er einen völlig entkräfteten Kollegen durch das Wasser geschleppt, das ihm stellenweise bis zum Hals stand.

          Beeindruckt zeigte sich der 25 Jahre alte Bergmann nach der Verleihung aber vor allem von der Aura des Staats­oberhaupts: „Ich konnte mit dem Herrn Bundespräsidenten sprechen wie mit meinem Vater“, zitierte ihn das Hamburger Abendblatt auf der Titelseite. „Das Lied des braven Mannes“ stand darüber. Der Bergmann Franz Brandl avancierte zu einer Berühmtheit im Land, der erste Held mit dem staatlichem Gütesiegel der jungen Demokratie.

          Rund 261.000 Bundesverdienstkreuze

          „Ein Staat muss Danke sagen können“: So hatte Theodor Heuss begründet, warum die Bundesrepublik einen Verdienstorden brauche. Das war sechs Jahre nach Kriegsende nicht selbstverständlich. Mit dem „Ehrenkreuz der Deutschen Mutter“, der „Germanischen Leistungsrune“ oder dem „Kriegsverdienstkreuz“ hatten die Nationalsozialisten manchem Deutschen die Lust auf Orden gründlich vergehen lassen. Heuss hielt einen Verzicht auf staatliche Auszeichnungen dennoch für unklug. Er wollte es anders machen als die Weimarer Republik es handhabte: Die erste deutsche Demokratie hatte ganz auf staatliche Verdienst­orden verzichtet, weil man Orden für ein Relikt des Kaiserreichs hielt.

          Verliehen werden soll das Bundes­verdienstkreuz „für Leistungen, die im Bereich der politischen, der wirtschaftlich-sozialen und der geistigen Arbeit dem Wiederaufbau des Vaterlandes dienten, und soll eine Auszeichnung all derer bedeuten, deren Wirken zum friedlichen Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland beiträgt“. So steht es im Erlass über die Stiftung des Verdienstordens für die Bundesrepublik Deutschland vom 7. September 1951. Heute können laut den Richtlinien überdies „alle besonderen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland“, gewürdigt werden.

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