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Militär-Fan in Kiel : Pensionär hat Panzer im Keller

Ein Bergepanzer der Bundeswehr verlädt den Panzer vom Typ Panther zum Abtransport aus dem schleswig-holsteinischen Heikendorf. Bild: dpa

Die Nachbarn eines sammelwütigen Pensionärs wussten von dessen Faible für Militärgerät. Nun weiß auch die Staatsanwaltschaft davon und ermittelt wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Aus der Villa des Mannes barg die Polizei auch einen Panzer – mit Einsatz von 20 Soldaten.

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          In Heikendorf, einem direkt an der Ostsee gelegenen Ort in der Nähe von Kiel, haben Polizisten in einer Villa Militärgut aus dem Zweiten Weltkrieg sichergestellt. Darunter befand sich auch ein Panzer, der am Donnerstag mit Hilfe schwerer Bundeswehr-Technik aus dem Haus geholt wurde. Ein technisch schwieriges Unterfangen. Rund neun Stunden brauchten knapp 20 Soldaten, um den Panzer aus dem Haus zu holen und auf einen Tieflader zu schieben. Möglich wurde dies nur durch zwei Bergepanzer mit reichlich Zugkraft, zuvor eigens gebauten Holzrampen und schweißtreibender Millimeterarbeit bei hochsommerlichen Temperaturen.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Bei dem Panzer, den Ermittler am Vortag bei einer Durchsuchung in der Kellergarage des Sammlers entdeckt hatten, handelt es sich um ein Fahrzeug des Typs Panther – zwei Meter breit, fünf Meter lang, 43 Tonnen schwer. Dass der Hausbesitzer, ein 78 Jahre alter früherer Finanzmakler, in seinem Haus Kunst aus der Zeit des Nationalsozialismus und Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg sammelte, war zumindest den Nachbarn bekannt. Seine Villa hatte der Mann mit hohen Zäunen und Stacheldraht gesichert. Er soll sogar mit einem alten Kettenfahrzeug aus seiner Sammlung im Ort unterwegs gewesen sein, etwa im Schneewinter 1978 und um für einen Bekannten Baumstümpfe aus der Erde zu ziehen. Sogar auf der Förde soll er damit gesichtet worden sein.

          Die Spur der Thorak-Pferde

          Jetzt ermittelt die Kieler Staatsanwaltschaft wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Zu den Ermittlungen war es gekommen, nachdem Ende Mai bei einer Razzia in Bad Dürkheim die sogenannten Hitler-Pferde des Bildhauers Josef Thorak in einer Halle gefunden worden waren. Thorak soll der Lieblingsbildhauer Hitlers gewesen sein. Die „Schreitenden Pferde“ galten seit 1989 als verschollen und erlebten offenbar eine Odyssee, die auf einem von der russischen Armee genutzten Sportplatz in Eberswalde begann und bei dem Hehlerring in Bad Dürkheim endete. Die Bronzeplastiken sollen aber von 1998 bis 2000 im Garten des Finanzmaklers gestanden haben.

          Wegen dieses Falls waren die Ermittler bei dem Mann erschienen. Sie fanden nicht nur eine Skulptur von Arno Breker, die einst an der Reichskanzlei stand. Sie fanden neben dem Panzer auch Torpedos, eine Panzerabwehrkanone und vieles mehr. Am Donnerstag gab es noch keine genaue Übersicht über die Funde. Alle Waffen seien jedoch nicht mehr einsetzbar, sagte der Anwalt des Manns.

          Deshalb fielen sie nicht unter das Kriegswaffenkontrollgesetz. Die Bewohner des Ortes staunten über die weiträumigen Absperrungen der Polizei und den technischen Aufwand, denn unter anderem kamen zwei Bergepanzer der Bundeswehr zum Einsatz, die auf einem Tieflader gebracht worden waren. Heikendorfs Bürgermeister Alexander Orth sagte lakonisch: „Der eine liebt Dampfeisenbahnen, der andere alte Panzer.“

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