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Weltkarte : Haben die Chinesen Amerika entdeckt?

  • -Aktualisiert am

Liu Gang vor seiner historischen Weltkarte Bild: REUTERS

Ein chinesischer Anwalt und Sammler meint, daß der kaiserliche Admiral Zheng He aus der Ming-Dynastie die Welt früher umsegelt hat als die Europäer - und 70 Jahre vor Kolumbus in Amerika war. Das soll eine Landkarte beweisen.

          Haben chinesische Seefahrer Amerika entdeckt, segelten chinesische Dschunken im kaiserlichen Auftrag als erste um die ganze Welt? Die Theorie, die der britische Amateurhistoriker Gavin Menzies in seinem Buch „1421, the year China discovered America“ verbreitet, stieß bislang auf Zweifel.

          Beweise konnte Menzies nicht liefern, Historiker und Sinologen zeigten sich skeptisch, und selbst in China, wo man sich eigentlich gern „erster“ historischer Leistungen rühmt, fanden sich bislang keine Anhänger von Menzies' Theorie.

          Landkarte von 1763

          Doch jetzt ist in China eine Landkarte ans Licht gekommen, die nach Meinung ihres Besitzers, des chinesischen Anwalts und Sammlers Liu Gang, beweisen könnte, daß tatsächlich der kaiserliche Admiral Zheng He aus der Ming-Dynastie mit seiner Flotte die Welt früher als die Europäer umsegelt hat und daß spätere Weltkarten sich auf die ursprünglichen chinesischen beziehen könnten.

          Am Montag präsentierte Liu Gang in Peking eine Fotokopie, nicht das Original, einer alten chinesischen Landkarte, die eine aus dem Jahr 1763 stammende Kopie einer Karte von 1418 sein soll. Die Karte trägt den Titel „Allgemeine Karte der gesamten Welt“, gezeichnet wurde sie, so steht auf ihr zu lesen, von einem Mo Yidong auf der Grundlage einer Zeichnung aus dem Jahr 1418 zur Vorlage beim Kaiser. Auf ihr sind nicht nur alle Kontinente, sondern auch die Antarktis, der Nordpol und Grönland verzeichnet. Außerdem gibt sie Beschreibungen der Bevölkerung der fernen Länder.

          In Schanghai gekauft

          Liu Gang hat die Landkarte, die jetzt an einem „sicheren Ort in China“ sein soll im Jahr 2001 für 500 Dollar von einem Antiquitätenhändler in Schanghai gekauft und hielt sie zunächst für eine Fälschung. Chinesische Wissenschaftler, denen er die Karte vorlegte, konnten zunächst feststellen, daß sie mehr als hundert Jahre alt war.

          Dann las Liu Gang das Buch von Menzies, das im Jahr 2003 erschien, und war sich sicher, daß seine Karte einen Beweis für Zheng Hes Weltumseglung darstellt. Wegen der Karte sei er jetzt davon überzeugt, daß die Chinesen die Welt tatsächlich schon vor dem Jahr 1418 umsegelt haben. Menzies' Theorie sei richtig, er habe sich nur um ein paar Jahre vertan.

          Größere Schiffe als die von Kolumbus

          Nachforschungen über Zheng Hes Expeditionen werden dadurch erschwert, daß alle Dokumente in chinesischen Archiven über seine Entdeckungen verbrannt wurden oder verschwunden sind, vermutlich, weil die nachfolgenden Kaiser der Ming- und Qing-Dynastie kein Interesse mehr an maritimen Expeditionen hatten. Fest steht, daß Zheng Hes Flotte 1405, also vor gut 600 Jahren, zum ersten Mal in See stach und mit einer längeren Unterbrechung bis zum Jahr 1433 sieben ausgedehnte Fahrten unternahm.

          Die Flotte umfaßte bis zu dreihundert Schiffe mit fast 28 000 Mann Besatzung. Sie erreichte das Handelszentrum Kalikut in Südwestindien, Hormuz am Persischen Golf und Dschidda am Roten Meer, auch Timor und Madagaskar. Die größten Schiffe der Flotte hatten neun gewaltige Masten, waren bis zu 120 Meter lang und bis zu 50 Meter breit. Zum Vergleich: Die „Santa Maria“ des Christoph Kolumbus war 27 Meter lang.

          Historiker zögerlich

          China war Hegemon der Anrainerländer des indischen Ozeans, und wer beim Anblick der Flotte nicht schon einsah, daß man mit den Chinesen besser friedlich Handel trieb, der wurde von den Bronzekanonen an Bord und von den „Landetruppen“ schnell eines Besseren belehrt. Zheng He, der Admiral der stolzen Flotte, war als zehnjähriger Sohn eines muslimischen Rebellen in Südchina in die Gefangenschaft eines Ming-Generals gekommen und drei Jahre später für den Dienst am Hofe kastriert worden. Dort erwarb er sich das Vertrauen des Herrschers.

          Fragen bleiben - die Geschichte der Landkarte, deren Echtheit gerade untersucht wird, ist nicht zweifelsfrei rekonstruiert. Noch haben sich keine namhaften Historiker hinter Menzies und seine Theorie gestellt. In ersten Reaktionen von chinesischen Historikern werden Zweifel an der Echtheit der Karte, deren Original sie allerdings noch nicht gesehen haben, geäußert. Liu Gang bleibt davon überzeugt: Die chinesischen Seefahrer haben siebzig Jahre vor Kolumbus Amerika entdeckt.

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