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Weltausstellung in Astana : Bayerisches Bier und Solarzellen

  • -Aktualisiert am

Die „Sphäre“ genannte 80 Meter hohe Glaskugel ist das Wahrzeichen der Expo in Astana. Bild: dpa

In Kasachstan, das nicht gerade als Touristenziel bekannt ist, eröffnet die Expo. Das Motto lautet „Energie der Zukunft“. Deutschland punktet neben der Energiewende vor allem mit Bier.

          Kasachstan ist nicht gerade als Touristenziel bekannt. Der größte Binnenstaat der Erde hat abgesehen von schier endlosen Steppen, rauen Bergen und post-sowjetischem Flair wenig, womit er ausländische Gäste nach Zentralasien locken kann.

          Von diesem Samstag an ist das anders – zumindest ein bisschen. Mit vielen Touristen aus Europa oder den Vereinigten Staaten rechnet in Astana zwar niemand. Aber die nun eröffnete Weltausstellung in der kasachischen Hauptstadt ist eine Premiere. Zum ersten Mal findet sie in einer Republik der früheren Sowjetunion statt – und sei es auch nur eine „kleine“, themengebundene Weltausstellung und keine „große“ wie etwa die Expo in Hannover im Jahr 2000 oder in Mailand im Jahr 2015.

          Das Motto der kasachischen Expo lautet „Energie der Zukunft“, und das ist in doppeltem Sinne bemerkenswert. Erstens ist Kasachstan ein Land, das sich zu weiten Teilen auf die Produktion und den Export von Erdöl stützt. Hinter Russland ist es der größte Förderer des schwarzen Goldes auf dem Gebiet der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Erneuerbare Energien dienen höchstens der industriepolitischen Kosmetik.

          Die Expo fügt sich gut in die noch junge Hauptstadt Astana ein

          Zweitens bekam Kasachstan genau dann den Zuschlag für die Expo, als der Erdölpreis 2012 auf einem komfortabel hohen Niveau lag. Weil mit dem Erdöl-Geld die Prestige-Expo finanziert werden sollte, der Ölpreis aber inzwischen eingebrochen ist, musste Astana bei der Planung über die Bücher gehen. Insofern ist die Expo mit ihrem Leitthema durchaus am Puls der Zeit.

          Außerdem fügt sich diese Expo gut in die noch junge Hauptstadt Astana ein. Präsident Nursultan Nasarbajew, der Kasachstan seit 1990 autokratisch regiert, hat aus der ehemaligen Provinzstadt ein Regierungszentrum mit eindrücklichen architektonischen Besonderheiten gemacht. Für die Weltausstellung ist ein neues Stadtviertel hinzugekommen. Im Zentrum steht die gläserne „Sphere“, die größte selbsttragende Glaskugel der Erde. Sie beherbergt den kasachischen Pavillon, in dem sich das Land folkloristisch und zugleich modern und weltoffen darstellen will. Auf dem Dach finden sich Solarzellen, wenn auch nur zu Demonstrationszwecken.

          In die umliegenden Hallen sind mehr als 100 Länder mit ihren Nationalausstellungen eingezogen, die sich ebenfalls einem nachhaltigen Energiemix widmen. Hinzu kommen Parks, ein Konzert- und Konferenzgelände sowie neue Wohnhäuser, durch die das Areal nach dem Ende der Ausstellung mit Leben gefüllt werden soll.

          Deutschland punktet mit der Energiewende – und Bier

          Deutschland unterhält einen der größten Pavillons und hat mit der Energiewende wirklich etwas vorzuweisen – selbst wenn nicht alle Nachbarländer der Meinung sind, dass der deutsche Weg der vorzeigbarste ist. Während Deutschland von Atomenergie nichts wissen möchte, gehört sie für Russland fest zum Energiemix der Zukunft. Die Staatsholding Rosatom, in der alle Nuklearaktivitäten Russlands gebündelt sind, zählt zu den wichtigsten Sponsoren nicht nur des eigenen Auftritts, sondern der Expo überhaupt. Deutschland punktet dagegen auch mit Bier und bayerischen Spezialitäten, einem in Zentralasien eher seltenen Angebot.

          Bis Anfang September hoffen die Veranstalter auf rund 2,5 Millionen Gäste, wobei die meisten aus Kasachstan selbst oder den umliegenden zentralasiatischen Nationen und Russland kommen dürften. Einziger weiterer Expo-Kandidat war Lüttich. Ob die belgische Stadt ebenfalls so viel Geld in die Hand genommen hätte, darf bezweifelt werden: Zu Zeiten des hohen Erdölpreises veranschlagte Kasachstan das Budget der Expo auf drei Milliarden Dollar.

          Zwar mussten Projekte seither gestrichen werden, Gelder wurden aber auch veruntreut, wie es bei Großprojekten im ehemals sowjetischen Raum nicht selten vorkommt. In die Ausstellungshallen soll nach der Expo ein internationales Finanzzentrum einziehen – das wünscht sich zumindest Staatschef Nasarbajew.

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