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Wellenreiter : Müntefering und die bösen Millionenspender

  • -Aktualisiert am

WELLENREITER - durch die Informationsflut mit FAZ.NET Bild: FAZ.NET

Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering findet die Millionenspende Michael Schumachers an die Flutopfer eitel. Er mag lieber ganz kleine Beträge, die den Spendern wirklich wehtun und die Steuerkasse schonen.

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          Das paßt nicht recht zusammen. Da machen sich SPD-geführte Regierungen Gedanken darüber, daß durch die enorme Spendenbereitschaft der Deutschen für die Opfer der Tsunami-Katastrophe ein sattes Minus bei den Steuereinnahmen entstehen wird, und der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering kritisiert gleichzeitig einen prominenten und freigiebigen Spender, der zu diesem Minus nicht beiträgt: Michael Schumacher. „Ich mag das nicht, daß einer 7,5 Millionen gibt, der zwischendurch dann keine Steuern zahlt“, machte Müntefering die Spende des Formel-1-Weltmeisters im Nachrichtensender N24 madig.

          Ein merkwürdiges Licht, in das sich Müntefering da selbst rückt. Sind Spenden nur dann „echte“ Spenden, wenn sie dem Spender auch wirklich wehtun? Sind Müntefering permanente Steuernahmen gar wichtiger als die Linderung des Leids der Flutopfer? „Ich habe mich gefreut für die Leute, an die die Spende verteilt wird“, beeilte sich der Parteivorsitzende rasch, das Positive an Schumachers Millionenspende zu sehen. Insgesamt seien ihm aber die Leute lieber, „die offensichtlich wenig haben“ und dann doch „50 Cent oder 2 Euro“ spendeten. Und insgesamt sind ihm brave Steuerbürger natürlich lieber als Steuerflüchtlinge.

          90 Millionen Steuerminus durch Spenden

          Immerhin hätte Müntefering dem Steuerflüchtling Schumacher anrechnen können, daß er an dem Minus von geschätzt 90 Millionen Euro durch steuerlich absetzbare Spenden keinen Anteil hat. Der rheinland-pfälzische Finanzminister Gernot Mittler (SPD), der mit der Schätzung an die Öffentlichkeit ging, findet die Mindereinnahmen aufgrund von Spenden denn auch „völlig in Ordnung“. Ernüchternderweise aber nicht in erster Linie, weil er sich über die Hilfsbereitschaft seiner Landsleute freut, sondern weil es sich bewährt habe, daß der Staat über die steuerliche Abzugsfähigkeit „die private Hilfsbereitschaft der Bürger anregt und fördert“. Ob er glaubt, daß ohne diese „Anregung“ und „Förderung“ niemand gespendet hätte?

          Findet Haar in der Spendenflut: Franz Müntefering

          Schumacher jedenfalls hat auch gespendet - im Rahmen seiner Möglichkeiten, die offensichtlich enorm sind. Warum Müntefering die großen und kleinen Spender gegeneinander ausspielt? Er möge keine Eitelkeiten, ließ er wissen. Ihn habe gestört, daß Schumachers Spende „auf diese Art und Weise“ über die Medien verbreitet worden sei. Schumacher hatte das Geld während der TV-Spendengala von ZDF und „Bild“-Zeitung „Wir wollen helfen - Ein Herz für Kinder“ am 4. Januar gespendet.

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