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Triste Tage mit Arbeitsblatt : Ob Homeschooling gelingt, ist (k)eine Glückssache

Glück gehabt: Homeschooling 2021 mit dem Laptop im Wohnzimmer. Bild: Sieber, Laila

Klappt das Homeschooling diesmal in Deutschland, oder treibt es nur die Eltern in den Wahnsinn? Das hängt von der Internetverbindung ab, vom Gelingen des Digitalunterrichts – und vom Einsatz der Schulen.

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          Der erste Tag im Lockdown beginnt für die Vierzehnjährige analog. Sie hat ein Treffen auf dem Schulhof um kurz nach acht mit ihrem Englischlehrer. Drei Minuten für die Rückgabe der letzten Arbeit, inklusive Notenbesprechung für das Zeugnis. Den nächsten Kontakt zu einer Lehrkraft wird sie, die auf einem Frankfurter Gymnasium in die 9. Klasse geht, erst vier Tage später haben, eine Online-Konferenz in Mathematik. Die Tage dazwischen ist sie auf sich gestellt. Wann sie die Arbeitsaufgaben im Schulportal bearbeitet, wo sie die Informationen herbekommt, wenn sie etwas nicht versteht, das muss sie alles selbst regeln. Natürlich kann sie jederzeit den Lehrer per E-Mail kontaktieren, aber das ist eine Hürde, die viele Kinder nicht bereit sind zu erklimmen. Lieber ruft man ins Nebenzimmer: „Mama, ich brauche Hilfe.“

          Anke Schipp
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die meisten Eltern fühlen sich derzeit so, als hätten sie ein Déjà-vu. Die Tage sind ihnen vom letzten Frühjahr vertraut, an denen die Kinder einfach zu Hause blieben und im Schlafanzug Matheaufgaben erledigten. Sie erinnern sich an die immergleichen Sätze: „Nein, du kannst nicht ausschlafen.“ „Du wolltest doch noch Physik machen?“ „Nein, kein Handy!“ „Das weiß ich jetzt auch nicht mehr so genau, warum die Französische Revolution scheiterte.“

          Umfragen nach dem ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr zeigten, dass ein Drittel der Eltern mit dem Digitalunterricht an den Schulen unzufrieden war. Zudem hing es laut einer Studie der Initiative D21 und der TU München vor allem von dem Können und Engagement der einzelnen Lehrkräfte ab, ob Schüler während der Corona-Schließungen digital weiter lernen konnten.

          Keine einheitlichen Konzepte

          Das ist jetzt neun Monate her. Hat sich etwas geändert? Pauschal kann man sagen: ja. Die Bundesländer haben einheitliche Lernplattformen oder Lernmanagement-Systeme eingerichtet, in denen die Arbeitsaufträge für die Schüler digital verwaltet werden. Lehrer geben dort die Termine für Videokonferenzen ein, laden Arbeitsblätter hoch oder verweisen auf Aufgaben in den Schulbüchern. Es sind fragile Systeme, die gleich zu Beginn des Homeschoolings vielerorts zusammengebrochen sind. Aber dass es sie gibt, ist eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum letzten Lockdown, in dem die Aufträge für die Kinder hauptsächlich via E-Mail versandt wurden.

          Was die Art der Wissensvermittlung angeht, ist es wie im vergangenen Jahr: Es gibt keine einheitlichen Konzepte, weder bundes- noch länderweit. Selbst an den Schulen hängt es vom einzelnen Lehrer ab, ob er eine Videokonferenz anbietet oder eben nicht, ob er, wie etwa ein Klassenlehrer in Berlin, jeden Morgen zur gleichen Zeit die Schüler per Video begrüßt, motiviert und mit ihnen bespricht, was anliegt. Glückssache ist auch, ob ein Lehrer stur nach Lehrbuch vorgeht oder sich Projekte ausdenkt, die die Kinder in ihrem veränderten Schulalltag motivieren. Eltern haben keinen Einfluss darauf, wie das Homeschooling ihrer Kinder von Montag bis Freitag aussieht, aber sie müssen es neben ihrer Arbeit betreuen. Sie müssen Strukturen schaffen, ausdrucken, erklären, motivieren und kochen.

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