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Triste Tage mit Arbeitsblatt : Ob Homeschooling gelingt, ist (k)eine Glückssache

Besonders bitter ist das, wenn man mit Eltern spricht, deren Kinder Privatschulen besuchen. Zum Beispiel mit Wolfgang Ludwig, einem Vater, der entspannt sein kann, weil seine Kinder von 8.30 Uhr bis 16 Uhr vor den Laptops sitzen und dem Unterricht streng nach Stundenplan folgen. Wie die meisten Privatschulen in Deutschland hat auch die ISR International School on the Rhine in Neuss zu Beginn des ersten Lockdowns schnell reagiert, den Distanzunterricht digital geregelt und Konferenzen via Zoom eingeführt. „Der Lehrer, der im Klassenraum sitzt, arbeitet mit einem interaktiven Whiteboard“, erklärt Ludwig. „Was er dort zeigt, sehen die Kinder direkt zu Hause am Bildschirm, auch eventuelle handschriftliche Ergänzungen.“ Der Lehrer könne auch mit der Kamera den gesamten Klassenraum filmen und so beispielsweise Experimente zeigen. Das ist aber nicht entscheidend, sondern dass die Kinder auch im Homeschooling Struktur und Kontakt zum Lehrer haben. Ludwig glaubt nicht, dass Privatschulen dabei Vorteile haben. Es geht auch ohne Whiteboard. „An der Organisation des digitalen Unterrichts sieht man, dass der kein Hexenwerk und auch keine Sache des Geldes ist. Da geht es eher um persönliches Engagement von Lehrern und Schulleitung. Ich frage mich deshalb, warum das nicht an allen Schulen möglich ist?“

Probleme mit der Internetverbindung

Der Unterschied zwischen staatlichen Schulen und Privatschulen liegt darin, dass Privatschulen sich über Schulgebühren finanzieren und der Druck von Seiten der Eltern damit ein anderer ist. Ein Lehrer einer öffentlichen Schule hat nichts zu befürchten, wenn er sagt: Kann ich nicht, will ich nicht.

Dennoch gibt es Lichtblicke – Schulen, die großes Engagement zeigen und beweisen, dass digitaler Unterricht auch ohne Schulgebühren möglich ist. Wie die Brüder-Grimm-Schule in Eschwege. Die Gesamtschule hat nach dem letzten Lockdown ihre Hausaufgaben gemacht und sich offensiv mit dem Thema Digitalisierung auseinandergesetzt. „Die Lehrer wurden umfangreich geschult und die Schule durch das Sofortausstattungsprogramm für bedürftige Schüler mit Tablets ausgestattet“, sagt Dirk Rudolph, der Lehrer an der Schule ist und gleichzeitig Leiter des Medienzentrums Werra-Meißner-Kreis. Auch Schulleiterin Ute Walter war das Thema wichtig. Gemeinsam arbeiteten sie ein Konzept aus und starteten im Oktober einen Probelauf: Einen ganzen Tag lang blieb die Schule zu, und die Schüler wurden digital beschult. So zeigte sich, woran es haperte: Das System stürzte erst einmal ab. „Was wir grundsätzlich nicht auffangen können, sind fehlende Internetverbindungen. Oft sind sie nicht stabil genug. Manche Lehrer haben von zu Hause aus eine bessere Verbindung als in der Schule“, sagt Rudolph. Zudem seien auf dem Land manche Haushalte nicht mit W-Lan ausgestattet. Schüler versuchten dann, stabilere Internetverbindungen bei Verwandten oder Freunden zu nutzen.

Die Kinder werden an der Brüder-Grimm-Schule streng nach Stundenplan unterrichtet, damit sie eine Struktur haben. „Die Teilnahme an den Videokonferenzen liegt im Gymnasialzweig bei 100 Prozent und in den anderen Klassen bei weit über 50 Prozent“, sagt die Schulleiterin. Warum funktioniert die Digitalisierung an einer Gesamtschule in einer Region, die man früher als Zonenrandgebiet bezeichnet hat, und an einem Gymnasium in der Europastadt Frankfurt nicht? „Wir haben einen Bildungsauftrag, den wir erfüllen müssen, deshalb müssen wir jetzt den Spagat zwischen Präsenz- und Distanzunterricht schaffen, denn die Zeit des Homeschoolings kann lange werden“, sagt Walter sachlich. Tatsächlich ist es aus Elternsicht eine einfache Rechnung: entschlossene Schulleitung + IT-Experte = Glück gehabt.

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