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Astronauten und Raumfahrt : Der exklusivste Klub der Welt

  • -Aktualisiert am

Fünfzig Jahre nach der ersten Mondlandung ist Amerika ein völlig anderes Land. Obwohl es Donald Trump und seine Gefolgsleute nicht wahrhaben wollen, sind die Vereinigten Staaten immer bunter geworden, ein multikultureller Staat, in dem die Weißen, wenn überhaupt, nur noch eine knappe Mehrheit bilden. Mit den ethnischen Veränderungen gingen soziale Entwicklungen einher. So weitet sich die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr. Während damals Optimismus und die Gewissheit herrschten, besser zu leben als die vorherige Generation, sind heute Misstrauen, Unsicherheit und Existenzangst weit verbreitet.

Die beiden Präsidenten Bush mussten feststellen, dass ihre Aufrufe, wieder Menschen zum Mond und später weiter zum Mars zu schicken, keine Anziehungskraft mehr ausübten. Weder die Nation noch der Kongress waren von diesen hochfliegenden Plänen so fasziniert wie die Amerikaner von Kennedys Traum. Es ist damit zu rechnen, dass Präsident Trump mit seinem noch anspruchsvolleren Plan, in weniger als fünf Jahren wieder Amerikaner auf den Mond zu schicken, ebenfalls eine Bruchlandung erleben wird. Der tief gespaltene Kongress wird seine Zustimmung verweigern. Hinzu kommt, dass viele Amerikaner Wissenschaft und Technik recht skeptisch gegenüberstehen. Die Technik, so heißt es heute in weiten Kreisen Amerikas, sorge nicht für ein besseres Leben, sondern verseuche die Umwelt und bringe den Planeten in Gefahr.

Space X und Co. trauen sich noch nicht, Menschen ins All zu schicken

Für die schwindende Zahl von Jugendlichen und Studenten, die sich für naturwissenschaftlich-technische Fächer interessieren, ist die Raumfahrt heute ebenso wenig attraktiv wie beispielsweise die Kerntechnik. Die Mitarbeit an selbstfahrenden Elektroautos, das Programmieren aufwendiger Computerspiele, das Design neuer Microchips oder die Entwicklung neuer Techniken zur sanften Energiegewinnung stehen ebenso hoch auf der Attraktivitätsliste wie die Biotechnologie oder die Medizintechnik.

Schließlich hat die Nasa längst kein Monopol mehr in der amerikanischen Raumfahrt. Private Unternehmen, allen voran Elon Musks Space-X, betreiben wirtschaftlich lukrative Raumfahrtprogramme, obwohl sie den ultimativen Test noch nicht bestanden haben. Zwar wollen Musk und Amazon-Chef Jeff Bezos unabhängig voneinander Menschen ins All, zum Mond und zum Mars befördern, doch bisher hat keines dieser Unternehmen den technisch äußerst anspruchsvollen Schritt von der unbemannten Raumfahrt zu wesentlich aufwendigeren bemannten Missionen gewagt. Mit ihren zusätzlichen Sicherheitsanforderungen und den notwendigen Lebenserhaltungssystemen sind solche Projekte viel komplexer, als unbemannte Raketen in den Orbit zu schicken.

Eines ist aber sicher: Wann auch immer der nächste menschliche Besuch auf dem Erdtrabanten stattfindet, der exklusivste Klub auf der Welt wird bunter werden. Zu den zwölf Männern werden sich Frauen gesellen, die ihre Fußstapfen im Mondstaub, dem Regolith, hinterlassen werden. Personen nichtweißer Herkunft ohne eine Offiziersausbildung werden zu den Mondfahrern gehören, und die amerikanische Staatsbürgerschaft ist für eine künftige Reise zum Mond auch keine notwendige Voraussetzung mehr. Als Mondfahrer Eugene Cernan kurz vor Weihnachten 1972 als bisher letzter Mensch vom Mond Abschied nahm, hoffte er, dass andere bald zurückkehren würden. Aber auch fast fünf Jahrzehnte später steht der Zeitpunkt der nächsten Mondfahrt buchstäblich in den Sternen.

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