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Weibliche Bodyguards : Ganz ohne „Killer-Heels“

Bitte Abstand halten: Herzogin Meghan genießt beim Marktbesuch auf den Fidschi-Inseln den Schutz ihrer Bodyguards. Bild: AFP

Prinz Harry und seine Gattin sind unterwegs in Ozeanien – und für fast so viel Aufsehen wie die schwangere Herzogin sorgt ein weiblicher Bodyguard. Prompt wird debattiert: Machen Frauen diesen Job genauso gut wie Männer?

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          Herzogin Meghan hat einen weiblichen Bodyguard. So what, könnte man sich da in britischer Manier denken. Tatsächlich aber drehen soziale Medien und die Yellow Press durch. Eine Frau! Noch dazu blond! Als Bodyguard! Die namentlich nicht bekannte Personenschützerin stand während des Besuchs von Meghan und Harry auf den Fidschi-Inseln plötzlich im Rampenlicht, als sie entschied, Meghans Besuch auf einem Fischmarkt abzubrechen. Mit strenger Miene forderte sie Fans der Herzogin auf, Abstand zu halten.

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Einem Mann hätte in dieser Situation wohl niemand im Nachhinein Beachtung geschenkt, aber Frauen in vermeintlichen Männerberufen scheinen auch 2018 immer noch eine Sensation zu sein. Plötzlich wurden noch mal alle Fotos vom Fidschi-Besuch durchgesehen, und die Boulevardmedien kringelten die Personenschützerin auf jedem rot ein. Mit Pferdeschwanz, unauffällig gekleidet, gerne auch mal im langen Rock und mit hohen Schuhen, folgt sie dem royalen Paar wie ein Schatten überallhin: an den Strand, in die Universität und auf den Markt. Was ein männlicher Bodyguard ebenso tut – nur dass in diesem Fall die „Daily Mail“ die „für eine Polizistin glamouröse Figur“ der Frau kommentiert.

          Dabei ist Meghan nicht die einzige Herzogin mit einer Personenschützerin, wie Fans der Royals sogleich bemerkten. Auch Kate und Camilla werden stets von einer Frau beschützt. Böse Zungen sagen, dies sei eine Vorschrift von Prinz Charles. Zumindest erzählte das 2015 ein anonymer Mitarbeiter von Scotland Yards Abteilung für „Royalty and Specialist Protection“ den Medien. Charles habe verhindern wollen, dass sich abermals eine royale Ehefrau in ihren männlichen Bodyguard verliebt. Schließlich soll seine Ex-Frau Prinzessin Diana eine Affäre mit ihrem Leibwächter gehabt haben.

          Einiges zu tun, egal ob Mann oder Frau: Royale Fans warten auf den Besuch von Prinz Harry und seiner Frau Meghan an der University of the South Pacific in Fidschi.

          Dabei gibt es gute Gründe für einen weiblichen Bodyguard. Anne Kamratowski aus Berlin arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Personenschützerin und stellt zunächst klar: „Es gibt viele Fähigkeiten, die Frauen genauso haben wie Männer, wenn nicht sogar besser.“ Weibliche Bodyguards seien vor allem bei Kunden mit Kindern gefragt, weil Frauen oftmals einen besseren Zugang zu den Kleinen hätten. Meghan erwartet im Frühjahr ein Baby, wie der Kensington Palast erst kürzlich mitteilte. Außerdem seien Personenschützerinnen natürlich überall dort gefragt, wo Frauen auch in empfindlichen Bereichen geschützt werden müssen, zum Beispiel im Badezimmer. Oder kann sich jemand vorstellen, wie ein Zwei-Meter-Hüne im Vorraum der Damentoilette auf Meghan wartet, während diese auf dem Klo ist?

          „Auch wir Frauen haben eine Nahkampfausbildung“

          Außerdem, fügt Kamratowski hinzu, „gibt es auch Frauen, die nicht gern rund um die Uhr einen Mann um sich haben und deshalb eine Personenschützerin wollen“. Sorgen, dass eine Personenschützerin in einer körperlichen Auseinandersetzung nicht so gut für Sicherheit sorgen kann wie ein Personenschützer, muss man sich laut Kamratowski nicht.

          Denn professionelle Personenschützer arbeiten in der Regel nicht alleine, sondern im Team: „Wenn es darum geht, einen kräftigen Mann festzuhalten, müssen die Männer im Team dann vielleicht auch mal mehr machen“, sagt sie. Und selbst wenn: „Auch wir Frauen haben eine Nahkampfausbildung und können im Ernstfall effektiv handeln“, so Kamratowski. Denn letztlich komme es nicht nur auf die Kraft, sondern vor allem auch auf die Technik an. Und die können Frauen ebenso gut beherrschen wie Männer. „Killer-Heels“, wie die „Daily Mail“ sie Meghans Bodyguard andichtet, sind da weder nötig noch ein Hindernis.

          Sie selbst habe sich noch nie unterschätzt gefühlt, sagt Kamratowski. „Ich persönlich hatte noch nie ein Problem, weil ich eine Frau bin.“ Zudem wisse der Kunde, dass er, wenn er bei einem guten Sicherheitsdienst bucht, ausschließlich gutes Personal bekomme. Ebenso haben Scotland Yards Royal-Beschützer hohe Ansprüche an ihr Personal – selbst wenn hin und wieder mal jemand Redseliges darunter ist.

          Willkommenszeremonie in Neuseeland: Prinz Harry und Herzogin Meghan lassen keinen Termin aus.

          Auch wenn es vor allem gesellschaftliches Umdenken erfordert, dass Personenschützerinnen nicht als Exotinnen bestaunt werden: Die Sicherheitsbranche bleibt männlich dominiert. „Das Männer-Frauen-Verhältnis ist etwa 20 zu eins“, schätzt Kamratowski. Genau sagen ließe sich das nicht, denn von den ausgebildeten Personenschützerinnen gingen viele auch in andere Bereiche in der Sicherheitsbranche, wie Security oder Aufsicht. Die Personschützerin selbst „hätte nichts dagegen, mit mehr Frauen zusammenzuarbeiten“. Mit den Männern sei der Ton im Team oft etwas rauher; das müsse man als Frau schon abkönnen. „Dabei kann der Job sehr interessant sein“, so Kamratowski. Dafür seien vielleicht auch mehr Ausbildungsangebote speziell für Frauen nötig.

          Generell mehr und vor allem eine bessere Ausbildung für Frauen – dafür hat sich auch Herzogin Meghan bei ihrem Besuch auf den Fidschi-Inseln mit einer Rede an der Universität von Suva eingesetzt. Ihre Personenschützerin war zu diesem Zeitpunkt noch keinem aufgefallen.

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