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„Arschgeweih“ : Aufstieg und Fall des perfekten Tattoos

Aber die Frauen ließen es sich nicht ausreden. So erinnert es auch Frey: „Wir konnten die Damen meistens nicht dazu überreden, an der Stelle, die eigentlich eine schöne Stelle ist, irgendetwas anderes zu machen, also zum Beispiel eine kleine Rosenranke. Das wäre eine Alternative gewesen. Aber die wollten ihr schwarzes Teil.“

Das Jahr des „Arschgeweih“

Frey war damals dabei, als Pogo seine Aufkleber auf der Tattoo-Messe verteilte. „Ich sah den Aufkleber an seinem Stand hängen. Es sah lustig aus. Wir haben alle gelacht und uns gefreut.“ Zunächst sei der „Arschgeweih“-Begriff szeneintern geblieben. Aber nicht lange. Tätowierer nahmen den Aufkleber mit in ihre Studios, pappten ihn an die Scheiben. „Mein Scherz verselbständigte sich“, sagt Pogo.

Oder wie Rödel es ausdrückt: Die tragische Geschichte nahm ihren Lauf. Und das perfekte Tattoo verlor seine Unschuld.

Denn in den Jahren danach wurde der Begriff „Arschgeweih“ immer populärer. 2004 war schließlich das Jahr des Arschgeweihs: Die Bild suchte im Sommer „das schönste Arschgeweih“, und „Hunderte Leserinnen“ schickten „Fotos der scharfen Kunst-Tattoos überm Popo“. Mein Tattoo ist fast ein String-Tanga, sagte Kauffrau Pia (31); habe fünf Stunden stillgesessen, sagte Krankenschwester Rebekka (27); Ich bin mächtig stolz darauf und zeige das Tattoo auch gern, sagte Verkäufern Susanne (24); so ein Tattoo ist doch zeitlos schön, sagte Angestellte Sabrina (22).

Blumentätowierungen sind Trend. Doch haben sie auch das Zeug zum neuen „Arschgeweih“?
Blumentätowierungen sind Trend. Doch haben sie auch das Zeug zum neuen „Arschgeweih“? : Bild: Cornelia Sick

Begriff wurde durch Mittermeier populär

Am Stadtstrand in Berlin suchte auch Jägermeister seine Miss Arschgeweih; den „vielbeachteten Wettbewerb“ gewann „Ania, die schärfste Polizistin von Berlin“. Heute heißt es bei der Kräuterlikörfirma, man habe damals den Zeitgeist getroffen. Likör trifft Geweih, Geweih trifft Arsch. Vor allem aber tourte der Komiker Michael Mittermeier durch die Republik, mit Sätzen wie diesem: „Irgendein Depp macht was vor, und alle anderen machen es nach“, „Jede zweite Frau hat sich die gleiche Tätowierung machen lassen.“

Mittermeier machte den Begriff „Arschgeweih“ populär, vielen gilt er als sein Urheber. Vielleicht hatte er ja auch denselben Gedanken wie Pogo. Besonders ein Satz von Mittermeier traf den Zeitgeist. Mittermeier behauptete in diesem Satz, dass der Sex zwischen Männern und Frauen mit Steißtattoo bisweilen an Oralsex zwischen Männern und Hirschen erinnere. Nur drückte er es roher aus.

Ein Eintrag im Duden

Und heute? Auf die Frage, wie es zu dem Begriff Arschgeweih kam und wie Mittermeier heute darüber denkt, lässt der Komiker nach fünf Monaten Bedenkzeit lediglich mitteilen: „Entschuldigen Sie die in diesem Fall sehr lange Verzögerung, aber wir sind jetzt zu dem Entschluss gekommen, dass wir ein Interview zu dem Thema momentan nicht machen möchten. Tut mir leid.“ Das Tattoo über dem Steiß scheint ein heikles Gebiet zu sein – aber das Netz vergisst schließlich nie:

Frage: „Sie haben mit ,Arschgeweih‘ und ,Arschlochkind‘ Begriffe geprägt, die heute noch verwendet werden. Ist man darauf stolz?“

Antwort: „,Arschgeweih‘ steht mittlerweile im Duden, und natürlich bin ich darauf stolz. Arschgluten wäre dazu noch ein gutes Triumvirat.“

Auch Pogo sagt: „Ich bin stolz darauf, dass es sogar im Duden steht.“ Die Definition lautet: Geschwungene Tätowierung am unteren Rücken, deren Form an ein Geweih erinnert. Im Duden kommt Arschgeweih nach Arschficker und Arschgeige.

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