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Ungewöhnliche Hobbys : Männer, die auf Flugzeuge starren

An der Landebahn: Ralf Drews am Frankfurter Flughafen. Bild: Helmut Fricke

Manche Menschen haben seltsame Hobbys: Sie verharren stundenlang in der Kälte, um Sterne zu suchen, lassen sich von Flugzeugen faszinieren oder widmen sich dem Krötenschutz. Was treibt sie an?

          Der Planespotter

          Für manche Dinge hat Ralf Drews kein Verständnis. Wie kann man sich nur auf Brücken oder an Weichen stellen, Stunden warten, bis endlich ein Zug vorbeikommt, um dann ein paar Mal auf den Auslöser der Kamera zu drücken? Dafür die Freizeit opfern oder sogar Urlaub nehmen? Drews steigt von seiner Alu-Leiter und schüttelt den Kopf. „Mir muss mal einer erklären, was an einem Zug so interessant . . .“ - weiter kommt er nicht. Er springt die sechs Stufen der Leiter wieder hoch, nimmt die Kamera in Anschlag, streckt sich noch ein paar Zentimeter, um mit dem Objektiv über den Zaun zu blicken, und drückt ab.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Klick, klick, klick.

          Wie die Sonnenblume nach dem Licht, so dreht sich Ralf Drews auf seiner Leiter nach dem Flugzeug.

          Klick, klick, klick.

          Dann dreht der Airbus ab, verschwindet hinter einer Halle. Drews schaut noch auf der Leiter nach, ob die Fotos gut geworden sind. Den Airbus hat er zwar schon fotografiert, wie fast alle Flugzeuge am Frankfurter Flughafen. Aber dieser Winkel, dieser Ausschnitt! Drews ist zufrieden. Er steigt herunter. „Wo war ich? Richtig, bei den Zügen. Ist mir unerklärlich, wie man ein Trainspotter sein kann.“

          Und Planespotter? Das sei etwas ganz anderes, sagt Drews. Verrückt sind sie ja alle irgendwie, die Männer, die auf Züge oder Flugzeuge starren. Inzwischen, sagt Drews, kämen auch viele Paare und sogar Familien an den Zaun der neuen Landebahn am Frankfurter Flughafen, wo man den Flugzeugen am nächsten kommt. Dort, an der Düne, ja, so nennt man das hier, stellt Drews seine Alu-Leiter auf. Hinter ihm teilt die ICE-Strecke das Land, rasen Autos über die Autobahn. Vor ihm setzen die Flugzeuge auf. Diesmal eine Boeing. Drews bleibt ruhig. Eine Wolke hat sich vor die Sonne geschoben, deswegen steigt er keine Sprosse hoch.

          Was ist so faszinierend an Flugzeugen? Die Größe, der Lärm, die Wucht, mit der sie starten und landen? Vermutlich von allem ein bisschen. Richtig erklären kann man das nicht, auch Drews will da nichts beschönigen. Er ist selbst etwas ratlos. Als kleiner Junge, der zwischen Frankfurt und Köln aufwuchs, schaute er sich den Nacken steif, wenn große und kleine Flugzeuge über seinen Kopf zogen. Damals waren die Motoren noch lauter, war die Flughöhe geringer. Mit seinem Großvater fuhr er zum Flughafen, um die Flugzeuge aus der Nähe zu sehen. Bei vielen Jungs wächst da der Wunsch, Pilot zu werden. Bei Drews nicht. Er ist IT-Fachmann in der Verwaltung. Morgens um sechs Uhr fängt die Arbeit an, zwischendurch schaut er im Internet auf das Wetterradar. Ist das Wetter gut, baut er ein paar Überstunden ab und fährt an die Düne. Oder nach Düsseldorf, Stuttgart oder Luxemburg, wo viele Frachtflieger landen. Auch die hat Drews, der seit mehr als 30 Jahren an Flughäfen fotografiert, fast alle abgelichtet. Morgens kommen sie aus Amerika oder Asien, am Nachmittag aus Europa. Die Fotos zeigt Drews auf seiner Internetseite. Alle Flugzeuge zu sammeln, wie in einem Panini-Album, davon träumt keiner der Planespotter - dafür gibt es mit 15.000 Passagierflugzeugen auf der Welt einfach zu viele.

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