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Felix Hoffarth aus Lohra : Was diesen Bauern zum Rinderhalter des Jahres macht

  • -Aktualisiert am

Jedes Kälbchen bekommt einen Namen: Felix Hoffarth bei seinen Rindern im Stall Bild: Frank Röth

Die Familie Hoffarth bewirtschaftet ihren Hof bei Marburg seit Jahrzehnten ökologisch. Der Umgang mit den Tieren hat Felix Hoffarth jetzt den Titel „Rinderhalter des Jahres“ eingebracht.

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          Der kleine Ivan misst noch keinen Meter. Sein hellbraunes Fell kringelt sich an der einen oder anderen Stelle. Ein bisschen scheu lugt das Angus-Kälbchen durch das Gatter, bevor es keck neben Felix Hoffarth tritt, um genüsslich mit der Zunge sein Hosenbein abzulecken. Hoffarth nimmt es gelassen.

          Alle Tiere auf dem Hof seiner Familie haben Namen. Zurzeit stehen sie in mehreren Ställen auf Stroh zusammen. Sein Fachwissen und seine Expertise haben dem 28 Jahre alten Jungbauern jetzt den Ceres Award in der Kategorie „Rinderhalter des Jahres“ eingebracht, den ein Fachverlag und ein Agrarportal ausloben. Der Preis ist eine große Ehre und eine schöne Bestätigung der Arbeit, die die Familie in ihrem Betrieb im mittelhessischen Lohra nahe Marburg leistet.

          Etwa 300 Hektar misst der Hof. Hier züchtet die Familie neben 120 Angus-Rindern sogenannte Welsh-Cob-Ponys, zieht Puten auf und betreibt Ackerbau. Seit dreißig Jahren bewirtschaftet sie ihren Hof ökologisch. Das bedeutet unter anderem: Die Tiere werden nicht mit Kraftfutter aus Mais, Getreide und Sojaschrot gefüttert. Stattdessen stehen die Rinder auf den Weiden und müssen mit dem Angebot klarkommen, das die Natur ihnen bietet. Das ist nicht gerade üppig, denn der Boden befindet sich in einer sehr trockenen Lage und ist entsprechend karg. „Wir haben die Tiere dahin gezüchtet, dass sie das Futter gut verwerten können“, sagt Hoffarth junior.

          Schon früh geholfen

          Er sitzt zusammen mit Mutter Claudia und Vater Dieter am langen Esstisch in der gemütlichen Wohnstube des hundert Jahre alten Hofs. Alle drei haben Agrarwirtschaft studiert. Seit einem Jahr ist Felix Hoffarth hier der Chef. Folgerichtig, wie er findet. Schon als er zehn Jahre alt gewesen sei, sei für ihn klar gewesen, dass er irgendwann Bauer werden möchte, wie er erzählt. Zusammen mit seinen Geschwistern – Bruder Malte ist inzwischen 30 Jahre alt, Schwester Nele 24 – hat er schon früh geholfen. Sie haben die Puten gefüttert, die Einstreu erneuert, später dann auch Holz gemacht. Die Puten werden in dem Stall gehalten, der im Winter den Kühen vorbehalten ist. Wenn die Angus-Rinder in den Stall kommen, werden die Puten geschlachtet und verkauft.

          Zurzeit überlegen die Hoffarths, ob es sich lohnt, ein Schlachthaus am Hof einzurichten. Die Kosten sind nicht zu unterschätzen und die bürokratischen Hürden hoch. Derzeit werden die Rinder noch ins nahe gelegene Marburg zu einer privaten Schlachterei gefahren. Später werden sie auf dem Hof zerlegt. Malte Hoffarth, eigentlich Diplom-Chemiker, hat sich hierbei als talentierte Hilfe erwiesen. Mittlerweile arbeitet er halbtags auf dem Hof mit – vielleicht wird daraus sogar mehr. Zusätzlich gibt es noch eine Vollzeitkraft. Den größten Teil der Arbeit stemmt die Familie jedoch allein.

          Das bedeutet auch, dass das Weihnachtsfest nach dem Festessen nicht unbedingt gemütlich auf der Couch endet. Im vergangenen Jahr ging es danach in den Stall, weil eine Kuh kalbte. Eine 60-Stunden-Woche kommt da schnell zusammen, oft auch mehr. Für die Tiere machen sie diese Arbeit aber gerne. Den bürokratischen Aufwand hingegen würden sie liebend gerne eindämmen. Der mache inzwischen gut und gerne 30 bis 35 Prozent der Zeit aus. „Ich fülle fünf verschiedene Zettel mit den gleichen Zahlen für fünf verschiedene Stellen aus“, berichtet Felix Hoffarth.

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