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Volle Notaufnahmen : Die Hitze und die Folgen

  • Aktualisiert am

Ein Feldhase sitzt auf einem trockenen Feld in Sachsen. Bild: ZB

Hunderte Reisende müssen ohne Klimaanlage in einem ICE ausharren, Ed-Sheeran-Fans kippen um, und selbst für die Fische wird es langsam zu warm. Das macht die Hitze mit Deutschland.

          Die anhaltende Hitze bereitet vielen Menschen in Deutschland Probleme. Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) liegen die Höchstwerte aktuell zwischen 32 und 38 Grad Celsius. Nicht nur die Strände und Schwimmbäder sind überfüllt, auch Rettungsstellen und Notaufnahmen melden teilweise einen doppelten Zulauf an Menschen. Vor allem Kreislaufprobleme werden als Hauptbeschwerden vermerkt. Auch Landwirte leiden unter der anhaltenden Dürre und fordern Unterstützung. Zudem treten vermehrt Probleme bei den öffentlichen Verkehrsmitteln auf. Ein Überblick:

          In einem ICE auf freier Strecke zwischen Rotenburg und Verden mussten nach einem Schaden am Mittwochabend über 450 Reisende mehr als zwei Stunden ausharren – und das ohne eine funktionierende Klimaanlage. Die Türen des Zuges wurden dann geöffnet, wie ein Sprecher der Bundespolizei am Donnerstag sagte. Einige Fahrgäste seien ausgestiegen. Ein umgestürzter Baum hatte die Oberleitung beschädigt, Berichten zufolge wurde jedoch niemand verletzt. Wie hoch die Temperaturen im Zug waren, ist nicht bekannt. Nach zwei Stunden wurde der Zug mit einer Diesellok zurück nach Rotenburg gezogen.

          Wegen Temperaturen von weit über 30 Grad werden die Autobahnen verstärkt auf mögliche Hitzeschäden kontrolliert. Schwerpunkt der Beobachtung ist zum Beispiel bei der Landesstraßenbaubehörde in Sachsen-Anhalt die A9 südlich des Kreuzes Rippachtal bis zur Grenze nach Thüringen. „Es ist nicht auszuschließen, dass wir über kurz oder lang Geschwindigkeitsbegrenzungen anordnen müssen“, sagte Behördenchef Uwe Langkammer am Donnerstag.

          Kreislaufprobleme auf Ed-Sheeran-Konzert

          Einigen Besucher des Konzerts von Superstar Ed Sheeran (27) in Hamburg machten am Mittwochabend die tropischen Temperaturen  zu schaffen. Rund 330 Musikfans wurden bei schwülem Wetter mit Kreislaufproblemen behandelt, wie ein Sprecher der Hamburger Feuerwehr am Donnerstag sagte. Zwölf Konzertbesucher seien vorsorglich ins Krankenhaus gebracht worden.

          Wegen der hohen Temperaturen auf der Bahrenfelder Trabrennbahn hatte die Feuerwehr schon vor dem Konzert Besuchern dazu geraten, viel zu trinken und Hüte aufzusetzen. Die Tipps hätten gewirkt, sagte ein Sprecher. Im Vergleich zu anderen Großveranstaltungen hätten bei dem Konzert nur wenige Menschen behandelt werden müssen.

          Sorge um Gewässer und Wassertiere

          Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Rheinland-Pfalz warnt vor einem weiteren Anstieg der Temperaturen im Rhein und seinen Nebenflüssen. Nach Expertenmeinung ist ein tausendfaches Fischsterben am Rhein kaum noch abzuwenden. „Ich rechne schon nächste Woche mit der Tragödie“, sagte der Geschäftsführer des schweizerischen Fischereiverbandes, Philipp Sicher. Der Rhein habe zwischen Schaffhausen und dem Untersee westlich des Bodensees schon 25 Grad Wassertemperatur. 27 Grad sei für die Fische tödlich. Der BUND forderte einen sofortigen Stopp der Einleitungen von Abwärme der Industrie in den Rhein, „um größere ökologische Schäden zu verhindern“.

          Beispielsweise zögen sich „aufstiegsbereite“ Fische in kühleres Wasser zurück. Die bei der Aufwärtswanderung in ihre Laichgründe pausierenden Fische würden dadurch aus dem Takt gebracht. So könne beispielsweise das Paarungsverhalten und das Ablaichen gestört werden, wenn die Fische zu spät die angestammten Laichgründe in den Oberläufen der rheinischen Seitengewässer erreichten.

          In zahlreichen stehenden Gewässern trüben Algen den Badespaß. In Mecklenburg-Vorpommern sind teilweise Blaualgen gewachsen; sie verursachen Haut- und Schleimhautreizungen. In der Müritz wurden zudem Zerkarien nachgewiesen. Die Larven von Saugwürmern können zu juckenden Hautirritationen führen.

          Viele Gewässer führen wegen der lang andauernden Trockenheit Niedrigwasser – und auf einigen Wasserstraßen führt das bereits zu Einschränkungen der Schifffahrt. Auf dem Oberrhein können Frachter nur noch die Hälfte oder weniger der normalen Ladung transportieren, sagte der Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Mannheim, Jörg Vogel. Statt mit 3000 Tonnen oder mehr würden viele Schiffe jetzt nur mit 1500 Tonnen beladen. Für die Schiffseigner gebe es in dieser Situation etwas mehr Geld, für die, die Waren transportieren wollen, werde es aber deutlich teurer.

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