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Was „NoG20“ in Hamburg plant : Tanzen, blockieren, Steine werfen

Autonome 2015 beim Schanzenfest in Hamburg: „Uns im Vorfeld von Gewalt zu distanzieren, bedeutet für uns, in die ideologische Falle der Gegenseite zu laufen.“ Bild: dpa

Autonome, Künstler, linke Politiker: Im Bündnis „NoG20“ organisieren ganz unterschiedliche Akteure gemeinsam den Protest gegen den Gipfel. Von Mittwoch an wollen sie den Gipfel stören und „die Stadt zurückerobern“.

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          Die Oetinger Villa in Darmstadt ist ein beliebter Treffpunkt von linken Aktivisten. Es gibt einen antifaschistischen Kneipenabend, Punk-Konzerte – und Vorbereitungen für Demonstrationen. Für Montag vergangener Woche lud die als gewaltbereit geltende „Interventionistische Linke“ zu einer Info-Veranstaltung: „Kurz vor dem Start der G-20-Proteste in Hamburg wird es alle wichtigen News rund um Anreise, Unterkunft und Aktionen geben.“ Etwa 20 Menschen versammelten sich in dem Raum, sie bekamen den gut gemeinten Hinweis zu hören: „Ihr könnt natürlich machen, was Ihr wollt. Aber wer auf die „Welcome to hell“-Demo am Donnerstag geht, dem sollte klar sein, dass er am Freitag und Samstag möglicherweise nicht mehr mitdemonstrieren kann.“

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Die  „Welcome to hell“-Demonstration am Vortag des Gipfels wird der Gradmesser dafür werden, wie gewalttätig die Proteste in Hamburg werden. Tausende gewaltbereite Linksextreme aus ganz Europa werden um 16 Uhr auf dem Fischmarkt erwartet, die Demonstration soll sich „auf die rote Zone zubewegen und in Sichtweite des Tagungsorts Messehallen ihren Abschluss finden“, wie die Veranstalter schreiben. Andreas Beuth, einer der Veranstalter der Demonstration, sagte im Gespräch mit der „Zeit“: „Wir rechnen mit einem Schwarzen Block mit etwa 5000 Teilnehmern.“ Schon drei Wochen vor dem Gipfel hatte Beuth bei einer Aktionskonferenz im linksautonomen Kulturzentrum Rote Flora von einem „der größten schwarzen Blöcke, die es je gegeben hat“, gesprochen.

          Die größten Demos zum G-20-Gipfel

          Alle Demos in der Übersicht


          Beuth gehört seit Jahren zum Umfeld der Roten Flora, das besetzte Kulturzentrum im Schanzenviertel ist der wichtigste Treffpunkt der Autonomen in Hamburg. Insgesamt zählt der Verfassungsschutz in der Hansestadt 1100 Personen zur linksextremistischen Szene, etwa 650 sollen gewaltbereit sein. „Wenn Polizeiautos oder Nobelkarossen angezündet werden, finden das viele aus der Szene gut“, sagte Beuth. Geplant sei bei der „Welcome to hell“-Demo aber nicht, „dass wir nach 50 Metern eine Straßenschlacht mit der Polizei anzetteln“. Beuths Mitstreiter Andreas Blechschmidt sagte aber auch: „Uns im Vorfeld von Gewalt zu distanzieren, bedeutet für uns, in die ideologische Falle der Gegenseite zu laufen.“ Die Polizei rechnet am Donnerstag mit „erheblichen Gewaltausbrüchen“.

          „Ihr wundert euch wirklich, warum es brennt?“

          Trotzdem sind die Autonomen Teil des Bündnisses „NoG20“, in dem auch die Grüne Jugend, die Linkspartei und Gewerkschaften aktiv sind. Das Programm dieser Gipfelgegner beginnt am Mittwoch mit einem „Gegengipfel“. Mitglieder von mehr als 50 Initiativen und Organisationen bieten in den zwei Tagen vor dem offiziellen Gipfel Podiumsdiskussionen und Workshops an. Es soll um Friedenspolitik, Globalisierung und Alternativen zu G 20 gehen. Treffpunkt ist das Kampnagel, eine ehemaligen Maschinenfabrik in Hamburg-Winterhude, die mittlerweile als Veranstaltungsort für zeitgenössische darstellende Kunst genutzt wird.

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