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Foto in der „Vogue“ : Theresa May in undurchdringlicher Aura

Theresa May in der „Vogue“: Die Beine abgeschnitten, die Kleidung nicht mehr ganz so teuer wie zuletzt Bild: Annie Leibovitz/Vogue

Großbritanniens Regierungschefin hat sich für die amerikanische Ausgabe der „Vogue“ fotografieren lassen. In England wird gerätselt: An wen ist das Foto gerichtet – Trump oder die Mittelklasse?

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          Londoner Zeitungen druckten am Dienstag ein ungewöhnliches Foto der britischen Premierministerin: aufgenommen und inszeniert von der Star-Fotografin Annie Leibovitz. Es zeigt Theresa May auf einem Sofa in Chequers, der ländlichen Dependance von 10 Downing Street, und arbeitet die Aura des Undurchdringlichen heraus. Bewusst verzichtet die Aufnahme auf das, was gemeinhin als Mays hervorstechendstes Erkennungsmerkmal gilt: ihre expressiven Schuhe. Das Bild endet an den Waden.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Das Foto erscheint in der April-Ausgabe der amerikanischen „Vogue“. Für deren Chefin Anna Wintour, die persönlich die Begegnung zwischen May und Leibovitz arrangiert haben soll, ist es ein Coup. Was aber ist es für May? Versucht sie, wie die „Daily Mail“ vermutet, den Respekt Donald Trumps zu gewinnen und zugleich ihre Bekanntheit in Amerika zu steigern, jetzt, da die Austrittsgespräche mit der EU beginnen? Oder will sie ihrem Heimatpublikum beweisen, dass ein eleganter Auftritt nicht immer teuer sein muss?

          Im Herbst war sie in die Kritik geraten, nachdem sie sich für ein britisches Hochglanzmagazin in einer 1200 Euro teuren Lederhose hatte abbilden lassen. Für die amerikanische „Vogue“ trug sie nun ein Kleid für 260 Euro und einen dazu passenden Wollmantel für 520 Euro, beide von der britischen Highstreet-Marke LK Bennett – und beide aus der letzten Saison.

          Auch im begleitenden Interview baut May Brücken zur unteren Mittelschicht, als deren Schutzpatron sie sich oft präsentiert. Offenbar gibt es bei ihr zu Hause weder eine Haushaltshilfe noch einen Koch. Das besorgt ihr Mann Philip, der, wie sie verriet, „ein sehr gutes Pilzrisotto“ zubereite und sich danach um den Abwasch kümmere. Wem das zu sehr nach ultraliberalem Rollentausch klingt, der wird spätestens an der Stelle beruhigt, wo sie über den amerikanischen Präsidenten spricht. Auf die Frage, warum Trump ihre Hand ergriffen hat, als sie ein paar Stufen am Weißen Haus nahmen, antwortet May: „Ich glaube, er war einfach nur ein Gentleman.“

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