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Ende des Zweiten Weltkriegs : Alternative Fakten im Erzgebirge

Eine Bergstadt mit Herrschaftsanspruch: Schwarzenberg, südlich von Chemnitz gelegen, fühlte sich schon immer selbständig. Das imposante Schloss – damals Gefängnis, heute Museum – prägt das Stadtbild. Bild: SZB Kunstanstalt Franz Landgraf Zwickau

Der Mythos von der „Freien Republik“ Schwarzenberg wird auch nach 75 Jahren befeuert. Doch damals kaperten Kommunisten die Macht – und verhafteten willkürlich auch unschuldige Personen, deren Besitz sie beschlagnahmten.

          6 Min.

          „Der Krieg war aus, und keiner kam“, so beginnt die Erzählung, die Schwarzenberg im Westerzgebirge überregional bekannt machte. Als Anfang Mai 1945 amerikanische Truppen von Westen und sowjetische Verbände von Osten in die Mitte des Deutschen Reiches vorrückten, ließ die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht am 7. und 8. Mai die Armeen der Alliierten hier vorerst stoppen. So blieben der Landkreis Schwarzenberg sowie einige umliegende Gebiete zunächst unbesetzt – insgesamt 41 Städte und Gemeinden mit rund 500.000 Menschen. „Überall waren Flüchtlinge“, erinnert sich Siegfried Müller an die Tage im Frühsommer vor 75 Jahren. „Die Straßen waren Tag und Nacht voll mit ihnen, und alle haben auf die Amerikaner gehofft.“ Die aber ließen sich nur sporadisch blicken, fuhren Patrouille in dem unbesetzten Gebiet, entwaffneten versprengte Wehrmachtssoldaten, kassierten Fotoapparate und Ferngläser ein und fuhren wieder davon.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Müller war damals 15 Jahre alt. Noch zwei Monate zuvor hatte er die Einberufung erhalten, doch als er und andere Jugendliche am Treffpunkt auf dem Bahnhof in Aue ankamen, fuhr schon kein Zug mehr, jedenfalls nicht an die Front. „Da ist nichts mehr passiert“, erzählt er. „Wir mussten dann Panzersperren bauen, Waffen hatten wir keine.“ Nach der Kapitulation lief er nach Hundshübel zurück, sein Heimatdorf, westlich von Schwarzenberg gelegen, wo er auch heute lebt, inzwischen 90 Jahre alt. Auf seinem Tisch liegen Dokumente, Fotos und Erinnerungen. Er beschäftigt sich noch immer viel mit der damaligen Zeit, hält Vorträge in Schulen, erzählt aus seinem Leben, das in jungen Jahren eine unerwartete Wendung nahm – sie ist ein Grund dafür, dass Müller gar nicht einverstanden ist mit dem, was in Schwarzenberg heute aus der unbesetzten Zeit gemacht wird. „Mit der Legende von der Freien Republik kann ich nichts anfangen“, sagt er. „Die wollen Schwarzenberg heute im Licht der Freiheit erstrahlen lassen, dabei haben damals einfach die Kommunisten übernommen.“

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