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Jüdische Pilger in Uman : Der Krieg hält sie nicht auf

Zum Gebet: Gläubige versammeln sich am Sonntag nahe dem Grab Rabbi Nachman im ukrainischen Uman. Bild: EPA

Ungeachtet des Kriegs sind mehr als 20.000 jüdische Pilger in die ukrainische Stadt Uman gereist. Am Grab von Rabbi Nachman zelebrieren sie das Fest Rosch Haschana.

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          Ungeachtet von Warnungen sind Tausende ultraorthodoxe Juden in den vergangenen Tagen in die Ukraine gereist, um das Neujahrsfest am Grab eines wich­tigen chassidischen Rabbiners zu ver­bringen. Aus zahlreichen Ländern, vor allem Israel und den Vereinigten Staaten, kamen Pilger nach Uman. Nach dem Tod von Rabbi Nachman von Breslow im Jahr 1810 wurde die etwa 200 Kilometer südlich von Kiew gelegene Stadt zu einem Pilgerort für seine Anhänger.

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Denjenigen, die während Rosch Haschana an seinem Grab beten, soll Rabbi Nachman göttliche Fürsprache nach ihrem Tod versprochen haben. Das zweitägige Rosch-Haschana-Fest, das den Beginn des Jahres 5783 nach dem jüdischen Kalender markiert, begann am Sonntagabend und dauert noch bis Dienstag.

          Um nach Uman zu gelangen, nahmen die Pilger zum Teil erhebliche Umwege in Kauf. Während sie in früheren Jahren mit dem Flugzeug bis nach Kiew reisen und von dort per Taxi oder Bus weiterfahren konnten, mussten sie in diesem Jahr aufgrund des russischen Angriffskriegs und der Schließung des ukrainischen Luftraums auf dem Landweg aus Nachbar­ländern einreisen. Manche waren mehr als 24 Stunden unterwegs.

          Behörden hatten von der Reise abgeraten

          Wegen des Kriegs hatten sowohl die ukrainischen als auch die israelischen und amerikanischen Behörden dringend von einer Reise nach Uman abgeraten. Die ukrainische Regierung entschied Mitte September jedoch, die Grenzen für Pilger nicht zu schließen. Laut Angaben der jüdischen Gemeinde der Ukraine hielten sich am Sonntag mehr als 23.000 orthodoxe Juden in der zentralukrainischen Stadt auf. In früheren Jahren waren es weitaus mehr gewesen; so waren im vergangenen Jahr trotz der Corona-Pandemie mehr als 35.000 Juden gekommen.

          Auch in diesem Jahr waren die Straßen von Uman voller ultraorthodoxer Juden in traditionellen schwarz-weißen Gewändern. Am Sonntag versammelten sich zahlreiche Menschen um zwölf Uhr mittags um das Grab Rabbi Nachmans und sprachen Gebete, die er einst ausgesucht hatte. Vielerorts wurde gesungen und getanzt. Medienberichten zufolge ließen sich die Pilger nicht einmal von Sirenenalarm ­stören – manche sagten, sie seien das aus Israel gewohnt.

          Die ukrainische Regierung hatte Russland Mitte März vorgeworfen, Uman am ersten Tag des Angriffskriegs beschossen zu haben; Moskau wies das zurück. Es gab während des Krieges bislang ein Todes­opfer in der Stadt.

          Dennoch ist die Befürchtung groß, dass es eine Katastrophe geben könnte, sollte es während Rosch Haschana zu einem Angriff kommen. Manche der Pilger sagten aber, sie fühlten sich durch Rabbi Nachman beschützt. Er war ein Urenkel des Begründers des Chassidismus, einer mystischen Strömung des Judentums, die im 17. Jahrhundert entstand.

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