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Klimaschutz : Die Vernässung der Welt

Wenn es sich rechnen würde, sagt Mayer, gäbe er all seine Flächen an die Moorschützer. „Es ist grotesk, dass es sich eher lohnt, die Moore zu zerstören“, sagt Ulrich Mäck. Das Projekt mit den Büffeln ist auch deswegen eine gute Sache, weil die wenigsten Landwirte – selbst wenn sie entlohnt würden – sich einfach im Liegestuhl das Moor anschauen wollen, wie Mäck es ausdrückt. Indem sie in Nasskulturen anbauen wie Krauß oder die Flächen mit speziell angepassten Tieren bewirtschaften wie Mayer, können sie auch in einem feuchten Moor sinnvoll arbeiten.

Moore haben einen schlechten Ruf

Doch all diese Projekte sehen sich immer wieder großen Hürden gegenüber. Dass es keine Flächenprämien der EU für die Nasspflanzen gibt, ist eine Sache, eine andere die gesellschaftliche Stellung des Moors. Moore sind nicht gerade angesehen, sie gelten als „Ödland“ – schon der Begriff legt eine eindeutige Fährte. Das bedeutet für einen Bauern und Feuchtmoorbesitzer: Sein Boden ist fast nichts wert. Will der Landwirt zum Beispiel einen Kredit, wird die Bank die Moorflächen kaum als Sicherheit akzeptieren. Moorbauern fahren derzeit also besser, wenn sie ihren Boden trockenlegen, EU-Prämien abgreifen und offiziell wertvolle Flächen bewirtschaften. Wenn sie dem Klima schaden.

Ein Problem ist auch, dass zu wenige Menschen von der Bedeutung der Moore wissen. Es wird in der Klimadebatte viel über Landwirtschaft gesprochen. Es wird über Tierhaltung, Fleischerzeugung und Bienensterben diskutiert. Den Kampfspruch „Rettet die Moore“ hört man nicht. Obwohl sie einen so großen Anteil an den Emissionen der Landwirtschaft haben, werden sie irgendwie vergessen. Vielleicht, weil Moore auch oft im Verborgenen existieren. Moorexperte Hans Joosten sagt: „Normale Leute nennen das ,Maisacker‘ – das sieht der Laie nicht an der Oberfläche.“ Da die Flächen klein sind, glaubten außerdem viele, dass sie nicht so wichtig sein könnten.

Woran es fehlt

Doch auch wenn sich der Blick auf die Moore ändern würde: Ist es wirklich so einfach, sie zu vernässen? Ja und nein: Werden die Gräben verschlossen, staut sich von allein rasch wieder Feuchtigkeit im Boden. Aber die Landeswasserversorgung Baden-Württemberg entnimmt im Anstrombereich des Moors ein Drittel des Wassers als Trinkwasser, zum Beispiel für die Stadt Stuttgart. Das fehlt dem Moor. Bis 2035 hat sie noch das Wasserrecht. Die Moorschützer um Mäck kämpfen dafür, dass danach eine andere Lösung gefunden wird.

Ist genug Wasser da, um die Moore feucht zu halten, tritt ein weiteres Problem zutage: Die Pegel müssen exakt überwacht werden, denn überstauten Moorflächen entströmt Methan, und als Klimagas ist das 28-mal so schädlich wie Kohlendioxid. „Das wär wie den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben“, sagt Mäck. Werden die Wasserstände aber behutsam angehoben und mit Wehren auf dem perfekten Level gehalten, gleicht sich in der Klimarechnung auch ein kurzzeitiger Methan-Ausstoß wieder aus, denn das Gas zerfällt in der Atmosphäre wesentlich schneller als CO2.

Ulrich Mäck wird weiterkämpfen. Er wird mit Bauern verhandeln, Wasserstände ablesen, Bodenproben analysieren und manchmal Journalisten durch das Donaumoos führen, damit sie über seine Arbeit berichten. Damit die Moore besser dastehen. Denn ohne sie wird das nichts mit dem Kampf gegen die Erderwärmung.

Der Feldversuch bei dem Landwirt Jochen Krauß und die ARGE Schwäbisches Donaumoos beteiligt sind, ist Teil des Projektes MOORuse der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und wird gefördert mit EU-EFRE-Mitteln über das Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz.

Grundsätzlich gelten bisher Rohrglanzgras und andere Paludikulturen nicht als förderfähige Feldfrucht. Wie im Artikel beschrieben, entgehen Landwirten somit etwa 300 Euro Subvention je landwirtschaftlich genutztem Hektar. In einer früheren Version dieses Artikels war zu lesen, dass Jochen Krauß als Ausgleich lediglich Geld von den Moorschützern bekomme. Er erhält die Subventionen der EU jedoch, anders als im Artikel ursprünglich dargestellt, aufgrund einer in Bayern flexibleren Umgangsweise der örtlichen Landwirtschaftsämter, die die Kulturen fachlich korrekt als Grünland einordnen.  

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