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Klimaschutz : Die Vernässung der Welt

Die meisten Landwirte in der Region rund um das Donaumoos, die ihren Lebensunterhalt mit Feldfrüchten verdienen, wollen darum nicht ohne weiteres auf die konventionelle Nutzung ihres Bodens verzichten. Die Arge hat anhand von Befragungen herausgefunden, dass die Bauern ihr Land für 2000 Euro im Jahr je Hektar für die Wiedervernässung zur Verfügung stellen würden. Umgelegt auf alle landwirtschaftlich genutzten Moorflächen in Deutschland würde das mit drei Milliarden Euro zu Buche schlagen. Klingt teuer. Mäck sagt: „Ich finde, das ist okay – wenn wir mit nicht mal einem Prozent unseres Bundesjahreshaushalts so viel für das Klima tun können, sollten wir das machen.“ Er hält nichts davon, gegen die Bauern zu arbeiten. Wenn die Landwirte die Leistung „Klimaschutz“ bringen, sollten sie dafür auch entsprechend entlohnt werden, als „Klimawirt“, meint er.

Hans Joosten stellt noch eine ganz andere Rechnung auf: Weil Bauern derzeit auf Moorböden ackern – da die Arbeit subventioniert wird –, entstehen 27000 Euro Umweltschäden im Jahr, zum Beispiel durch Naturkatastrophen oder Kosten, die auf uns zukommen, wenn wir die Erderwärmung nicht in den Griff kriegen. Pro Hektar. Das Umweltbundesamt bestätigt diese Zahlen. Im Jahr entsteht ein Schaden von 7,4 Milliarden Euro durch Landwirtschaft auf Moorböden. „Wir zahlen für die Zerstörung des Klimas“, sagt Joosten.

Jede Menge Überzeugungsarbeit

Bisher gibt es aber kein Geld für Klimawirte, und im Donaumoos wird darum auf Moorböden Ackerbau betrieben. Die starke Lobby der Landwirte unkt außerdem, dass durch die Vernässung sieben Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche wegfielen. Doch Ulrich Mäck hält dagegen, dass zurzeit doch ohnehin 30 Prozent der Lebensmittel weggeworfen würden. „Wir brauchen die Flächen nicht unbedingt.“

Um gegen die trockenen Moore anzugehen, hat die Arge sich mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege zusammengetan und treibt im Projekt „Mokli“ Versuche wie den mit Krauß voran. Bislang sind das aber nur Modellversuche in fünf Projektregionen. Um das ganze Gebiet zu vernässen, müssten sehr viele Einzelpersonen überzeugt werden, denn die Eigentümerstruktur ist kleinteilig, die Gräben verlaufen kreuz und quer durch die Grundstücke. Und außerdem: „Ein einzelnes Grundstück ist ja keine Schüssel“, sagt Mäck. Das heißt, dass auch um das Moor herum die Wasserpegel steigen. Anwohnern und Bauern gefällt der Gedanke nicht. Sie fürchten sich vor Hochwasser.

Was sich mit Moor machen lässt

Wer richtig gut mit hohen Wasserständen klarkommt, ist Zweiundsechzig. Zweiundsechzig, Rufname „Schmusi“, ist schwarz, zottelig und trägt ein enormes Gehörn auf dem Kopf. Sie ist ein Wasserbüffel in der Herde von Christian Mayer. Elf Tiere gehören dazu, und sie weiden die Binsen und Moorgräser ab, Landschaftspfleger sozusagen. Wenn sie über ihre Koppel laufen, begleitet sie bei jedem Schritt ein „Squasch“, „Squasch“, „Squasch“. Der Boden wogt. „Die haben so breite Hufe, wie Schneeschuhe“, sagt Mayer. Darum sinken sie nicht so leicht ins Moor. Anders als Mayer – er ist auf derselben Koppel schon einmal fast verschwunden: „Auf einmal macht’s blubbs, und du bist weg.“ Er hatte aber einen Stock dabei, mit dem er sich hochstemmen konnte. Alter Moorbauern-Kniff.

Landwirt Christian Mayer mit „Schmusi“, einer Wasserbüffeldame.

Mayer hat 14 von seinen 89 Hektar wiedervernässt und lässt die Büffel darauf weiden. Auf den restlichen Flächen betreibt er konventionelle Landwirtschaft im Hauptberuf und baut Dinkel, Emmer, Mais, Soja und Sommergerste an. Das Fleisch der Büffel ist lediglich ein kleines Zubrot und rechnet sich nur, weil er Ausgleichszahlungen für sein Umweltengagement bekommt. Mozzarella stellt er nicht her: „Ich habe noch keinen gefunden, der sich traut, die zu melken.“ Die Büffel sind, Schmusi mal ausgenommen, ziemlich launisch.

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