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Klatsch und soziale Ordnung : Sie werden nicht glauben, was ich gehört habe

Klatsch ist nicht nur ein Ausgrenzungsmechanismus, er befriedigt auch das Zugehörigkeitsbedürfnis und festigt soziale Bindungen. Bild: Getty

Ein Phänomen, so alt wie die menschliche Sprache selbst: Über andere klatschen oder lästern. Dabei sind Klatsch und Tratsch nicht einfach schlechte Angewohnheiten, sondern dienen einem höheren Zweck.

          7 Min.

          Es war in der achten Klasse, dass Sarah, 27, eine geradezu traumatische Erfahrung machte. Sie hatte damals eine gute Freundin, zu der die Freundschaft irgendwie ein wenig gelitten hatte, weil die Freundin sich ihr zunehmend entzog, ohne dass Sarah gewusst hätte, warum. Beide Mädchen waren aber noch in derselben Klasse, und in der Umkleidekabine nach dem Sportunterricht sagte Sarah dann eines Tages beiläufig zu ihr: „Ich verstehe gar nicht, dass Nadine“ – eine gemeinsame Mitschülerin – „so gut im Reiten ist.“

          Katrin Hummel
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Diesen Satz aber erzählte die verlorene Freundin zu Hause ihrer Mutter weiter, die wiederum mit der Mutter jener Nadine befreundet war, und so landete er schließlich auch bei Nadine selbst. „Ich fand Nadine aber damals total nett“, sagt Sarah rückblickend, „und meine Bemerkung war gar nicht so hart gemeint gewesen, sondern hatte eigentlich eher den Zweck, meine Beziehung zu der verlorenen Freundin wieder ein bisschen zu festigen.“

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