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Eine Frau mit Kopftuch überquert mit ihrem Kind eine Straße in Berlin. Bild: dpa

Sprachbarrieren : Wenn Kinder für ihre Eltern dolmetschen müssen

  • -Aktualisiert am

Wenn sich Eltern und Behörden nicht verstehen, weil sie unterschiedliche Sprachen sprechen, springen oft die Kinder ein. Das verändert nicht nur deren Freizeitgestaltung, sondern kann den Nachwuchs auch psychisch belasten.

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          Normale Sechzehnjährige lästern in Schulpausen über ihre Lehrer, flirten auf dem Heimweg mit Jungen und treffen sich nachmittags mit Freundinnen, um in Einkaufszentren abzuhängen oder sich gegenseitig die Nägel zu lackieren. Belinda Bećirović jedoch begleitete in diesem Alter ihre Eltern, Nachbarn oder deren Bekannte nachmittags zu Terminen im Ausländeramt und anderen Behörden. Auf dem Schulhof beugte sich die Sechzehnjährige oft mit anderen bosnischen Mitschülern über amtliche Briefe, um das Behördendeutsch zu entschlüsseln. 1994 war das, die Familie war vor dem Bosnien-Krieg nach Deutschland geflohen, und ihre Eltern sprachen noch kein Deutsch. Heute sagt Bećirović: „Ich habe viel schöne Jugendzeit verloren.“

          Nach außen war sie stark. Innerlich habe sie gelitten: Wenn der Termin, bei dem sie dolmetschen sollte, nicht so lief, wie die Familie es sich erhofft hatte, dann habe sie gedacht: „Ich habe versagt.“ Und noch heute erzählt sie von unfreundlichen Beamten, die keinerlei Mitgefühl gezeigt und „brutale Dinge“ gesagt hätten, lustlos durch Unterlagen blätterten und mit Abschiebung drohten.

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