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In 100 Länder reisen : Bitte, wo geht’s nach Nordkorea?

Im eigenen Saft baden vor fremder Kulisse?

Dennoch, die Fotos auf seinem Blog zeigen auch: Reisende wie er suchen den Kick, das Besondere, das sich auf Instagram zeigen lässt, wie etwa die angeblich höchstgelegene Kneipe auf dem afrikanischen Kontinent, die Sani Mountain Lodge auf knapp 2900 Höhenmetern im Zwergstaat Lesotho. Und an solchen Orten treffen sie auf andere Ausländer, die es sich leisten können, herumzureisen. Die Gefahr, sich im eigenen kulturellen Saft vor fremder Kulisse zu baden, ist stets ein Reisebegleiter, wobei das Ryan entspannt sieht: Viele Freundschaften, die ihn mit anderen Reisenden verbindet, hielten oftmals länger und seien beständiger als solche, die man zuhause knüpft. Also, warum nicht?

Vor allem solche Freundschaften halten, die Ryan an ungewöhnlichen und irgendwie „feindlichen“ Orten geschlossen hat. Als amerikanischer Staatsbürger war er in einem Land wie Nordkorea unter besonderer Beobachtung, das schweißt mit anderen Amerikanern zusammen, die ebenfalls dort waren. Ryan besuchte Nordkorea mit „Young Pioneer Tours“, einer kleinen Reiseorganisation, die Trips in die entlegene Diktatur organisiert. Otto Warmbier, der amerikanische Student, der nach langer Haft in Nordkorea noch schnell nach Amerika ausgeflogen worden war und kurz danach dort starb, war ebenfalls mit der kleinen Reiseagentur im Land, das war nach Ryans Besuch.

Wie Warmbier schlief Ryan im „Yanggakdo“-Hotel in Pjöngjang, wie Warmbier erkundete Ryan den Hotelflur mit den Propagandaplakaten an der Wand, sogar derselbe Reiseleiter war dabei. „Mir hätte das genauso passieren können“, sagt Ryan. „Heute würde ich das nicht mehr machen, weil das nordkoreanische Regime offenbar jeden Anlass nutzt, um Druckmittel gegen Washington in die Hand zu bekommen.“ Amerikaner dürfen aber seit vergangenem Jahr ohnehin nicht mehr einreisen.

Tragisches Ende einer Reise: Der amerikanische Student Otto Warmbier starb nach langer nordkoreanischer Haft.

Warum ausgerechnet Nordkorea? „Ich will auf Reisen raus aus der Komfortzone“, sagt er, und wo kann er das besser als in einem Land, das in der offiziellen Propaganda Amerikaner zu blutrünstigen Massenmördern abstempelt? Im Falle Ryans ist das gutgegangen, Warmbier hat mit seinem Leben bezahlt. Bislang in der Härte zwar ein Einzelfall, aber sicher, dass er wieder unbeschadet rauskommt, war auch Ryan nicht. „Ich glaube, dass der Austausch mit den Leuten in solchen Ländern wichtig ist und die Dinge ändern kann“, sagt er. Wandel durch Annäherung.

Die berühmte Gastfreundschaft der Deutschen?

„Das ist genau das, was während des 'Arabischen Frühlings' passiert ist. Die Leute bekommen mehr Informationen und Ideen von außen und beginnen nachzudenken.“ Aber er verstehe die Kritiker, die sagten, die Devisen, die man als Reisender ins Land bringt, würden den Regimen helfen, ihre Ziele wie das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm zu verfolgen. Andererseits sei der Anteil der touristischen Einnahmen in diesem Land sehr gering und nicht ausschlaggebend.

Amerika bleibt für Ryan in Zukunft eher die Heimat der Kindheit, ihn treibt es in die Welt: Mitte 2018 plant er, nach Hanoi in Vietnam zu ziehen. Von dort aus lassen sich viele Länder bestens bereisen, die ihm noch fehlen: Taiwan, Philippinen, Brunei. Und nach Deutschland will er auch wiederkommen. Das Land, das in der Welt sicherlich für viele positive Dinge bekannt und berühmt ist, aber nur selten für eine große Gastfreundschaft im alltäglichen Umgang. Wer lädt hierzulande schon einen ausländischen Touristen direkt an den Abendbrottisch nach Hause ein? Obwohl, das könnte ein negatives Klischee über Deutschland sein, zumindest in den Augen Ryan Burnetts.

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