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Fastnacht in Franken : Markus Söder geht als Markus Söder

  • -Aktualisiert am

Markus Söder, seine Frau Karin (l) und Ilse Aigner bei der „Fastnacht in Franken“. Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Eine gerührte Barbara Stamm und Markus Söder ohne Verkleidung: Bei der „Fastnacht in Franken“ 2019 war einiges anders als sonst. Eine Überraschung hielt die Show dennoch bereit.

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          Schon zwei Wochen vor der legendären Fernsehsitzung „Fastnacht in Franken“ hatte Markus Söder, bis dato bekannt für seine vielsagenden Verkleidungen, verraten, er werde diesmal im „klassischen Kostüm“ des Ministerpräsidenten kommen, „Smoking und Fliege“ (und Schuhe; Anm. d. Red.). Dass die Entscheidung „am Ende 51 zu 49“ ausgegangen sei, war ein Hinweis darauf, wie intensiv man in der Staatskanzlei, der CSU-Zentrale und in allen bayerischen Ministerien, die derzeit nicht mit der Rettung der Bienen befasst sind, über die Frage beraten haben dürfte: „Soll er oder soll er nicht?“

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Zu den 51 Argumenten dagegen mochte gezählt haben, dass Söder schon im vergangenen Jahr als Prinzregent Luitpold kam, mithin als der Landesvater, der er ja nach wie vor sein will. Die Geschichte seiner Verkleidungen war also irgendwie auserzählt, zumal es allzu offensichtlich gewesen wäre, wenn er diesmal als Helmut Kohl oder Konrad Adenauer gekommen wäre. Anders gesagt: Die Kostüme, die immer auch ein Vehikel waren, um Söder weiter nach oben zu bringen, haben jetzt, da er dort im Wesentlichen angekommen ist, ihre Schuldigkeit getan.

          Im Übrigen könnte er auch ein Negativbeispiel vor Augen gehabt haben: Günther Beckstein kam 2008, als er Ministerpräsident war, im Gewand der Bavaria – der Ausgang ist bekannt. Dorothee Bär, Staatsministerin und stellvertretende CSU-Vorsitzende, sagte in Veitshöchheim vor Beginn der Show, sie sei der Auffassung, Söder habe sich richtig entschieden. Das habe auch ihre Schwiegermutter gesagt, und die liege bei derlei immer richtig.

          Die Kostüme der Politiker

          Aber würde sich Söder an seine Ankündigung halten? Oder sich vielleicht doch während der Sitzung, die diesmal in Bayern einen Marktanteil von knapp über 50Prozent erreichte, den Smoking vom Leib reißen, um dann den Rest des Abends zum Beispiel als gefährdete Art zu verbringen? Ein Mann, der für das Raumfahrtprogramm Bavaria One verantwortlich zeichnet, könnte durchaus auch auf eine solche Idee kommen.

          Bis zur Auflösung dieser Frage richtete sich die Aufmerksamkeit der Beobachter aber auf die Politiker, die Söder dereinst nachfolgen könnten. Wer brachte sich in Stellung? Womöglich Bär selbst? Dafür sprach, dass sie im selben Kostüm kam wie Ilse Aigner, besser gesagt: im gleichen, als Herzkönigin. Auch ihre Begründung ließ aufhorchen: „Die Zeit der Prinzessinnen ist vorbei.“

          Als Marilyn Monroe hatte sich Markus Söder 2013  zur „Fastnacht in Franken“ verkleidet – 2019 erschien er jedoch im Söder-Kostüm.

          Etwas unambitioniert wirkte dagegen Innenminister Joachim Herrmann – aber nur auf den ersten Blick. Denn als ein unkundiger Reporter ihn fragte, ob er wie immer als Cowboy gehe, stellte er sogleich richtig: als Sheriff, wobei seine Frau noch hinzusetzte: „schwarzer Sheriff“. Ihm gegenüber saß Finanzminister Albert Füracker, der ebenfalls zeigte, dass das Auftreten von Politikern in Veitshöchheim so bedeutungsschwanger ist wie sonst das ganze Jahr nicht.

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