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Hollywood-Herzschmerz : Goodbye, Brangelina

Faszination Brangelina: Was steckt hinter Anziehungskraft der einstigen Hyper-Paars? Bild: Helmut Fricke

Es ist die Promi-Trennung des Jahres, ach was, des Jahrzehnts: Angelina Jolie und Brad Pitt lassen sich scheiden, und die Welt ist in heller Aufregung. Wer trägt die Schuld? Und wieso hat dieses Paar uns so fasziniert? Das Protokoll einer Konferenz.

          6 Min.

          Als am Dienstag die Eilmeldung über den Ticker lief, dass Angelina Jolie und Brad Pitt sich trennen, hallte ein kollektiver Aufschrei durch die Redaktionen der Republik. Darin mischten sich Entsetzen, unverhohlene Schadenfreude und die Ahnung, dass die kommenden Wochen Festtage des Prominenten-Journalismus sein würden.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Ende von Brangelina die „Promi-Trennung des Jahres“ zu nennen, wie „Bild“ es tut, scheint sträflich untertrieben: Es ist mindestens die Trennung des Jahrzehnts. Die Agenturen überschlagen sich mit Neuigkeiten, Blätter wie „Bunte“ und „OK!“ drucken Sonderausgaben, und wie überall draußen im Lande reden sich auch die Journalisten die Köpfe heiß – auf den Fluren, in der Kaffeeküche und natürlich in den Konferenzen. Warum geht uns das so nahe? Was fasziniert uns so an diesem Paar, das seit neuestem keines mehr ist? Wer ist schuld an der Trennung?

          Diese ganz großen Fragen beschäftigen auch eine Redaktion, die derjenigen, die diesen Zeitungsteil erstellt, nicht völlig unähnlich ist. Zusammen sitzen vier Journalisten, die wir hier Ahrens, Bauer, Conrad und Dahl nennen möchten, zwei Frauen (Dahl und Bauer) und zwei Männer. Jungredakteurin Bauer verfolgt an ihrem Laptop den Nachrichtenticker.

          A: Gibt’s was Neues?

          B: Adele hat bei ihrem Konzert in New York die Trennung von Brangelina erwähnt. Es sei das Ende einer Ära, hat sie gesagt.

          C: Das ist aus dem „Postillon“, oder?

          B: Nee. „Spiegel online“.

          C: Ist doch dasselbe.

          D: Die Ären werden auch immer kürzer.

          B: Aber es ist doch klar, was sie damit meint. Wenn das berühmteste Paar der Welt sich trennt, dann bedeutet das ja etwas.

          A: Aber was? Was bedeutet die Trennung von Brangelina?

          C: Sie sind jetzt wieder Brange und Lina. Haha!

          (Stille)

          C: Brange-Lina, versteht ihr? Brange und Lina. Haha!

          (Keiner der anderen lacht.)

          Das Paar hat alles

          B: Also, mich berührt das Ganze schon. Ich meine, dieses Paar hatte alles: beide unglaublich gutaussehend, reich, erfolgreich, politisch und sozial engagiert, sechs Kinder... Ein bisschen war das wie im Märchen: Man durfte daran glauben, dass das gute Leben, die perfekte Daseinsform doch möglich ist.

          Prominentes Familienglück: Pitt und Jolie mit ihren Kindern Maddox und Zahara.

          D: Das war aber auch gerade das Nervige an den beiden: Sie waren zu perfekt. Mit diesen beiden konnte sich von uns Sterblichen niemand mehr identifizieren. Ihre Familie war doch wie ein Mini-Staat, mit all den Kindern, dem Personal, der ganzen Entourage. Wir normalen Frauen kommen schon mit zwei Kindern, einem Mann und einem Job an unsere Grenzen. Brangelina waren wie in einer anderen Dimension, wie Menschen von einem anderen Planeten.

          A: Sie aber mehr als er. Brad Pitt könnte ich mir als Kumpel schon gut vorstellen.

          C: Du kannst ihn ja mal anrufen. Der kann gute Kumpels gerade brauchen.

          A: Ich denke schon, dass sie bei alledem die treibende Kraft war. Sie hat die ganzen Kinder gesammelt, er hat alles nur abgenickt. Und am Ende ist er den ganzen Zirkus leid gewesen. Der gute Brad wollte abends einfach mal ein Bierchen trinken gehen.

          D: Mit dir. Ganz sicher.

          B: Hallo? Sie hat doch die Scheidung eingereicht, nicht er. Und was ist das überhaupt für ein Frauenbild? Sie hat völlig autonom beschlossen, den Kerl zu verlassen, weil sie nicht damit einverstanden war, wie er mit den Kindern umgeht. Sie ist nicht das arme, schwache Opfer, als das man sie gern hinstellt.

          C: Niemand würde in Angelina Jolie ein armes, schwaches Opfer sehen.

          B: Jedenfalls keiner, der sie als Lara Croft gesehen hat.

          D: Ich glaube, sie hat vielen Männern einfach Angst gemacht.

          C: Laut Sloterdijk weichen die Menschen heute der Beleidigung durch Außergewöhnlichkeit aus. Deshalb lieben die Leute Helene Fischer in ihrer durchschnittlichen Hübschheit – und fühlen sich von einer Angelina Jolie verunsichert.

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