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Stillen in der Öffentlichkeit : „Ich war isoliert“

Im öffentlichen Diskurs ist Stillen keineswegs etwas Selbstverständliches, dafür sind auch die Medien verantwortlich. Frauen, die etwa in Restaurants stillen, ernten immer noch schiefe Blicke. Bild: Prisma Bildagentur

Was die Stillfreundlichkeit angeht, ist Deutschland nur Mittelmaß. Gleich drei Bundesministerien wollen das jetzt ändern: Bisher nämlich ist Stillen im öffentlichen Diskurs keineswegs etwas Selbstverständliches.

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          Eine Fachkonferenz mit dem Titel „Wie stillfreundlich ist Deutschland?“, und die wohl jüngste Teilnehmerin ist an der Brust der Mutter eingeschlafen: Désirée Krause steht im Publikum und wiegt sich von einem Bein aufs andere. Ihre sieben Monate alte Tochter hat sie in einer Trage vor den Bauch gebunden. Solange sie sich nicht nach vorne beugt, ist ihre entblößte Brust nicht einmal zu sehen.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Heute ist die 31 Jahre alte Erzieherin so selbstbewusst, dass sie ihr zweites Kind auch in der U-Bahn stillt, wenn das Baby Hunger hat. Oder im Supermarkt, und zwar nicht im dafür vorgesehenen Stillraum, in dem sich immer auch der Wickeltisch befindet. Sie selbst würde zum Essen schließlich auch nicht auf die Toilette gehen, sagt Krause in einer Konferenzpause. Ursprünglich jedoch habe sie gar nicht unbedingt stillen wollen, „ich wusste nicht, ob ich überhaupt der Typ dafür bin“. Damit illustriert sie sehr anschaulich, warum es nötig ist, die Stillförderung in Deutschland endlich zur nationalen Aufgabe zu machen.

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