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Alba Berlin ohne Cheerleader : Andere entscheiden, was Frauen tun dürfen

Allein, das ist ihr Bier. Ihre Entscheidung. Ihr Körper, ihr Leben, ihr Sport, ihre Präsentation des Ganzen. Und wenn sie es vielleicht sogar schön finden, dass einige Männer (und Frauen) sie sexy finden, na und? Ist es Sache des Vereins, darüber zu richten?

Eine Tänzerin der „Alba Dancers“ beim Basketball Eurocup im März 2019

„Wir wollen zukünftig noch stärker fördern, dass Frauen im Basketball als Spielerinnen sichtbar und zu Vorbildern werden“, heißt es weiter in der Pressemitteilung von Alba Berlin – und das ist ein ehrenwertes Anliegen. Dass Tanzsport weiblich, Ballsport männlich konnotiert ist, ist selbstredend eine Sache, die man ändern könnte und sollte (hier schreibt übrigens eine Basketballspielerin). Also, Frauensport fördern: Ja, ja, ja! Gerne, danke, darauf einen cheer!

Die Frage ist nur, was die Cheerleaderinnen denn damit zu tun haben. Können sie etwas dafür, dass sich kein Schwein die spannenden Spiele der Frauenteams anschauen mag? Muss man hier eine Hierarchie zwischen zwei Sportarten aufmachen? Und können tolle Tänzerinnen etwa kein Vorbild sein? Die können auch selbstbestimmt sein, selbstbewusst und genau das tun, auf das sie gerade Lust haben – oder? Man kann sich lösen von der Vorstellung, dass Frauen nur sexy sein wollen, um Männer anzuheizen. Vielleicht sollten die Cheerleaderinnen demnächst nur noch bei Frauenspielen auftreten. Das könnte den Basketballspielerinnen sogar ein größeres Publikum bescheren. Die Sportarten stünden gleichberechtigt nebeneinander – mit gleichberechtigt geringer Zuschauerzahl, leider.

Emanzipation sieht anders aus

Dass die Tänzerinnen leicht bekleidet sind, so leicht, dass es wohl um mehr geht als die reine Gymnastiktauglichkeit des Outfits, ist unbestritten. Doch: Es ist die Entscheidung der Sportlerinnen, wie sie aussehen und tanzen und ob sie dabei einem – auch das kann man feststellen – recht heteronormativen und durch den meist männlichen Blick sexualisierten Bild von Weiblichkeit entsprechen wollen. Niemandem, vor allem keiner Sportlerin, ist geholfen, wenn Männer oder Vereine oder die Gesellschaft jetzt wieder Frauen vorschreiben, was sie zu tragen, wie sie sich zu geben haben. Und die hochprofessionellen Tänzerinnen ganz auszuschließen, diskreditiert höchstens deren sportliche Leistung. Emanzipation sieht anders aus. Und Gleichberechtigung sowieso.

Zurück zum Ausgangspunkt der Geschichte: Wie Trainerin Stix mitteilte, hat sich das Alba-Cheerleader-Team schon aufgelöst. Während jüngere Tänzerinnen in andere Teams gingen, würden sich die älteren einen neuen Sport suchen.

Für die Tänzerinnen, die lange und erfolgreich zusammen tanzten, ist das Ende wohl ein trauriges. Eine von ihnen, Annie, postete auf ihrem Instagramkanal eine Videomontage mit den Endszenen ikonographischer Serien wie „Friends“ und „Die Nanny“, unterlegt mit dem inneren Monolog eines jungen Arztes, der zum Abschluss von „Scrubs“ noch einmal durch die Klinik geht. Annie hat sich selbst hineingeschnitten in diese Szenenfolge, wie sie ein letztes Mal auf den Sitzen der Mercedes-Benz-Arena sitzt und mit einem Pompom in der Hand noch einmal durch die Halle geht. Das Licht ausmacht.

Johanna Dürrholz

Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

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