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Warten auf den Weltuntergang? : Familie lebte jahrelang isoliert im Keller

Mit dem Gemüsebeet und Tieren versorgte die Familie sich womöglich selbst. Bild: dpa

Ermittler haben auf einem abgelegenen Bauernhof in den Niederlanden eine Familie entdeckt, die fast ein Jahrzehnt isoliert im Keller gelebt haben soll. Angeblich wollte der Vater dort mit seinen Kindern den Weltuntergang abwarten.

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          In den Niederlanden sorgt eine mysteriöse Entdeckung in einem abgelegenen Bauernhof für Betroffenheit, aber auch Rätselraten. Im Kellergeschoss des in der ostniederländischen Provinz Drenthe gelegenen und seit Jahren verlassen wirkenden Gehöfts stieß die Polizei auf einen Vater und seine sechs zwischen 16 und 25 Jahre alten Kinder. Sie sollen dort neun Jahre lang abgeschottet von der Außenwelt gelebt haben. Wie niederländische Medien am Dienstag berichteten, wurden Bewohner des nahegelegenen Orts Ruinerwold stutzig, als in den vergangenen Tagen mehrfach ein offenbar verwirrt erscheinender junger Mann auffiel. Die Zeitung „AD“ zitierte den Eigentümer einer Gastwirtschaft, Chris Westerbeek, mit den Worten: „Dieser Mann sah ungepflegt aus, hatte langes, verwildertes Haar. Er sagte, dass er Hilfe brauche und nie zur Schule gegangen sei.“

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Bei den Nachforschungen entdeckte die Polizei in dem scheinbar verlassenen und von hohen Zäunen umgebenen Bauernhof hinter einem Schrank eine Treppe, die in den Keller führte. Dort fanden sie den auf einem Bett liegenden Vater, umgeben von mehreren Kindern. Zu Berichten, dass die Bewohner einer Sekte angehörten und dort „des Endes aller Zeiten“ harrten, wollten sich die Behörden am Dienstag ebenso wenig äußern wie zu Hinweisen, wonach die Mutter der Kinder vor Jahren verstorben sei. Ein 58 Jahre alter Mann, offenbar der Mieter des Bauernhofs, soll festgenommen worden sein. Nach Angaben niederländischer Medien soll er täglich mit einem großen Fahrzeug an dem Gebäude vorgefahren und bei Dunkelheit wieder verschwunden sein. Die sieben Bewohner des Bauernhofes sollen inzwischen an einem ungenannten Ort in Sicherheit gebracht worden sein.

          Johan van Dijk, der unweit des Bauernhofes wohnt, sagte nach einem Bericht des Onlineausgabe von „Het Hart van Nederland“ am Dienstag: „Ich hatte seit zehn Jahren das Gefühl, dass da etwas nicht stimmte“. Aber er habe sich nicht auf das Gelände gewagt, auf dem viele Kameras gehangen hätten und außerdem ein großer Hund gelebt habe. Van Dijk berichtete auch, dass ein örtlicher Polizist nachgefragt habe, ob ihm Ungereimtheiten aufgefallen seien. „Aber ich konnte ihm nicht helfen“, sagte van Dijk.

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