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Waris Dirie im Sommer 2018 in Frankfurt Bild: Frank Röth

Waris Dirie im Porträt : Kampf gegen die Dämonen

Vor 20 Jahren erschien ihr Buch „Wüstenblume“. Seither reist Waris Dirie für Vorträge und Projekte um die Welt – und wirkt mal begeisternd, mal irritierend.

          Sie will jetzt unbedingt ein Lachssandwich essen. Es gibt aber keines in dem Büroturm in Frankfurt, in den sie für einen Vortrag gekommen ist. Und eigentlich sollte ja auch das Interview mit der Journalistin losgehen. Es wird nervös getuschelt, dann zieht ein Tross los: Waris Dirie, mit Hut und Sonnenbrille, ihr untersetzter Manager mit lockigem weißem Haarkranz, die beiden Start-up-Gründer, die Dirie eingeladen haben, und die Journalistin.

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Waris Dirie ist Mitte 50 und sieht aus wie Anfang 40. Sie hat schimmernde, glatte Haut und eine beeindruckend aufrechte Körperhaltung. Selbst in Jeans und Turnschuhen strahlt sie Glamour aus. Wenn sie lacht, lachen die Menschen um sie herum mit, wenn sie die Stirn runzelt, werden sie nervös. Und wenn sie ein Lachssandwich will, machen sie sich auf die Suche. Gefunden wird ein Restaurant am Frankfurter Opernplatz, das zumindest Nudeln mit Lachssauce anbietet.

          Vor 20 Jahren, 1998, erschien Diries Buch „Wüstenblume“. 2008, vor zehn Jahren, wurde es verfilmt. Das Buch verkaufte sich mehr als elf Millionen Mal, der Film zog allein in Deutschland mehr als eine Million Menschen in die Kinos. Davor war Waris Dirie erst Nomadenkind und Verstümmelungsopfer, dann Haushaltshilfe und Putzfrau, später Topmodel und Schauspielerin. Danach wurde sie UN-Sonderbotschafterin und Menschenrechtsaktivistin. Und vor allem die Frau, die auf der ganzen Welt für den Kampf gegen die grausame Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung steht, auf Englisch Female Genital Mutilation, kurz FGM.

          Interviewfragen will sie schriftlich

          Wie verändert es einen Menschen, immer und immer wieder, teils live im Fernsehen, über dieses Trauma zu sprechen? Von Menschen aus aller Welt gefragt zu werden, ob man „da unten“ überhaupt noch etwas spüre? Und von der eigenen Familie dafür angegriffen zu werden, die Traditionen zu verraten?

          Das herauszufinden ist gar nicht so leicht. Dirie will nicht mehr darüber sprechen. Die Interviewfragen will sie vorab haben, beantwortet sie dann über ihren Manager schriftlich und sehr knapp. Beim eigentlichen Interviewtermin hat sie keine Lust, noch mehr zu sagen. Die Frage nach aktuellen Projekten mit ihrer Stiftung unterbricht sie mit einem Redeschwall: „Du siehst mein Herz, meine Seele und meine Leidenschaft, Darling. Ich kann es nicht ertragen, wenn irgendjemand auf diesem Planeten verletzt wird, vor allem nicht, wenn es sich um Kinder handelt oder Frauen. Ich verstehe nicht, warum die Menschen nur abwarten, die Welt nur wartet. Worauf wartet sie? Ich verstehe es nicht, und es liegt nicht an mir, diese Probleme allein zu lösen.“ Bis ihr Essen kommt, hat sie sich so in Rage geredet über die Übel der Welt, dass sie es am Ende kaum anrührt.

          Andererseits ist es leicht herauszufinden, was in Waris Dirie vorgeht. Man kann es in ihren Büchern nachlesen. Dort steht, dass ihr das viele öffentliche Reden zwar geholfen, sie aber auch retraumatisiert hat. Sie schildert darin, wie entwurzelt und heimatlos sie sich oft gefühlt habe, wie wenig das Modeln sie erfüllte und wie sehr sie bis heute unter der Verstümmelung leidet. Sie habe jeden Tag Schmerzen, schreibt Dirie in „Brief an meine Mutter“, während ihrer Periode so sehr, dass sie es nicht mehr aus dem Bett schaffe. „Es ist, als ob dir jemand ein Messer in den Bauch rammen würde.“

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