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Wahlkampf in Südkorea : Politiker verspricht kostenlose Behandlungen gegen Haarausfall

Hat selbst volles Haar: Lee Jae-myung kandidiert in Südkorea für das Amt des Präsidenten. Bild: Reuters

Im März wählt Südkorea einen neuen Präsidenten. Der Kandidat der Demokratischen Partei fällt mit skurrilen Wahlversprechen auf: Lee Jae-myung will Menschen mit Geheimratsecken helfen.

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          In Südkorea geht ein Präsidentschaftskandidat auf eine von der Politik bislang übergangene Wählergruppe zu: Menschen mit Geheimratsecken. Lee Jae-myung tritt bei der Wahl am 9. März als Kandidat der derzeit regierenden Demokratischen Partei an. Im Wahlkampf versprach er nun, dass – sollte er gewählt werden – die Kosten für Behandlungen von Haarausfall künftig von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen würden.

          Anna Schiller
          Volontärin.

          „Die Leistungen der Kranken­versicherung werde ich auf die Behandlung von Haarausfall ausweiten“, teilte er auf Facebook mit. Außerdem werde er prüfen, ob auch Haartransplantationen erstattungsfähig werden könnten. Auf Facebook erläuterte Lee auch die Gründe für seine Initiative. „Betroffene leiden unter Angstzuständen, sozialer Pho­bie und haben Probleme, Beziehungen einzugehen“, schrieb er.

          Weil Personen mit Geheimratsecken diskriminiert würden und in ihrer Lebensqualität ein­geschränkt seien, könne man Haarausfall nicht als persönliches Problem abtun. Mehr als die Hälfte der Betroffenen sei jünger als 30; Männer und Frauen litten gleichermaßen an Haarausfall – es sei ein gesamtgesellschaftliches Problem.

          Vorstoß kommt im Netz gut an

          In den sozialen Medien kursiert auch ein Wahlwerbefilm, in dem Lee sich an die Zuschauer wendet. „Sie haben sich also für Lee entschieden? Dann pflanzen sie ihn sich doch ein“, sagt er in Anspielung auf Haartransplantationen. Dabei fährt er sich durch sein dichtes schwarzes Haar. Am Ende erscheint ein Link zu seinem Kanal im südkoreanischen Kurznachrichtendienst Kakao Talk. „Erfahren Sie hier mehr zum ‚Haarausfall-Versprechen‘“, steht darüber.

          Im Netz wurde Lees Vorstoß positiv aufgenommen. „Nach diesem Clip werde ich ihn verpflanzen – und zwar nach Cheongwadae“, kommentierte ein Nutzer auf Youtube den Wahlwerbefilm. Cheongwadae, auch Blaues Haus ge­nannt, ist der Amtssitz des südkoreanischen Präsidenten.

          In den Wahlprognosen erlitt Lee zuletzt dennoch leichte Verluste. Derzeit liegt er etwa auf gleicher Höhe wie der Kandidat der größten Oppositionspartei. Angesprochen auf Lees Vorstoß äußerte sich Kang Do-tae, Vorstandsvorsitzender der staat­lichen Krankenversicherung, ebenfalls zu­rückhaltend: „Die Arbeitsabläufe der Versicherung unterliegen festen Kriterien, die es einzuhalten gilt. Die Leistungen müssen sich an gesamtgesellschaft­lichen Bedürfnissen orientieren.“

          Neue Zähne für alle ab 60 Jahren

          Über die staatliche Krankenversicherung sind fast alle Bürger Südkoreas ver­sichert. Sie kommt für alltägliche Behandlungen und Medikamente auf, Kranke müssen in der Regel nur wenig selbst ­zah­len. Die Tageszeitung „Kukmin Ilbo“ be­richtete, am Tag nach Lees Versprechen seien die Kurse mehrerer Kosmetik­hersteller an der koreanischen Börse teilweise um fast 30 Prozent gestiegen. Dabei handelte es sich um Unternehmen, die in Korea besonders für ihre Produkte gegen Haarausfall bekannt sind.

          Am Mittwoch legte Lee mit einem weiteren Wahlversprechen nach: Auf Facebook gab er bekannt, dass er das Alter senken möchte, von dem an Zahn­implantate von der staatlichen Krankenkasse übernommen werden. Sollte er gewählt werden, werde die Versicherung allen im Alter von 60 Jahren an ihre ­neuen Zähne zahlen. Bislang werden die Behandlungskosten erst von 65 Jahren an erstattet.

          Nach der Selbsteinschätzung des Kandidaten können die Wähler im Fall seines Siegs optimistisch sein, dass sich ihr Traum von neuen Zähnen und vollem Haar erfüllt. Über die sozialen Medien ver­breitete Lee die Bilanz seiner Zeit als Gouverneur von Gyeonggi-do, Südkoreas bevölkerungsreichster Provinz: In seiner Amtszeit habe er 349 seiner 363 Versprechen erfüllt.

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