https://www.faz.net/-gum-81zs4

Waffen für Frauen : Sturmgewehr in leuchtendem Pink

  • -Aktualisiert am

Eine Schießsportlerin trainiert im Northampton Revolver Club Florence im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts. Bild: Polaris/laif

Junggesellinnenabschied am Schießstand, Stressabbau mit der Knarre: Jeder zweite Schütze in den Vereinigten Staaten ist mittlerweile eine Frau. Wie der Markt ein neues Bedürfnis hegt.

          4 Min.

          Es ist Liebe auf den ersten Blick. „Die will ich“, verlangt Hiroko. Während die Fünfundzwanzigjährige ihre Birkin Bag in freudiger Erwartung auf den Glastresen des Los Angeles Gun Club stellt, nimmt Francisco die Tavor TAR-21 von der Wand. „Ein israelisches Sturmgewehr mit Gasdrucklader, sehr beliebt“, sagt er. Hiroko scheint überzeugt. Mit ihrer Freundin Kumiko, die sich für eine Pistole des Typs Glock 19 entschieden hat, wiegt sie die drei Kilogramm schwere Waffe kurz in den Händen. „Sie ist nicht so schwer, wie sie aussieht“, lächelt Hiroko verlegen wie ein Kind, das sich gerade das größte Tortenstück ausgesucht hat. Nach einer kurzen Einweisung zu Sicherheit und Munition lässt Francisco die Hobbyschützinnen Zielscheiben auswählen und stellt ihnen ein Köfferchen für den Schießstand zusammen: orangefarbene Ohrstöpsel, Ohrschützer und Schutzbrille. „Den Lauf immer nach unten halten“, gibt Francisco den Amerikanerinnen mit auf den Weg zu einer der 15 verglasten Kabinen.

          Was die beiden nach Büroschluss in das triste Industriegebiet in der Innenstadt von Los Angeles treibt? „Ich muss mal wieder Dampf ablassen“, gesteht Hiroko. Die Immobilienmaklerin mit japanischen Wurzeln besucht an diesem Abend zum vierten Mal den Schießstand an der East 6th Street. „Das erste Mal war ich bei einem Junggesellinnenabschied hier. Jetzt komme ich, um Stress abzubauen.“ Auch ihre Freundin Kumiko sucht Zerstreuung. „Kino und Clubs wurden mit der Zeit langweilig. Eine echte Waffe in der Hand zu halten, gibt mir irgendwie einen Kick“, sagt die Mittzwanzigerin fast entschuldigend.

          Zahl der Schützinnen in zehn Jahren verdoppelt

          Schießstände sind in den Vereinigten Staaten längst keine Männerdomäne mehr. Auch Frauen greifen immer häufiger zur Waffe, um in Amerikas „gun ranges“ an Pistole oder Gewehr zu üben. Laut Branchenverband National Shooting Sports Foundation (NSSF) hat sich die Zahl amerikanischer Schützinnen in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Etwa sechs Millionen Frauen besuchen regelmäßig Schießstände oder gehen in freier Wildbahn auf die Jagd. Die Zahl weiblicher Kunden in den Waffengeschäften hat entsprechend zugenommen. Fast drei Viertel der Händler meldeten in den vergangenen zwei Jahren mehr Waffenverkäufe an Schützinnen als je zuvor. Besonders beliebt in deren Waffenschrank: halbautomatische Pistolen und Schrotflinten.

          „Der Markt für Frauen ist in der Branche zu einer eigenen Kraft geworden. Hersteller, Händler und Schießstände bemühen sich, Produkte und Dienstleistungen den Bedürfnissen der Kundinnen anzupassen“, sagt der NSSF-Forschungsdirektor Jim Curcuruto. Bei Junggesellinnenabschieden von New York bis Los Angeles erfreut sich das Sturmgewehr M16 in leuchtendem Pink inzwischen größter Beliebtheit. Auch Rosen und Comicfiguren auf dem Schaft sind nicht selten. Unternehmen wie Cobra Firearms bieten den geschätzt elf Millionen weiblichen Waffenträgern derweil Accessoires wie Handtaschen mit Einschüben für Revolver oder Pistole und Swarovski-Kristalle auf Knäufen. Die Internetseite „gungoddess.com“ verkauft dazu Extras wie das Halfter „Flashbang“, das sich in Sekunden an den Büstenhalter stecken lässt. „Nothing comes between a girl and her gun“, lobt Lisa Looper ihre Erfindung auf der Website der National Rifle Association (NRA), Amerikas einflussreicher Waffenlobby.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Müller? Boateng? Hummels? Bundestrainer Joachim Löw schraubt derzeit an seinen Formulierungen zum Thema.

          Rückkehrer für DFB-Team : Die Verrenkungen des Joachim Löw

          Um die Form von Müller, Boateng und Hummels muss man sich keine Sorgen machen. Es ist der Bundestrainer, der in Form kommen muss, wenn es in diesem Sommer bei der Fußball-EM etwas werden soll.
          Bundesinnenminister Horst Seehofer und Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang

          Kritik an Verfassungsschutz : Geschwätzige Geheimnisträger

          Bei dem Versuch, die AfD zu beobachten, handelt sich der Verfassungsschutz Kritik ein. Schon wieder sind Details nach außen gedrungen. Dabei steht der Dienst eigentlich für Verschwiegenheit. Was ist da los?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.