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Vorwurf der Vergewaltigung : Freispruch für Karl Dall

Freigesprochen: Karl Dall Bild: AP

Der Entertainer Karl Dall ist vom Vorwurf der Vergewaltigung einer Schweizer Journalistin freigesprochen – zu diesem Schluss kam das Gericht in Zürich am Dienstagabend.

          4 Min.

          Nach mehr als elf Stunden fällt der Richter sein Urteil: Er spricht den deutschen Entertainer Karl Dall vom Vorwurf der Vergewaltigung frei. Die Beweise reichten bei weitem nicht aus, um eine Verurteilung zu rechtfertigen. Überdies strotze die Darstellung der Klägerin, der Schweizer Journalistin Anja Maria S., vor Ungereimtheiten. Auf Kosten der Gerichtskasse erhält Dall eine Entschädigung von 58.000 Franken. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine Berufung möglich.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Vor dem Bezirksgericht Zürich musste sich der gebürtige Emdener gegen gravierende Vorwürfe zur Wehr setzen. Anja Maria S. hatte Dall beschuldigt, sie bei einem Treffen vor gut einem Jahr in Zürich vergewaltigt und anschließend zum Stillschweigen genötigt zu haben.

          Zunächst schien die Klägerin glaubhaft

          In der Verhandlung am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft der Klägerin zunächst Glauben geschenkt und für Dall zwei Jahre Haft auf Bewährung wegen Vergewaltigung und versuchter sexueller Nötigung gefordert – auch wenn ihr die Glaubwürdigkeit der Klägerin nicht besonders hoch erschien. Der Anwalt der Klägerin forderte zudem umgerechnet insgesamt rund 43.000 Euro Entschädigung und Schmerzensgeld. Karl Dalls Verteidiger erklärte hingegen, es könne nach Prüfung aller Aussagen und Indizien keinen Zweifel an der Unschuld des Angeklagten geben.

          Karl Dall, der die Anschuldigungen von Anfang an zurückgewiesen hat, hatte zuvor erstmals detailliert seine Sicht der Dinge geschildert. „Ich bin ein bekannter deutscher Show-Star“, hatte er sich am Dienstagmorgen als „selbständiger Unterhaltungskünstler“ vorgestellt. Dall, braunes Sakko, weißes Hemd, Wildlederschuhe, zeigte keinerlei Nervosität, als er um kurz nach acht an das Stehpult in Saal 34 des Bezirksgerichts trat. Sein Gesicht war fahl, und der graue Haarkranz wirkte noch etwas dünner, als man das aus dem Fernsehen in Erinnerung hat. Aber er sprach mit der festen Stimme eines Mannes, der es seit Jahrzehnten gewöhnt ist, auf der öffentlichen Bühne zu stehen.

          Um eben einen solchen Bühnenauftritt in der Schweiz war es gegangen, als Frau S. Karl Dall im August 2013 im Auftrag der Illustrierten „Glückspost“ am Telefon interviewt hatte. Aus diesem Gespräch hatte sich ein Mail-Verkehr entwickelt, der schnell ins Private gegangen war. „Es wurde schlüpfrig“, sagte Dall vor Gericht und behauptete, die Initiative dazu sei ausschließlich von der Journalistin ausgegangen. Er habe das jedoch als Kinderkram abgetan und die Konversation am Ende komplett gelöscht.

          „Geile Mails“

          Frau S. schilderte die Sache vor dem Zürcher Richter etwas anders: „Meine Mails gingen eher in die romantische Richtung, seine gingen ins Sexuelle.“ Auch sie hat die elektronische Post nach eigenem Bekunden gelöscht, nur eine Mail habe sie noch im Papierkorb gefunden. Darauf stand, so zitierte es der Richter Roger Weber, folgender Satz: „Als ich gestern oder heute früh Deine geilen Mails bekam, habe ich gewichst und dann gleich nochmal.“

          Am 5. September 2013 hatte Karl Dall einen Auftritt im Schweizer Fernsehen. Nach der Aufzeichnung der Sendung trafen sich Dall und Frau S. in der Bar des Hotels Renaissance Tower in Zürich. Anschließend gingen sie gemeinsam in Dalls Hotelzimmer, um seine Talkshow im Fernsehen anzuschauen. Danach fuhr Frau S. den Deutschen auf dessen Wunsch in ein Casino, wo er rund drei Stunden verbrachte. Schließlich landeten die beiden wieder in Dalls Hotelzimmer.

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