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Verleumdungsprozess : Depp bezeichnet Ex-Frau als „berechnend“ und „soziopathisch“

Johnny Depp vor dem High Court in London. Bild: AFP

Als „Ehefrauenschläger“ wurde Johnny Depp in der britischen „Sun“ bezeichnet, nun klagt der Schauspieler dagegen. Zum Prozessauftakt in London sieht er auch seine frühere Ehefrau Amber Heard wieder. Er macht ihr große Vorwürfe. Es geht um Gewalt und Fäkalien.

  • Aktualisiert am
          3 Min.

          Unter großem Medieninteresse hat am Dienstag in London der Verleumdungsprozess von Hollywoodstar Johnny Depp gegen die britische Zeitung „The Sun“ und ihren Verlag News Group Newspapers (NGN) begonnen. Der amerikanische Schauspieler hatte die Zeitung wegen eines Artikels aus dem Jahr 2018 verklagt, in dem es hieß, er habe seine ehemalige Frau Amber Heard misshandelt. Sowohl Depp als auch Heard nahmen am ersten Prozesstag teil. Es kamen bereits erste Details aus der Beziehung zur Sprache. Depp bezichtigt Heard der Lüge und sagte, die Schauspielerin habe ihn zu Unrecht als Monster dargestellt.

          Der Artikel der „Sun“, in dem Chefredakteur Dan Wootton Joanne K. Rowling dafür kritisiert, dass sie dem „Ehefrauen-Schläger“ (wife beater) Depp eine Rolle in der Filmreihe „Phantastische Tierwesen“ gegeben habe, bezieht sich auf eine Reihe von Heards Aussagen zu Depps gewalttätigem Verhalten. Der 57 Jahre alte „Fluch der Karibik“-Star wies diese vehement zurück. „Diese kranken Behauptungen sind total unwahr“, gab Depp in einer schriftlichen Zeugenaussage an. Er beschuldigte stattdessen seine 34-jährige frühere Frau, der „aggressive Teil“ in ihrer konfliktreichen Beziehung gewesen zu sein. Depp verklagte NGN und Wootton wegen Diffamierung; der Artikel habe seinem „persönlichen und beruflichen Ansehen“ schwer geschadet. In den Vereinigten Staaten hat er ein separates Verleumdungsverfahren gegen seine ehemalige Frau angestrengt.

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          In einer dem Gericht vorgelegten Zeugenaussage bestritt Depp, in seinem Leben jemals Heard oder irgendeine andere Frau geschlagen zu haben. Die Ablehnung jeglicher Gewalt gegenüber Frauen sei ein „starker und zentraler Teil“ seines Moralkodex, weil er selbst als junger Mensch Zeuge häuslicher Gewalt geworden sei.

          Depps Anwaltsteam hatte zuvor „Handgreiflichkeiten“ zwischen dem Paar eingeräumt, aber darauf bestanden, dass diese von Heard ausgegangen seien. Gelegentlich habe sich Depp gegen ihre Gewalttätigkeiten verteidigen müssen, erklärte Anwalt David Sherborne. Er betonte, Depp sei „kein Frauenschläger und war es auch nie“.

          Depp attestierte seiner früheren Frau sogar, „berechnend“, „soziopathisch“ und „eine Narzisstin“ zu sein. Das Fass zum Überlaufen gebracht habe ein Vorfall im Mai 2016. Er habe damals die Scheidung eingereicht, nachdem Heard oder eine ihrer Freundinnen „als Streich“ ins Ehebett defäkiert habe. Depp behauptete außerdem, dass Heard ihm 2015 eine Fingerkuppe abgetrennt habe, als sie eine Wodkaflasche auf ihn geworfen habe. Zu seiner Zeugenaussage fügte er ein Foto des blutigen Fingers bei. Heard habe ihn dazu wiederholt in einem Privatjet ins Gesicht geschlagen, sagte Depp. „Ich habe mir ein Kissen geschnappt und mich in der Toilette eingeschlossen, wo ich während des Fluges schlief.“

          Amber Heard (links) mit Anwältin und Schwester
          Amber Heard (links) mit Anwältin und Schwester : Bild: Reuters

          Bei Heards Vorwürfen handle es sich dagegen um „komplette Lügen“, sagte Depps Anwalt Sherborne. Er wies darauf hin, dass sein Mandant die Behauptungen bereits vor dem Erscheinen des „Sun“-Artikels öffentlich dementiert habe. Heard warf er vor, immer „extremere und schockierendere Lügen“ über Depp verbreitet zu haben. Dabei habe sie die zunehmende Verurteilung von Gewalt gegen Frauen für ihre eigenen Zwecke ausgenutzt. Heard wirft Depp 14 Fälle von Gewalt vor, unter anderem körperliche Angriffe über drei Tage hinweg, als er 2015 mit ihr in Australien gewesen sei und dort Alkohol getrunken und Drogen genommen habe.

          NGN-Anwältin Sasha Wass wies ebenfalls auf Depps langjährigen Drogenkonsum hin und zitierte Vorfälle aus seiner Vergangenheit wie etwa die Verwüstung eines New Yorker Hotelzimmers, die seinen Hang zu Jähzorn zeigen sollen. „Ich war verärgert, aber das bedeutet nicht, dass ich ein Problem mit Wut habe“, sagte Depp.

          Die beiden Schauspieler Depp und Heard hatten sich vor etwa neun Jahren bei den Dreharbeiten zu „The Rum Diary“ kennengelernt und trennten sich 2016 nach nur 15 Monaten Ehe. Danach trugen sie einen monatelangen Rosenkrieg aus. Nach einem von einer Schlammschlacht begleiteten Scheidungsverfahren einigten sich Depp und Heard schließlich 2017 außergerichtlich. Das Verfahren nun soll drei Wochen dauern. Die beiden waren getrennt zum Prozess in die britische Hauptstadt gekommen. Heard trug bei ihrer Ankunft im Gericht als Gesichtsmaske ein großes rotes Tuch. Sie wurde von Anwälten und ihrer Schwester begleitet. Depp kam im dunkelblauen Anzug. Er trug eine Sonnenbrille und ein dunkles Tuch.

          Im Prozess sollen per Video auch Depps frühere Partnerinnen Vanessa Paradis und Winona Ryder als Zeuginnen aussagen. Beide hatten Depp bereits gegen Heards Vorwürfe verteidigt. In schriftlichen Erklärungen für die Voranhörungen bezeichnete Paradis ihren langjährigen Freund als „freundlich“ und alles andere als gewalttätig. Nach Angaben von Richter Andrew Nicol sollen die Anhörungen vorwiegend öffentlich sein, ein kleinerer Teil werde jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

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