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Hessische Krimiserie : Sag zum Abschied leise Bäng

Bereit fürs Finale: Dietrich Faber hat mit „Sorge dich nicht, stirb!“ einen neuen Bröhmann-Krimi geschrieben. Bild: Michael Zargarinejad

Dietrich Faber schickt ein letztes Mal seinen Kommissar Bröhmann als Ermittler durch die hessische Provinz. Dessen Ermittlungen führen in ein Achtsamkeitsinstitut und wecken sogar beim Polizisten Optimierungsbedarf. Auch der Autor möchte sich weiter entwickeln.

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          Der Mann von fünfzig Jahren will es noch einmal wissen. Er will durchstarten, einen patenten Kerl darstellen, sich optimieren. Blöd nur, wenn das unmittelbare Umfeld – Familie, Freunde, Kollegen – solche Ambitionen nicht etwa freudig begrüßen, sondern eher stirnrunzelnd beobachten. Dabei will doch Kommissar Henning Bröhmann endlich der Polizist mit Leib und Seele sein, der er vorher nie war. Lange hatte er ja mit seiner Berufswahl gehadert und sogar für einige Zeit den Dienst quittiert, doch nun würde er sich reinhauen, auf dass dem Verbrechen im Vogelsberg und in der Wetterau die Knie schlotterten.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In der Idylle Mittelhessens hat Dietrich Faber auch den sechsten Fall seines Antihelden Henning Bröhmann angesiedelt, der einmal mehr mit einem Kapitalverbrechen zu tun hat. In „Sorge dich nicht, stirb!“ (Rowohlt Verlag) ermittelt er zu einem verdächtigen Todesfall in einem ganzheitlichen Coaching- und Achtsamkeitsinstitut und sieht, nicht zuletzt durch die Bekanntschaft mit einer aparten Institutsmitarbeiterin, plötzlich auch Optimierungsbedarf bei sich – Bäng. Wow. Freu. Schließlich steht ja sein 50. Geburtstag an, für den es auch noch eine große Party zu organisieren gibt.

          Sag niemals nie!

          Dieses Geburtstagsfest bietet noch einmal Gelegenheit, einen guten Teil des drolligen Figurentheaters aufmarschieren zu lassen, das sich Faber seit der Veröffentlichung seines Krimidebüts „Toter geht’s nicht“ im Jahr 2011 ausgedacht hat. Neben den zahlreichen Mitgliedern von Bröhmanns Familie sind dies auch eigenartige Polizistenkollegen und eine skurrile Bekanntenschar mit dem auf Hessisch singenden und fortwährend verdrehte Phrasen von sich gebenden Country-Barden Manni und dessen nicht minder sangesfreudiger Partnerin Hessi an der Spitze. Es ist gleichzeitig auch ein Abschiednehmen von diesen Charakteren, denn Faber hat sich entschieden, die Bröhmann-Reihe mit dem sechsten Fall und der Midlife-Crisis des Kommissars auslaufen zu lassen. „Man soll ja niemals nie sagen, doch meine ich, die Figur ist auserzählt“, sagt Faber im Gespräch mit dieser Zeitung. Lieber würde er sich einem neuen Buchprojekt widmen, weg vom Kriminalroman: „Ich habe große Lust, mich als Autor weiterzuentwickeln. Ich würde gern ein bisschen tiefer gehen, Sachen ausprobieren. Aber nicht krampfhaft“, sagt der in Gießen geborene und wohnende Autor, der als Kabarettist bekannt geworden ist und viel Jahre gemeinsam mit Martin Guth das Duo FaberhaftGuth bildete.

          Dem Kabarettisten in sich gewährt der 49 Jahre alte Schriftsteller auch im finalen Bröhmann-Fall wieder einigen Auslauf, sind die amüsanten Abzweige und prominenten Auftritte der Nebenfiguren doch ein wichtiger Bestandteil der Leseshows, die Faber anstelle herkömmlicher Lesungen zelebriert. Bei diesen Shows wechselt er immer wieder Rollen und Stimmen und erzählt so nicht nur die Handlung, sondern spielt und singt sie auch. Dabei kommt manchmal sogar eine kleine Band zum Einsatz, die sich „The Overhesse“ nennt und vor allem die Rolle von Publikumsliebling Manni untermalt. Der hat ja sogar sein eigenes Programm mittlerweile, das Faber auch weiterführen will, wenn Bröhmann vom nächsten Jahr an vielleicht sogar ganz in den Ruhestand verschwindet. Mit der Show zum neuen Buch wird Faber nämlich mindestens bis März nächsten Jahres auf Lesereise durch Hessen und Unterfranken sein. Außerdem gibt es ein Best-of-Programm, das noch einmal die schönsten Momente aus Bröhmanns Ermittlerdasein in einer großen Show zusammenfasst und vermutlich im Anschluss an die aktuelle Tour auf die Bühnen kommt. Dann ist auch Dietrich Faber 50 und bereit für neue Taten. Ideen für ein literarisches Projekt habe er schon, sagt er. Die wollen aber noch gewälzt und überlegt werden. Optimiert sozusagen. Bäng.

          Dietrich Faber ist mit der Show zu „Sorge dich nicht, stirb!“ in zahlreichen Städten der Region unterwegs, etwa in Friedrichsdorf (24. Oktober), Frankfurt (3. und 14. November), Dreieich (7. November), Bad Vilbel (13. November), Aschaffenburg (1. Dezember) und Friedberg (14. Dezember). Alle Termine unter www.dietrichfaber.de

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