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Kinder, jetzt wird’s ernst

Von ANKE SCHIPP
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06.08.2018 · Für rund 700.000 Sechsjährige steht am Ende der Ferien die Einschulung bevor. Was heißt das? Und kann man sich darauf vorbereiten?

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Alphabet. Das ABC ist der Anfang von allem. Aber keine Angst, die Lehrerin arbeitet ganz entspannt Buchstabe für Buchstabe ab. Als zweiter Schritt kommt die Verknüpfung der Buchstaben. Besondere Unterstützung brauchen Kinder nicht unbedingt. Meistens läuft es von allein. Und wenn, dann am besten spielerisch lernen:Buchstaben-Memory spielen, Buchstaben kneten, Buchstaben in den Sand malen.

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Brotbox. Die kennen die Kinder schon aus der Kita. In der Schule ist die große Pause erst nach der zweiten Stunde. Und es gibt keine Erzieher,die darauf achten, ob das Kind auch was isst oder statt dessen mit den neuen Freunden über den Schulhof rennt. Kommt die Brotbox nachmittags unberührt nach Hause, sollte man mit dem Kind in Ruhe darüber reden und ihm erklären, dass es besser lernt, wenn es etwas isst.
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Coaching. Manche Eltern werden zum Schulstart nervös: Wie viel Unterstützung braucht mein Kind? Muss ich die Buchstaben nachmittags noch mal durchgehen? Das Einmaleins vor dem Schlafengehen? Pädagogen sagen: nichts davon! Besser die Kinder erst mal machen und sich an die Schule gewöhnen lassen. Wenn sie dann doch Lust haben, mit Mama oder Papa beim Abendessen Schule zu spielen: bitte schön!

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Desillusion. Damit hat jedes Kind zu kämpfen. Erst freut es sich auf die Schule, den tollen Einhorn-Ranzen, die prall gefüllte Schultüte, das Klettergerüst auf dem Pausenhof. Aber am zweiten Tag beginnt das, wovon alle vorher schon geredet haben: der Ernst des Lebens. Stillsitzen, Zuhören, Hausaufgaben machen. Aber daran gewöhnen sich die meisten Kinder erstaunlicherweise schneller, als manch Erwachsener denkt.

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Eltern. Müssen leider draußen bleiben. Keine Tür- und Angel-Gespräche mehr wie im Kindergarten, bei denen man schnell mal die Erzieherin fragen kann, ob alles gut läuft. Ein neuer Abschnitt beginnt auch für die Eltern: Sie wissen nicht mehr so genau, was ihre Kinder den halben Tag lang machen. Und wenn man die Kinder fragt, wie es war, kommt meistens: Nix! Beruhigend immerhin: Solange die Lehrerin sich nicht meldet, läuft alles gut.

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Freunde. Am Anfang hat man sie noch nicht oder nur den einen Kumpel aus dem Kindergarten. Den braucht man, wenn man unsicher ist: In welchem Stock war noch mal der Klassenraum? Und wo geht's zum Klo? Was ergibt 5 plus 5? Irgendwann spricht man mit den anderen in der Klasse, macht Witze, teilt sein Frühstücksbrot, spielt Fangen in der Pause, und ehe man es sich versieht, ist die Welt doppelt so groß wie im Kindergarten. Und richtig spannend.

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Grammatik. Bis Kinder wissen, was ein Tu- oder Hauptwort ist, dauert es eine Weile. Erst recht, bis sie verstehen, warum manche Wörter mit Doppel-s und andere mit ß geschrieben werden. Und was soll das „h“ bei „fahren“? Warum kann man nicht „faren“ schreiben? Es dauert eine Zeitlang, bis ABC-Schützen die deutsche Sprache durchschauen, aber dazu haben sie ja auch vier Jahre Zeit.
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Hausaufgaben fallen in der ersten Klasse meistens noch minimal aus. Aber es ist besser, die Kinder früh an eine Arbeitszeit nach der Schule zu gewöhnen, denn die Aufgaben werden allmählich immer mehr. Die soll das Kind selbständig machen, aber es soll auch jederzeit fragen können, wenn es etwas nicht weiß. Eine grobe Kontrolle, ob sich Fehler einschleichen, ist nicht verkehrt.

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Intelligenz ist weniger entscheidend, als man denkt. Es sind vor allem jene Kinder in der Schule gut, die stillsitzen und zuhören können und eine gute Auffassungsgabe haben. Manchen Kindern fällt das leicht, anderen nicht. Andererseits: Diejenigen, denen in der Grundschule alles zufällt, haben es mitunter in der weiterführenden Schule schwer, weil sie zum ersten Mal lernen müssen - und das nicht gelernt haben.
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Jährlich werden rund 700.000 Kinder in Deutschland eingeschult. Im vergangenen Schuljahr waren es genau 725.100 Kinder, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen. Insgesamt ist die Zahl in den vergangenen Jahren stetig gestiegen.

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Klassenkameraden kann man sich nicht aussuchen. Warum sitzt man ausgerechnet neben dem Jungen, der einen ständig piesackt? Oder warum sagt das Mädchen mit den Zöpfen nie hallo? Selten ist es so, dass man alle in der Klasse toll findet. Aber einen Trost gibt es: Es sind so viele (zwischen 20 und 25 Kindern je nach Bundesland und Schulform), dass man so gut wie sicher welche findet, die man mag.
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Lehrer sind halt, wie sie sind: oft nett, manchmal doof, öfter unfähig. Kann man sich leider nicht aussuchen. Immerhin sind Grundschullehrer heute in den meisten Fällen liebevoll und wissen um die Nöte, die kleine Erstklässler haben. Unbedingt vermeiden sollte man vor Schulbeginn, Geschichten von unfähigen Lehrern aus der eigenen Schulzeit zu erzählen. Kinder glauben schnell, das sei immer so.

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Melden. Plötzlich darf man nicht mehr einfach so reinquatschen, wenn man was sagen will. Das ist die Hauptaufgabe der Lehrer in der Anfangszeit: dass Kinder lernen, sich zu melden. Manche haben das schon im Kindergarten oder in der Vorschule geübt. Es schadet aber auch nichts, wenn man als Eltern vorher noch mal darüber spricht, wie das in der Schule so funktioniert.
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Noten. Bisher hat die Erzieherin immer gesagt: „Toll hast du das gemalt!“ Auch wenn das Bild nur Kritzel-Kratzel war. Plötzlich gibt es Noten dafür, und das Kind muss erst mal lernen, dass es beurteilt und nicht nur gelobt wird. Damit sich der Leistungsdruck sanft entfaltet, gibt es am Ende der ersten Klasse aber nur schriftliche Beurteilungen.

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Orthographie. Kritiker sagen, dass Kinder heute nicht mehr richtig schreiben lernen. Der Grundschulverband verneint das. Das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen hat allerdings für den Bildungstrend 2016 die Rechtschreibung von Grundschülern getestet und herausgefunden, dass sich die Leistungen innerhalb von fünf Jahren deutlich verschlechtert haben (allerdings nicht in allen Bundesländern). Die Methode „Schreiben nach Hören„ scheint, wenn sie komplett umgesetzt wird, tatsächlich dazu beizutragen, dass Kinder mehr Fehler machen, weil sie die Wörter so schreiben dürfen, wie sie sich anhören. In den meisten Fällen wenden Lehrer aber die Mischform an, in der auch systematisch die Rechtschreibregeln gelehrt und die falsch geschriebenen Wörter korrigiert werden.

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Pausenhof. Das ist für Erstklässler ein Ort, der etwas unheimlich ist. Viel größer als der Außenbereich in der Kita. Manch einer kommt sich da in der ersten Zeit verloren vor. Ein Platz, der erobert werden will. Leider kann es tatsächlich auch mal sein, dass ältere Kinder oder Jungs aus der eigenen Klasse einen ärgern. Für diese Fälle sollte man dem Kind klarmachen, dass es bei den Lehrern Hilfe holen kann und im Notfall Mama oder Papa mit dem Lehrer spricht.

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Quatschen. Hat jedes Kind in der Kita gemacht, während es gebastelt hat. Leider geht das in der Schule nicht mehr. Man muss still sein, außer wenn man sich meldet. Da können 45 Minuten schon mal ganz schön lang sein. Nicht jeder Schüler gewöhnt sich allerdings daran; notorische Schwätzer gibt es noch in der Oberstufe.
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Ranzen. Kann ziemlich schwer sein. Die gepackte Schultasche darf nicht mehr als zehn Prozent des Körpergewichtes betragen, das sind zwei bis maximal vier Kilogramm inklusive Frühstück. In manchen Schulen können die Kinder Bücher im Klassenraum oder Spind lassen. Die Lehrerin fragen!

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Schultüte. Das Highlight am Tag der Einschulung. Neben Süßigkeiten sollte man auch nützliche Dinge wie Reflektoren für die Jacke, eine Armbanduhr oder Sticker mit dem Namen des Kindes hineintun. Tipp: Wenn man die Süßigkeiten in einen Spritzbeutel füllt, passt dieser perfekt in den unteren Teil der Schultüte. Die Spitze kann sonst abknicken.

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Trödeln. Kinder haben noch kein Zeitgefühl und gucken sich auf dem Schulweg ausgiebig Käfer oder andere Dinge an. Deshalb ist rechtzeitiges Wecken morgens besonders wichtig, und für den Schulweg sollte ein Zeitpuffer eingeplant werden. Schicken Sie die Kinder nicht auf den letzten Drücker aus dem Haus.

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Unterricht ist wie der Morgen- oder Stuhlkreis im Kindergarten, nur länger. So kann man den Kindern zumindest erklären, was auf sie zukommt. Wie er dann genau aussieht, hängt von der Schule und dem jeweiligen Lehrer ab: Frontalunterricht, offener Unterricht oder eine Mischform.
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Vertrauen sollte man dem Kind vermitteln. Und Zuversicht. Immerhin hat es ja schon zwei oder drei Jahre Kindergarten geschafft. Damit sollte man ihm Mut machen. Und wenn es beim Schulstart nicht so gut läuft, immer dran denken, dass das Kind auch an Herausforderungen wächst und sich nur so Resilienz entwickeln kann – die Widerstandskraft im Alltag. Deshalb nicht alle Steine aus dem Weg räumen und das Kind auch mal selbst Probleme lösen lassen.

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Weinen bleibt am ersten oder zweiten oder dritten Tag meistens nicht aus, schließlich ist alles ziemlich neu und fremd. Keine Bange, meistens regelt sich vieles von selbst. Wenn nicht, ist es ratsam, das Gespräch mit der Lehrerin oder dem Lehrer zu suchen.

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X-Faktor. Die unbekannte Größe am Tag der Einschulung. Wie ist der Lehrer? Wer ist noch in der Klasse? Kommt mein Kind mit den Anforderungen zurecht? Eltern sollten sich außerdem darauf einstellen, dass sie spätestens ab jetzt nicht alles beeinflussen können, was mit ihrem Kind passiert. Und längst nicht alles mitbekommen. Da gilt es, nicht hysterisch zu werden. Immer mal abends vorm Einschlafen fragen, was das Kind so beschäftigt. Und wenn was nicht so gut läuft, das Problem nicht kleinreden, aber behutsam Mut machen.

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Yoga. Ihr Kind weint jeden Morgen? Der Sitznachbar tritt ständig unter dem Tisch? Der Lehrer ist streng? Das Einmaleins ist ein einziges Rätsel? Im Hort will keiner mit ihm spielen? Da hilft es nur, sich zum Yogakurs anzumelden. Und das Kind gleich mit. Entspannung im Hier und Jetzt.

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Zahlen. Die zweite große Herausforderung in der ersten Klasse neben den Buchstaben. Meistens wissen Kinder schon zur Einschulung, was eins plus eins ist. Es gibt zudem zahlreiche Lernhefte für das erste Rechnen. Aber auch im Alltag kann man den Umgang mit Zahlen lernen. Wie viele Teller müssen gedeckt werden, wenn zwei Gäste dazukommen? Wie viele Tomaten passen auf einen Teller, und wie viele sind es, wenn man drei wegisst? Wie viele Treppenstufen sind es zu Omas Wohnung? Auch klassische Würfelspiele wie „Mensch ärgere dich nicht“ helfen beim Verständnis.

Quelle: F.A.S.

Veröffentlicht: 06.08.2018 10:12 Uhr