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Stasi-Spion : Geld gegen Verrat, das war der Deal

Spion im Streifenhemd: Peter Fischer, der Mann, der einmal Werner Stiller war. Bild: Franziska Gilli

Werner Stiller war Stasi-Spion und lief in den Westen über. Dort wurde er mit einer neuen Identität erfolgreicher Investmentbanker. Ein Leben wie ein Agenten-Thriller.

          Einmal KGB, immer KGB.“ Wenn er nach Wladimir Putin gefragt wird, macht Peter Fischer es ganz kurz. Und nach Wladimir Putin wird Peter Fischer in letzter Zeit immer mal wieder gefragt. Der macht den Leuten nämlich Angst, vor allem vielen Deutschen, die es sich nach dem Ende des Kalten Krieges schon so gemütlich gemacht hatten in der neuen Welt der globalen Harmonie. Doch dann kamen die Ukraine-Krise und die Krim-Annektion, und jetzt fürchten sich alle und sind froh, wenn sie jemanden wie Fischer fragen können. Einen, der weiß, wie jemand wie Putin tickt. Einen, der sich in der Welt der Geheimdienste auskennt. Einen, der selbst in dieser Welt gelebt – und ihr dann spektakulär den Rücken gekehrt hat. Was also ist vom russischen Präsidenten zu halten? Für Fischer ist die Sache klar: „Dem Mann ist nicht zu trauen.“

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Peter Fischer neigt nicht zu Untertreibungen, aber sein eigenes Leben nennt er „ein bisschen eigenartig“. Das ist eine gewaltige Untertreibung, denn tatsächlich ist das, was der 1947 in der Nähe von Merseburg im heutigen Sachsen-Anhalt geborene Mann in den vergangenen 45Jahren erlebt und durchlebt hat, der Stoff, aus dem Romane sind. Agenten-Thriller in seinem Fall.

          Fischer hat Schlagzeilen gemacht. Zum ersten Mal am 20. Januar 1979, als Karl-Heinz Köpcke in der „Tagesschau“ als Spitzenmeldung die Flucht eines ranghohen Mitarbeiters des Staatssicherheitsdienstes der DDR mit den Worten verkündete: „Der Spionageabwehr der Bundesrepublik Deutschland ist offenbar ein Schlag gegen den DDR-Geheimdienst gelungen.“ Ein Oberleutnant habe sich mit „seiner Braut und einem Kind“ nach West-Berlin abgesetzt. Durch seine Hinweise seien schon einige DDR-Agenten festgenommen worden.

          Dramatische Flucht in den Westen

          Zu diesem Zeitpunkt war Werner Stiller, wie Peter Fischer damals noch hieß, schon seit zwei Tagen im Westen. Die Meldung in der „Tagesschau“ war nur der öffentliche Teil einer Verunsicherungskampagne gegen die Stasi, die der Bundesnachrichtendienst (BND) nach der Flucht des Überläufers startete. Viel wichtiger waren für den westdeutschen Geheimdienst aber die Informationen über das Industriespionagenetz der Stasi, die der Mann aus dem Osten mitgebracht hatte.

          Stillers Flucht war dramatisch. Die Spionageabwehr der Stasi war dem Agentenführer, der Spitzel in die wichtigsten westdeutschen Kernforschungszentren und Industrieunternehmen eingeschleust hatte, auf die Spur gekommen. Der hatte gut ein Jahr zuvor Kontakt mit dem BND aufgenommen und die letzten Monate als Doppelspion brisante Informationen an den Klassenfeind geliefert.

          Als er merkte, dass er enttarnt war, flüchtete Stiller am späten Abend des 18. Januar 1979. In seinem Büro hebelte er den Aktenschrank der Abteilungsleitersekretärin auf, fand dort gültige Ausreisekarten und einen Sonderausweis zum Betreten des Grenzgebiets und passierte damit einen von der Stasi angelegten Geheimgang auf dem Berliner Bahnhof Friedrichstraße, in seiner Tasche ein ganzer Stapel Mikrofilme. Am Flughafen Tegel ging er auf die Polizeiwache und bat um Kontakt zum BND. Ein paar Tage später konnte er auch seine Freundin, eine Kellnerin im Interhotel „Panorama“ in Oberhof, über deren Bruder Stiller Kontakt zum westdeutschen Geheimdienst aufgenommen hatte, und deren Sohn über Warschau und Helsinki in den Westen bringen.

          Werner Stiller: Kein Überzeugungstäter

          In der Ost-Berliner Agenten-Zentrale tobte Stasi-Chef Erich Mielke. Mit Stiller war ein bis dahin absolut zuverlässiger Kader verlorengegangen, der im Sozialismus der DDR großgeworden war, nach dem Abitur Physik studiert hatte und noch während des Studiums als inoffizieller Mitarbeiter angeworben werden konnte. Wie konnte so ein Mann zum Verräter werden? Mielke ließ Stiller auf eine Todesliste setzen und schließlich in Abwesenheit auch zum Tode verurteilen. 17Stasi-Industriespione wurde innerhalb weniger Tage von den westdeutschen Behörden festgenommen, 15 weitere wurden von der Stasi Hals über Kopf in die DDR zurückbeordert.

          Wie er überhaupt zur Stasi kam, warum er 1970 begann, für den Geheimdienst zu arbeiten? Peter Fischer hat diese Frage schon oft gestellt bekommen. Aus Idealismus? Pragmatismus? Abenteuerlust? Ein bisschen von allem sei es gewesen, sagt er. Ein Überzeugungstäter sei er aber nicht gewesen. Zu schnell habe er das System durchschaut und die offensichtlichen Mängel gesehen. „Ich war zunächst überzeugter FDJler, aber dann habe ich den Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit bemerkt. Man wollte mich für dumm verkaufen – und das erlaube ich niemandem.“

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