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Mobbing an Schulen : Ist Völkerball „legalisiertes Mobbing“?

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Völkerball wird nicht nur von Schülern gespielt: Für „Dodgeball“, eine in Nordamerika beliebte Variante gibt es sogar eine Weltmeisterschaft. Bild: Picture-Alliance

Eine Befragung in Kanada ergab: Völkerball wird von einigen Schülern als „unterdrückend“ und „entmenschlichend“ wahrgenommen. Forscher fordern nun seine Abschaffung aus dem Sportunterricht.

          Für manche Schüler ist der Sportunterricht die lang ersehnte Erlösung nach dem ewigen Stillsitzen, für andere ein Albtraum. Der fängt schon bei der Wahl der Mannschaften an. Unruhig tappen die Kinder von einem Fuß auf den anderen, vergraben die Hände tief in den Taschen ihrer Jogginghosen und setzen alle Hoffnung darauf, bloß nicht als Letzter übrig zu bleiben. Laut einer kanadischen Studie ist das eigentlich Schlimme jedoch das, was nach der Wahl folgt: Völkerball werde von einigen Schülern als demütigend wahrgenommen.

          In der Studie kritisieren die kanadischen Forscher um Bildungswissenschaftlerin Joy Butler Völkerball als „Mittel der Unterdrückung“, das einige Schüler als „entmenschlichend“ wahrnehmen. Stärkere Schüler würden das Spiel nutzen, um schwächere Klassenkameraden zu demütigen und sei somit gleichzusetzen mit „legalisiertem Mobbing“. Sie fordern, Völkerball künftig aus dem Sportunterricht zu verbannen.

          Bei dem Spiel versuchen zwei Mannschaften jeweils von einer Seite die Spieler der gegnerischen Mannschaft mit einem Ball abzuwerfen. Wen der Ball trifft, scheidet aus dem Spiel aus. Das Problem beim Völkerball: Einige Schüler haben Angst vor dem Ball. Die lasse sich jedoch weitgehend umgehen, erklärt der Sportlehrer Daniel Kistmacher gegenüber der F.A.Z.: „Man nutzt zum Abwerfen ausschließlich Softbälle und passt die Regeln außerdem dem Alter an.“

          Warum ist das Spiel „entmenschlichend“?

          Dabei gibt es viele verschiedene Varianten des Völkerballs. Als Lehrer sei es entscheidend, das Spiel richtig anzuleiten: „Ich spiele mit meinen Schülern besonders gerne eine Variante, bei der es nicht allein darum geht, sich gegenseitig abzuwerfen“, erklärt Kistmacher. Ganz im Gegenteil: „Die Teammitglieder können sich bei dieser Variante gegenseitig schützen. Die schwächeren Spieler können sich so hinter den stärkeren verstecken – die Teamfähigkeit wird also gestärkt.“ Bildungswissenschaftlerin Joy Butler ist anderer Meinung: „Die Botschaft des Spiels ist, dass es okay ist, andere zu verletzen“, sagte die Forscherin der „Washington Post“.

          Auch in sozialen Medien sorgt die Studie für Diskussionen: Einige twittern, ein Verbot von Völkerball werde das Problem Mobbing an Schulen nicht lösen. Andere weisen darauf hin, dass es Demütigung von schwächeren Schülern nicht nur im Sportunterricht, sondern in allen Fächern gebe. Die meisten sind sich aber einig: Viel schlimmer sei es doch gewesen, bei der Wahl der Teams als Letzter genannt zu werden.

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