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„Vincent will meer“ : „Für diesen Film spring' ich über jedes Stöckchen“

  • -Aktualisiert am

Florian David Fitz versucht, jetzt nicht allzu sehr zu jubeln Bild: Julia Zimmermann

Florian David Fitz hat mit „Vincent will meer“ das Drehbuch für den bisher erfolgreichsten deutschen Film des Jahres geschrieben. Außerdem spielt er darin die Hauptrolle. Mach dich mal locker, könnte man jetzt sagen ...

          5 Min.

          Die vergangenen Wochen waren anstrengend für Florian David Fitz, aber er wollte es ja so, und es hat sich gelohnt. Jedenfalls bisher. „Ich versuche, jetzt nicht allzu sehr zu jubeln“, sagt der Fünfunddreißigjährige. „Denn ich denke immer: Wenn ich zu euphorisch bin, trifft mich der Blitz, und dann will plötzlich keiner mehr den Film sehen.“ Noch aber gibt es keine Anhaltspunkte für akute Kinoleere, im Gegenteil. „Vincent will meer“, das Roadmovie, für das er das Drehbuch schrieb und in dem er auch die Hauptrolle übernahm, katapultierte sich nach der Premiere in der vergangenen Woche auf Platz zwei der deutschen Kinocharts und musste sich nur dem Blockbuster „Kampf der Titanen“ geschlagen geben.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Damit ist es der bisher erfolgreichste deutsche Film des Jahres, was beachtlich ist, weil er nur mit 150 Kopien, vergleichsweise geringer Werbung und wenigen Rezensionen anlief. Umso mehr legte sich die Filmcrew ins Zeug und absolvierte in zehn Tagen siebzehn Premieren in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die intensive Promotion-Tour war neu für Fitz, die Umstände ebenso. Denn die Vulkanasche-Wolke machte dem geplanten Jet-Set einen Strich durch die Rechnung; Strecken wie Köln-Wien bewältigte das Team nachts im Auto, eingehüllt in Ikea-Decken. „Aber für diesen Film spring' ich über jedes Stöckchen“, sagt Fitz und schaut besorgt in den Himmel über Berlin. Der ist blau, 25 Grad bei schönster Sonne, und das treibt ihm Sorgenfalten auf die Stirn. „Dass bei dem Wetter überhaupt noch jemand ins Kino geht, ist schon ein Wunder.“

          Gelegentlich Obszönes brüllen

          Mach dich mal locker, könnte man jetzt sagen, und ist damit schon beim Film, in dem Fitz den jungen Vincent spielt, der am Tourette-Syndrom leidet: eine Krankheit, die ihn unvermittelt unkontrolliert zucken sowie gelegentlich Obszönes brüllen lässt. Nach dem Tod seiner Mutter wird er vom Vater, einem Lokalpolitiker (Heino Ferch), in eine Klinik abgeschoben. Dort trifft er auf die magersüchtige Marie (Karoline Herfurth) und den Zwangsneurotiker Alexander (Johannes Allmayer), mit denen er das Auto der betreuenden Ärztin knackt und ans Meer nach Italien fährt. Tourette-Syndrom, ausgerechnet bei der Hauptfigur und dann noch als Komödie!

          Denn wenn er zu euphorisch wird, will vielleicht keiner mehr den Film sehen
          Denn wenn er zu euphorisch wird, will vielleicht keiner mehr den Film sehen : Bild: APN

          „Genau das wollte ich“, sagt Fitz. Die Idee kam ihm nach einem Fernsehbericht über einen extremen Tourette-Fall. „Ich wollte erzählen, wie so jemand es schafft, trotz allem in Frieden mit sich selbst zu leben.“ Darüber zu lachen sei okay, aber Vincent sollte kein Sidekick sein, der für die Gags zuständig ist, sondern als Figur mit all ihren Nöten wahrgenommen werden, welche beim Zuschauen mitunter auch richtig weh tun. Denn Vincent kann, wie alle seine Leidensgefährten, fast alles - außer sich locker zu machen. Das ist es, was einen im Kinosessel gelegentlich verkrampfen und im nächsten Moment wieder befreit lachen lässt. Fitz hat Vincent und seine beiden Mitstreiter weder als Trottel noch als bemitleidenswerte Geschöpfe angelegt, und das verleiht dem Film den Charme, den ihm auch Betroffene nicht zugetraut hatten.

          Er selbst hat auch Tics

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