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Winter-Erstbesteigung : Aufbruch zum K2

  • -Aktualisiert am

Da war es Sommer: Eine Expedition steigt 29019 vom Gipfel des K2 ab Bild: dpa

Vier Expeditionen wollen den zweithöchsten Berg der Welt erstmals im Winter besteigen. Ein ehemaliger Elitesoldat sagt: „Wir glauben, dass derzeit kein Team besser aufgestellt ist, diese letzte große Herausforderung im Bergsteigen zu meistern.“

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          Die Corona-Pandemie hat auch das Höhenbergsteigen in eine Zwangspause versetzt – die Expedition um Scheich Nasser bin Hamad Al Khalifa, den viertgeborenen Sohn des Königs von Bahrein, im Oktober am Manaslu (8163 Meter) war die einzige erfolgreiche Achttausenderexpedition in den vergangenen zwölf Monaten. Nun aber laufen in Pakistan die letzten Vorbereitungen für die Wintersaison. Im Fokus der Bergsteiger steht in diesem Jahr der 8611 Meter hohe K2. Der zweithöchste Berg der Welt wurde zwar schon 1954 zum ersten Mal bestiegen, er ist jedoch der einzige Achttausender, dessen Gipfel im Winter noch nicht erreicht wurde.

          Am K2 liegen im Winter die Temperaturen selbst im Basislager auf fast 5000 Meter Höhe weit unter dem Gefrierpunkt; am Berg kämpfen Alpinisten mit Temperaturen von bis zu minus 60 Grad, Schnee und Eis und starken Stürmen. Expeditionen machten deshalb über Jahrzehnte im Winter einen Bogen um den K2. Bei den wenigen Versuchen kamen die Bergsteiger über 7650 Meter nicht hinaus.

          In diesem Winter wollen sich nun gleich vier Expeditionen mit insgesamt rund 60 Teilnehmern am K2 versuchen. Das sind etwa so viele Bergsteiger wie normalerweise im Sommer dort unterwegs sind. Spötter fragen deshalb schon, ob der K2, der den Beinamen „der Wilde“ trägt, in diesem Winter nicht besser „der Überlaufene“ genannt werden sollte. Für erfahrene Winterbergsteiger wie den Kasachen Denis Urubko oder den Italiener Simone Moro ist der K2 in diesem Jahr keine Option. Moro will vielmehr mit dem Basken Alex Txikon und dessen Freund Iñaki Alvarez seinen dritten Winterversuch am Manaslu unternehmen. Moro und Txikon standen im Winter 2016 schon gemeinsam auf dem Gipfel des Nanga Parbat (8125 Meter).

          „Letzte große Herausforderung im Bergsteigen“

          Am K2 dagegen scheint es das Jahr der Nepalesen zu werden. Erst vor wenigen Tagen hat Nirmal Purja angekündigt, an den K2 reisen zu wollen. Der 37 Jahre alte Nepalese gehörte einst einer Eliteeinheit der britischen Armee an, bevor er seinen Dienst quittierte und 2019 in der Rekordzeit von weniger als sieben Monaten sämtliche 14 Achttausender mit Sauerstoffmaske bestieg. Als im Sommer 2019 die meisten K2-Expeditionen abreisten, weil ihnen der Aufstieg zu gefährlich erschien, erreichte Purja mit seinen Begleitern den Gipfel. „Wir glauben, dass derzeit kein Team besser aufgestellt ist, diese letzte große Herausforderung im Bergsteigen zu meistern“, heißt es selbstbewusst auf Purjas Homepage.

          Erst vor wenigen Tagen hat Nirmal Purja angekündigt, an den K2 reisen zu wollen.
          Erst vor wenigen Tagen hat Nirmal Purja angekündigt, an den K2 reisen zu wollen. : Bild: AFP

          Offenbar ist er derzeit aber ebenso noch auf der Suche nach Sponsoren wie das dreiköpfige Team erfahrener nepalesischer Sherpas, das zur Finanzierung seiner K2-Expedition Mitte November eine Fundraisingkampagne im Internet gestartet hatte. Diese hat noch nicht einmal ein Zehntel der veranschlagten Summe eingebracht. Dagegen steht einer kommerziellen Expedition mit derzeit 24 zahlenden Kunden aus der ganzen Welt, die von 21Sherpas begleitet werden, nichts mehr im Weg. Laut dem nepalesischen Veranstalter können daran noch Kurzentschlossene teilnehmen.

          Fragen wirft dagegen der Isländer John Snorri Sigurjónsson auf, der im vergangenen Winter schon am K2 unterwegs war. Unter Bergsteigern besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass eine Winterbesteigung nur dann als solche gewertet wird, wenn die Expedition nicht vor dem 21.Dezember zum Basislager aufgebrochen ist. Dass John Snorri Sigurjónsson schon am 1.Dezember vom Dorf Askole aus aufgebrochen ist, könnte darauf hindeuten, dass er seiner Unternehmung keine allzu großen Erfolgschancen beimisst. Unterwegs ist er mit Ali Sadpara, einem der erfahrensten pakistanischen Höhenbergsteiger, der 2016 zur Gruppe der Wintererstbesteiger des Nanga Parbat gehörte. Sigurjónsson nennt Ali Sadpara seinen „Hochträger“, was viele als Überheblichkeit werteten und dem Isländer Kritik in der Bergsteiger-Community eingebracht hat.

          Unweit vom K2 wird nach Berichten am 8051 Meter hohen Broad Peak ebenfalls eine Expedition unterwegs sein. Alex Goldfarb, ein Amerikaner mit russischen Wurzeln, und der Ungar Zoltan Szlanko wollen demnach versuchen, vom Gipfel des Broad Peak, der 2013 erstmals im Winter bestiegen wurde, mit Ski abzufahren.

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