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Krisen-PR nach Pass-Posse : Vertraut Boris Becker den falschen Leuten?

Diese Foto mit dem Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik veröffentlichte Beckers Anwalt. Bild: AFP

Geldprobleme und ein womöglich gefälschter Diplomatenpass: Was ist eigentlich bei Boris Becker los? Die Spur führt zu zwei Bekannten Beckers mit zweifelhaftem Ruf.

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          Alles begann mit einem Tweet von Boris Becker am 27. April: „Diplomatische Ehre für mich!“, schrieb der ehemalige Tennisstar auf Englisch. „Ich wurden zum Attaché der Zentralafrikanischen Republik für Sport, humanitäre und kulturelle Fragen in der Europäischen Union erklärt.“ Zuerst elektrisierte diese Nachricht kaum jemanden. Das änderte sich, als Beckers Anwalt Ende vergangener Woche sagte, sein Mandant mache im Zuge seines Insolvenzverfahrens in Großbritannien diplomatische Immunität geltend – und berufe sich dabei auf seine Funktion als Sport-Sonderattaché für die Zentralafrikanische Republik. Und spätestens, seit der Außenminister der Zentralafrikanischen Republik Beckers Diplomatenpass am Dienstag als „Fälschung“ bezeichnete, könnte die Geschichte Stoff für eine Tragikomödie sein.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Der dreimalige Wimbledonsieger war im Juni 2017 von einem Konkursgericht in London wegen unbeglichener Schulden für zahlungsunfähig erklärt worden. Eigentlich hätte das Verfahren diese Woche auslaufen sollen. Doch Insolvenzverwalter Mark Ford hat einen Antrag auf Verlängerung gestellt. Er wirft Becker mangelnde Kooperation vor. Eine Sitzung zu dem Fall am Londoner High Court endete am Montag laut dem britischen Sender ITV ohne Entscheidung. Bis das Gericht über die Immunität Beckers befunden habe, solle das Insolvenzverfahren aber vorerst bestehen bleiben.

          Geklärt werden muss jetzt also, wie es dazu kam, dass Becker ein angeblich gefälschter Pass vom belgischen Botschafter der Zentralafrikanischen Republik überreicht wurde. Dabei könnte eine Antwort auf den Becker-Tweet vom 27. April helfen. Ein Nutzer mit dem Namen Stephan Welk schrieb: „Ein Nationalheld als Vorbild für Frieden und Lösungen! Großartig.“

          Danach postete der Mann, der sich offenbar extra dafür bei Twitter angemeldet hatte, zwei Bilder, die Becker einmal mit dem Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik, Faustin Archange Touadéra, und einmal mit dem belgischen Botschafter des Landes, Daniel Dedé, und mit Welk selbst zeigen: „Willkommen in Ihrem Diplomaten-Büro“, schrieb er dazu. Stephan Welk wird auf der Homepage der Zentralafrikanischen Botschaft in Brüssel als einer von acht Mitarbeitern des Botschafters geführt. Als „Sonderberater“ habe er die Aufgabe, „effizient und effektiv“ europäische und andere Investoren für die Zentralafrikanische Republik zu mobilisieren.

          „Das war die Idee des Präsidenten“

          Welk kommt eigentlich aus Korbach in Nordhessen. In einem mittlerweile gelöschten deutschen Wikipedia-Beitrag hieß es laut der „Welt“, dass er früher ehrenamtlich für die Laureus-Stiftung gearbeitet habe – zusammen mit Boris Becker. [...] Vor 15 Jahren spezialisierte sich Welk laut seinem englischen Wikipedia-Beitrag jedenfalls darauf, andere Länder zu beraten: Angefangen hat er demnach als Berater für Iran und die Gaddafi-Familie, 2015 wurde er Sonderberater des Außenministeriums für den Inselstaat São Tomé und Príncipe in Europa – und seit diesem Februar für die Zentralafrikanische Republik. Zwei Monate später wurde Becker zum Attaché.

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