https://www.faz.net/-gum-9bfn4

Krisen-PR nach Pass-Posse : Vertraut Boris Becker den falschen Leuten?

Am Mittwoch sagt Welk am Telefon, dass das nicht seine Idee gewesen sei. „Das war die Idee des Präsidenten, der Herrn Becker mal bei einer anderen Gelegenheit kennengelernt hatte.“ Er selbst sei aber dabei gewesen, als Becker im April in Brüssel vom Präsidenten persönlich zum Attaché ernannt worden sei – und ihm der belgische Botschafter danach den Diplomatenpass überreicht habe. Ob er sich erklären kann, wieso der Außenminister der Zentralafrikanischen Republik, Charles-Armel Doubane, Beckers Diplomatenpass als „Fälschung“ bezeichnet hat? „Nein, ich glaube das auch nicht. Warum sollte der Botschafter in Anwesenheit des Präsidenten einen gefälschten Pass überreichen? Ich weiß nicht, was es da für einen Konflikt zwischen dem Außenminister und dem Präsidenten gibt.“ Er habe das Büro des Präsidenten um eine Stellungnahme gebeten, sagt Welk, aber noch keine Rückmeldung bekommen.

Man kann sich vorstellen, wie ratlos Boris Becker vor diesem Chaos steht. Und man kann es sich sogar anschauen. Auf Twitter veröffentlichte er am Dienstagnachmittag unter der Ankündigung „Ich halte Wort“ mehrfach unvollständige Youtube-Links, beim vierten Versuch erschien dann tatsächlich ein Film. Becker war eigens aus London nach Frankfurt geflogen, um dem „Top Magazin“, einem Lifestyle-Magazin für die Rhein-Main-Region, Rede und Antwort zu stehen. Aufgenommen wurde das Gespräch am Dienstag im Union International Club in Frankfurt. „Es ist eine Realität, ist ein Fakt, dass ich heute Diplomat von Zentralafrika bin“, sagt Becker zu seinem Gesprächspartner Christian Hiller von Gaertringen. Immer wieder blickt er selbstgewiss in die Kamera.

„So wie ich jeden kenne“

Wie es zu dem skurrilen Interview kam, ist ebenfalls auf Beckers Twitter-Account zu erahnen. Bei einem seiner verunglückten Tweets hatte er den Screenshot einer Whatsapp-Konversation mit dem ehemaligen PR-Berater Moritz Hunzinger veröffentlicht, der ihm das Video geschickt hatte. Bekannt ist Hunzinger unter anderem deswegen, weil 2002 Verteidigungsminister Rudolf Scharping sein Amt wegen umstrittener Geschäfte mit ihm aufgeben musste – und weil er Cem Özdemir mal einen günstigen Privatkredit gewährt hatte, aus dem die „Hunzinger-Affäre“ wurde.

Was er mit dem Becker-Interview zu tun hat? „Ich kenne ihn von früher“, sagt er am Mittwoch am Telefon, „so wie ich jeden kenne.“ Becker habe wegen der Schlagzeilen über das Insolvenz-Verfahren seinen Rat gesucht. „Ich habe ihn am Samstag getroffen, er war in Bestform. Und ich habe ihm gesagt, er muss sich zu allem mal öffentlich äußern. Es gibt zu wenige O-Töne von ihm und zu viele, die sich für oder über ihn äußern. Und dass ich Leute kenne, mit denen er das Interview machen kann, die gute Fragen stellen.“ Becker sei einverstanden gewesen, am Dienstag hätten sie sich dann in dem Frankfurter Club getroffen. „Das hat alles ganz wunderbar geklappt.“

Hunzinger, mittlerweile Honorarprofessor für PR und Kommunikation an einer Hochschule in der Ukraine, vermittelt dann auch das Gespräch zu Welk, dem Sonderberater des Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik. Die Telefonkonferenz eröffnet er mit den Worten: „Herr Botschafter, Sie sind gerade in Hongkong, oder?“ Wer einen Titel braucht, so macht es den Eindruck, ist in diesen Kreisen gut aufgehoben. Oder eben auch nicht.

Weitere Themen

Topmeldungen

Historischer Altbau oder doch die Hochhauswohnung? Was sich die Deutschen leisten können, hängt nicht nur von der Region ab, sondern kann auch je nach Stadtviertel stark variieren.

F.A.Z. exklusiv : So teuer ist Wohnen in Deutschland

Eine Bude in München oder doch lieber das große Traumhaus in Thüringen? Der F.A.Z. liegen exklusiv Zahlen vor, die belegen, wie groß die Preisunterschiede zwischen Städten, Regionen und sogar Stadtteilen tatsächlich sind.

Bei Auftritt in Iowa : Joe Biden beschimpft Wähler

Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa beschimpft Joe Biden einen 83 Jahre alten Mann als Lügner, weil der ihn wegen der Ukraine-Affäre kritisiert: „Ich wusste, dass Sie mich nicht wählen werden, Mann, Sie sind zu alt.“

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.