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Prozess in Frankreich : Zwei Millionen für vertauschte Töchter

Würden niemals zurücktauschen: Sophie Serrano (rechts) mit ihrer Tochter Manon nach einer Anhörung im Gericht von Grasse Bild: AFP

Als der Vater einen DNA-Test machen will, weil er glaubt, sein Kind sei von einem anderen Mann, stellt sich heraus: Er ist nicht der Vater – seine Frau aber auch nicht die Mutter. Die Geschichte eines großen Irrtums.

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          Es ist die Geschichte einer Vertauschung, wie sie die Franzosen bislang nur aus dem Kultfilm „Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss“ kennen. Manon und Mathilde wurden als Säuglinge im Brutkasten vertauscht – von einer alkoholkranken Kinderpflegerin, die nicht voll zurechnungsfähig war.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          20 Jahre ist das jetzt her und ein Gericht in der Parfumstadt Grasse im Süden Frankreichs hat den beiden Familien jetzt knapp zwei Millionen Euro Schadenersatz zugesprochen. Die Klage geht auf Sophie Serrano zurück, die Mutter von Manon. Sie war bei der Geburt ihrer Tochter 18 Jahre alt und hatte sich nur gewundert, dass ihr Säugling in der Entbindungsklinik von einem Tag auf den anderen mehr Haare hatte. „Das liegt an den Infrarotstrahlen“, wurde ihr gesagt. Ihre Tochter war wegen einer beginnenden Gelbsucht mit Infrarotlicht behandelt worden – genauso wie Mathilde, die einen Tag jüngere Tochter einer Familie von der Insel La Réunion. Die beiden Säuglinge lagen aus Platzmangel im gleichen Brutkasten, dort kam es zur Verwechslung.

          Ein Vaterschaftstest brachte den Fall ins Rollen

          Sophie Serrano erinnert sich, dass sie sich wunderte, wie matt die Haut ihrer Tochter war. Aber sie erklärte sich das mit ihren spanischen Vorfahren. Im Dorf wurde die kleine Manon hingegen wegen ihrer mangelnden Ähnlichkeit mit ihren Eltern gehänselt. „Die ist wohl vom Briefträger, hieß es damals“, erinnert sich Serrano. Ihr Mann glaubte, sie habe ihn hintergangen, die Ehe ging in die Brüche. Schließlich wollte er keinen Unterhalt mehr zahlen, Manon sei ja gar nicht seine Tochter. Sophie Serrano ließ einen Vaterschaftstest machen. „Da stellte sich heraus, dass er nicht der Vater war, aber ich auch nicht die biologische Mutter von Manon. Es war ein Schock“, sagte sie.

          Manon war da gerade zehn Jahre alt. Ihre Mutter strengte eine Klage an. Innerhalb von drei Monaten fand die Gendarmerie heraus, dass die Mädchen vertauscht worden waren. Die Familien nahmen Kontakt zueinander auf. „Ich war über die äußere Ähnlichkeit meiner leiblichen Tochter verblüfft. Aber bald stellte sich heraus, dass wir uns einander nichts bedeuten. Wir haben zu viele kulturelle Unterschiede. Wir sind wieder auf Distanz gegangen“, sagte Serrano. Zu keinem Zeitpunkt hätten die Familien daran gedacht, die Mädchen zurückzutauschen. „Meine Bindung zu Manon ist extrem stark“, sagte Serrano.

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